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Interview "Hof des Monats Februar 2011" mit Ellen Beate und Angie
vom Haselhof- 01920 Haselbachtal - OT Möhrsdorf

hier geht es zur Fleygur Website vom Haselhof

Der „Haselhof“ liegt im wunderschönen Westlausitzer Hügelland zwischen Pulsnitz und Kamenz, ½ Stunde Fahrzeit von Dresden entfernt. Sanftgeschwungene Hügel, Steilhänge, Geröllfelder, flaches Gelände, Wälder und Felder laden hier zu abwechslungsreichen und ausgedehnten Ausflügen zu Pferd ein. Aber auch eine kleine Ovalbahn und zwei Reitplätze stehen zur Verfügung, auf denen das Haselhof- Team allen wissbegierigen Reitern und solchen, die es werden wollen, das Reiten auf freundlichen Islandpferden vermittelt. Auf den weitläufigen Koppeln grasen die Isländer im Herdenverband. Auch im Stall wird die Herde nicht getrennt, die Pferde leben in kleinen Gruppen im jeweils eigenen Offen- bzw. Laufstall. Für besondere Fälle stehen einige Boxen, z.T. mit Paddock, zur Verfügung.

Fleygur: Ellen Beate, der "Haselhof" ist eine der ersten Islandpferdereitschulen in Sachsen, bzw. in Ostdeutschland überhaupt. Islandpferde waren dort doch längst nicht so bekannt, wie in Westdeutschland. Hattet Ihr damals mit besonderen Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen? Was bewog Euch dazu nach Ostdeutschland zu gehen und wie waren Eure Anfänge dort?  

Ellen Beate: 1991, also kurz nach der Wende, zog es uns vom schönen Münsterland nach Sachsen unweit der Landeshauptstadt Dresden, denn Uli baute hier einen Vertrieb für Sandstrahlgeräte auf. Angie wollte ja schon als Einjährige immer zu den Pferden, damals noch im Allwetterzoo in Münster. Hier in Sachsen sah es dann ziemlich mau aus mit Pferden, also musste eine Lösung her. Uli, der früher selbst einen Stall mit Warmblütern hatte, erinnerte sich an seine Reitanfänge zurück- 1963 lernte er auf Islandpferden das Reiten. Ein Stall war schnell gefunden und 1995 zogen die ersten Islandpferde bei uns ein, Tofa von Ellenbach und Fagra- Raudka sind die Urmütter vom „Haselhof" aber auch Stjarni, Angies erstes Turnierpferd, gehörte zur Gründergruppe. Wenig später kamen dann Mary Lou und Freykja zu uns. Die beiden stammten aus dem Rostocker Zoo, die einzige Stelle, wo zu DDR Zeiten Islandpferde gezüchtet wurden. Die Grundsteine waren gelegt und es begann der "Aufbau Ost". Pferde, die Sommers wie Winters auf der Weide stehen, Ponies als Rasenmäher für 500 DM, hoch gewachsenes Futter (keine Eiweißprachtflächen), Pferde die keinen Galopp gehen und und und....
Das alles waren Aussagen, die wir uns immer wieder anhören durften und auch heute kommt es noch vor.

Fleygur: 2010 habt Ihr ein großes Jubiläum gefeiert. 15 Jahre gibt es mittlerweile das Islandpferdegestüt „Haselhof“ und 10 Jahre die ISI-Reitschule „Haselhof“. Wenn Ihr so zurückschaut, worauf seid Ihr ganz besonders stolz?

Ellen Beate: Nicht immer haben wir den "Haselhof" nur im Doppelpack geschmissen, ein wichtiger Bestandteil, nämlich Uli, hat uns 2006 verlassen, was für uns alle sehr schmerzlich war. Aber trotzdem haben wir es geschafft und heute, in 2011, haben wir einen Hof, der uns jeden Tag ein Lächeln schenkt, ich denke darauf können wir ganz besonders stolz sein.

Fleygur: Die letzten Wochen war bei Euch ja richtig was los, da war zum Beispiel die Verleihung der Graf-von-Lehndorff Plakette für Euren Lehrling Katharina Mosch, bei der FN in Warendorf, was hat es denn damit eigentlich auf sich?

Ellen Beate: Diese Auszeichnung erhalten Pferdewirte Zucht und Haltung mit einem Notendurchschnitt besser als 2,0 in der Abschlussprüfung (Theorie und Praxis). Die Lehrlinge von sächsischen Islandpferdebetrieben müssen bisher, anders als in anderen Bundesländern, ihre Prüfung auf Warmblütern ablegen, welche von dem Landesgestüt Moritzburg gestellt werden, wo auch die Prüfung stattfindet, da ist ein solches Ergebnis schon eine sehr tolle Leistung. Die Ausbilder dieser Lehrlinge werden mit einer Urkunde ausgezeichnet. Angie ist selbst im Besitz von drei Warmblütern und hat Katharina, mit diesen, bestmöglich auf die Prüfung vorbereitet, tja und diese Arbeit wurde u.a. in Warendorf belohnt.

Fleygur: Darüberhinaus dürfen wir Euch noch zum 3. Platz beim „Preis der sächsischen Pferdebetriebe gratulieren und schließlich hatte Angie im Dezember noch den Fernsehauftritt mit Ihrem Islandhengst "Nidur vom Hochwaldhof" bei Frank Elstner in der ARD. Das war doch sicher alles sehr aufregend und auch anstrengend - noch dazu so kurz vor Weihnachten, oder?

Angie: Naja, eigentlich wurden wir ja bereits Anfang Oktober in Vorweihnachtsstimmung versetzt, als in Berlin die Aufzeichnungen für das "Quiz der Tiere" stattfanden, hier hieß es zwei Tage lang warten, warten, warten:-) Nidur und ich hatten außer einer Stellprobe, zwei Proben mit Frank Elstner und dem eigentlichen Auftritt von ca. fünf Minuten, nicht so viel zu tun, was nicht heißt, dass einem langweilig wurde, wir hatten ja viele verschiedene Tiere zu beobachten.
Und dann war noch die Preisverleihung "Preis der sächsischen Pferdebetriebe" während des Adventsturniers in Dresden, wohlbemerkt das erste Turnier für Pferde mit einem Stockmaß über 1,55 m, wo ich meine Mutter dazu überreden konnte, eine geschlagene halbe Stunde auf der Tribüne auszuharren und elchartige Tiere über große Hindernisse fliegen zu sehen;-) und sieh an, sie hatte sogar ein kleines bisschen Spaß. Nun aber zu dem Preis: Beurteilt wurde das Erscheinungsbild unseres Hofes, Haltungsformen, Sauberkeit, Sicherheit für Mensch und Tier sowie die Absicherung des Hofes. Wir sind sehr stolz hier den dritten Platz erhalten zu haben, in einer Domäne von Großpferdeställen.

Fleygur: Auf jeden Fall eine tolle Auszeichnung für Euer Team! Bei Euch werden Teamwork und Gemeinschaft ohnehin großgeschrieben. Ihr sprecht auch von der "Haselhoffamilie" und schließt dabei Einsteller und Reitschüler mit ein.  Wie schafft man ein solches familiäres Klima, insbesondere bei einer so großen Gemeinschaft?

Angie: Wir mussten in 2006, wie ja schon oben erwähnt, von heute auf morgen alles alleine stemmen, dabei sind wir mit Einstellern und Reitschülern sehr eng zusammen gewachsen. Diese „Haselhoffamilie“ ist auch heute noch ein Team, natürlich sind zwischenzeitlich viele neue Einsteller und Reitschüler dazu gekommen, wir versuchen aber auch mit ihnen ein familiäres Miteinander zu führen, denn der „Haselhof" ist unser Leben. Zu unserer Familie gehört natürlich auch unser starkes Mitarbeiterteam, das mit uns durch dick und dünn geht.

Fleygur: Angie, neben der alltäglichen Arbeit, dem Unterricht und den externen Kursen, die Du  ja auch noch gibst, bildest Du Dich selbst ja auch kontinuierlich reiterlich weiter. Du hast im letzten Jahr das goldene Reitabzeichen abgelegt und bist im Sommer das erste Mal bei den Erwachsenen in der Sportklasse gestartet. Möchtest Du künftig auch verstärkt an Sportturnieren teilnehmen? Wenn ja, woher nimmst du die Zeit?

Angie: Ja, ja die liebe Zeit. Die ist bei mir tatsächlich Mangelware, deswegen habe ich schon in den letzten Jahren die Teilnahme an Turnieren reduziert, dennoch versuche ich aber so oft wie möglich teilzunehmen und würde es auch gerne in nächster Zeit wieder intensivieren. Natürlich muss man dazu sagen, dass für Hofbesitzer und Reitlehrer die Sommerzeit, in der vorwiegend unsere Turniere stattfinden, auch Hauptsaison ist und man sozusagen auf zwei Hochzeiten tanzen muss. Ich hoffe auf jeden Fall, dass es auch in den neuen Bundesländern immer mehr Turniere gibt und diese in Deutschland mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.

Fleygur: Ihr habt so viel erreicht in den ersten 15 Jahren „Haselhof“ – was sind Eure die Visionen und Wünsche für die nächsten 15 Jahre?

Ellen Beate: Ganz oben steht da natürlich unsere geplante Reithalle, die uns gerade über die Wintermonate eine riesen Erleichterung wäre, da die Winter hier in Ostsachsen Vorsibieren ähneln:-) Außerdem hat Angies weitere Entwicklung einen hohen Stellenwert, Ziele wie die Ausbildung zum Pferdewirtschaftsmeister, aber auch zum Pferdeosteopathen stehen in nächster Zeit an. Viele weitere Überraschungen sind in Arbeit;-)

Fleygur: Abschließend wie immer auch an Euch unsere Standardfrage. Mit welcher Person aus dem "Pferdebereich" würdet Ihr denn gerne mal bei einem längeren Ausritt ein Gespräch führen und zu welchem Thema?

Angie: Ich würde sehr gerne einen Tag bei Frau Dr. Angelika Trabert, eine international sehr erfolgreiche Handicapreiterin, verbringen und von ihr bei einem Ausritt mehr über ihren Alltag mit Pferden erfahren, wie sie Probleme, die durch die Behinderung auftreten, löst, und wie sie selbst Reitern mit einem Handicap zur Seite steht.

Ellen Beate: Tja und ich wünsche mir die Zeit für einen gemütlichen Ausritt mit meiner Tochter, um mal in Ruhe neue Pläne schmieden zu können und um unsere Leidenschaft, unsere Isis, zu genießen.

Fleygur: Vielen Dank Euch Beiden und alles Liebe und Gute weiterhin.



Angie mit Sternchen 2008