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Sie sind hier: Artikel ->Pferdefütterung im Winter - Was ist wichtig?

von Tierärztin Elke Stark

In den kalten Wintermonaten kommt der „richtigen“ Pferdefütterung besondere Bedeutung zu.
Das Fehlen von frischem Gras und Sonnenlicht, ein gesteigerter Energiebedarf und eine erhöhte Infektanfälligkeit können zu Engpässen in der Versorgung des Pferdes führen.
Für die optimale Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen ist eine sinnvolle Auswahl an Futtermitteln jetzt besonders wichtig.

Die folgende Auflistung soll einen groben Überblick verschaffen.
Die genauen Mengenangaben richten sich nach dem Individualbedarf; sie hängen unter anderem ab von Art und Dauer der Arbeit sowie der individuellen Konstitution des Pferdes. Seriöse Angaben und Rechenbeispiele finden sich in den Büchern „Pferdefütterung“ von Meyer / Coenen (5. Auflage, 2014) und „Supplemente zur Tierernährung“ von Kamphues u.a. (12. Auflage, 2014).
Entsprechend spezialisierte Tierärzte bieten genaue, computergestützte Rationsberechnungen für Pferde an. Bei speziellen Fragestellungen kann z. B. auch der Lehrstuhl für Tierernährung an der Universität Leipzig konsultiert werden.
Für eine bessere Einschätzung, ob das eigene Pferd normalgewichtig, zu dünn oder zu dick ist, hilft ein Blick auf den Body Condition Score (BCS), z. B. unter

https://www.st-hippolyt.de/images/Downloads/infos/BCS%20fertig_deutsch.pdf

1. Grundversorgung: Rohfaser und Mineralfutter

Basis einer optimalen Ration ist auch im Winter ausreichend Heu in hervorragender Qualität. Als Mengenangabe für ein normalgewichtiges Pferd gilt die Faustformel von mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Pferdegewicht. Ideal ist ein 24stündiger Zugang zum Heu. Bei „Staubsaugern“ oder stark übergewichtigen Pferden empfiehlt sich das Abdecken mit Netzen, um die Portionsgrößen zu verkleinern und die Fressdauer zu verlängern (Netze nicht zu tief anbringen und nicht zu weitmaschig wählen – Verletzungsgefahr!). Gutes Heu hat eine grünliche Färbung, duftet angenehm und staubt kaum. Ideal ist ein später erster Schnitt.
Heulage kann im Winter als Alternative zu nassem Heu bei Pferden mit allergischen Erkrankungen des Atmungstraktes zum Einsatz kommen. Sie staubt nicht und ist für die meisten Pferde gut verdaulich – der Herstellungsprozess umfasst jedoch einige Risiken, so dass hier extrem penibel auf Spitzenqualität und beste Lagerung geachtet werden muss (https://de.wikipedia.org/wiki/Heulage).

Ebenfalls zum Standard gehört die Versorgung des Pferdes mit einem hochwertigen, auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Mineralfutter. In Selenmangelgebieten (v.a. Süddeutschland) auf einen entsprechend angepassten Selengehalt achten.
Ein einfacher Salzleckstein sollte auch im Winter stets verfügbar sein.

2. Zusätzliche Energieversorgung

Wird das Pferd intensiv geritten oder anderweitig gearbeitet, soll es an Gewicht zunehmen oder bei extremen Witterungsbedingungen können gezielte Energiezulagen in Form von Kohlenhydraten und/oder Fetten bzw. Ölen notwendig werden.
Ein hervorragender, für das Pferd ideal verwertbarer Kohlenhydratlieferant ist Hafer – er ist zudem vitaminreich hat einen Fettanteil von etwa 5%, was zusätzliche Energie liefert.
Eingeweichte Zuckerrübenschnitzel haben ebenfalls einen hohen Energiegehalt; die Fütterung gestaltet sich in den Wintermonaten im Offenstall aufgrund der langen Einweichzeit jedoch häufig schwierig. Zuckerrübenschnitzel gibt es melassiert sowie unmelassiert; letztere haben einen reduzierten Zuckergehalt.
Bei Pferden mit Insulinresistenz oder Tendenz in diese Richtung empfiehlt sich generell, eventuell benötigte zusätzliche Energie weniger in Form von Kohlenhydraten, sondern mehr in Form von Fetten bzw. Ölen zuzufüttern – aber auch alle anderen Pferde können einen gewissen Anteil Öl in ihrer Ration gut verwerten. Empfehlenswert sind kaltgepresste Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren (insbesondere Omega-3 und -6-Fettsäuren), zum Beispiel Leinöl oder Schwarzkümmelöl. Letzteres ist im Winter besonders interessant, weil es eine gewisse immunstimulierende, entzündungshemmende Wirkung hat. 20 ml pro Pferd und Tag sind problemlos zufütterbar, bedarfs- und akzeptanzabhängig kann die Ölmenge bei einem Islandpferd sogar auf bis zu 400 ml pro Tag erhöht werden.

3. Eiweiß

Für den Aufbau von Muskulatur kann Eiweiß gezielt zugefüttert werden.
Neben speziellen, kommerziellen Ergänzungsfuttermitteln (u.a. mit Algenprotein) enthält z. B. Luzerne hochwertige Eiweiße und kann als energiearmes, rohfaserreiches Ergänzungsfuttermittel auch bei rehegefährdeten Pferden eingesetzt werden (auf unmelassierte Pellets achten). Luzernepellets gibt es, je nach Hersteller, zum Einweichen oder für die Trockenfütterung.
Ein weiterer Vorteil von Luzerne ist ihre gewisse puffernde Eigenschaft auf die Magenschleimhaut. Aktuelle Forschungsergebnisse von 2016 raten jedoch vom Einsatz von Luzernehäckseln ab, da diese aufgrund ihrer Faserstruktur die Magenschleimhaut schädigen können. Für die pelettierte Form gilt dies jedoch nicht.

4. Zusätzliche Vitaminversorgung

Karotten sind schmackhaft, gut verdaulich und liefern unter anderem Beta-Carotin (Provitamin A) sowie weitere fettlösliche Vitamine. Für eine ideale Verwertung empfiehlt sich die zeitgleiche Gabe von Öl (z. B. Leinöl, Schwarzkümmelöl). Ihr Zuckergehalt ist mit etwa 5% überschaubar, bei rehegefährdeten Pferden sollten sie jedoch nur in Maßen zum Einsatz kommen.

5. Wasser

Sauberes Wasser muss für alle Pferde permanent zur Verfügung stehen. Ideal sind beheizbare Tränken, da auch Pferde bei eisigen Aussentemperaturen angewärmtes Wasser bevorzugen. So kann eine ausreichende Wasseraufnahme sichergestellt und sogar Koliken vorgebeugt werden.


Für weitere Informationen:

Tierärztliche Praxis für Pferde

Elke Stark, prakt. Tierärztin
Waizenbach 5, 94474 Vilshofen an der Donau
Telefon mobil:   0176 / 625 172 38
E-Mail: kontakt@osteopathie-pferdepraxis.de
https://www.osteopathie-pferdepraxis.de/