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witzige Kolumne

von Karen Diehn in mehreren Teilen - Teil 3

Trainerhopping!

Ich habe eine Freundin namens Susi, die ein sehr stressiges und zeitaufwändiges Hobby hat. Nein, ich meine nicht die Reiterei oder ihr Islandpferd. Aber Susi betreibt aktives Trainer-Hopping, das bedeutet, sie macht an 30 Wochenenden im Jahr Kurse bei jedem Trainer, der eine heilversprechende Methode praktiziert, eine bahnbrechende Idee des Reitens verkauft oder schlicht eine Aura verbreitet, die sie dahin schmelzen lässt. Die Lehrgansleiter, hauptsächlich Männer, haben fast alle exotisch klingende Namen und sprechen nur gebrochen Deutsch. Das stört Susi aber nicht, sie kutschiert ihren Wallach Lullari gerne 300 Kilometer weit für „Rennpass-Reiten nach Methode von Odinsson&Heklasdottir“ und fünf Tage 400 Kilometer zu „Pferdeflüstern für Fortgeschrittene mit Don Jaime Manolo Los Santos Torres“.

Das doofe am Trainer-Hopping sei aber, sagt Susi, dass nach 2,5 Tagen der Guru leider weiter zöge und man sich alleine deswegen schon umorientieren müsse. Man könne daher in alles nur mal „hineinschnuppern“ und müsse das Beste von allem mitnehmen. Guckt man in Susis Sattelkammer, dann ist „das Beste“ von solchen Spezial-Trainern immer deren eignes, hilfreiches Zubehör. Zum Beispiel der doppeltgeschweifte Schlaufzügel aus echtem Trollhaar, das aus Sleipnirs letztem Hintereisen geschmiedete Supergebiss und die grüngestreiften Plastikschläuche samt farblich passendem Halfter und Strick, die beim Kurs „Schiefe Pferde reiten für Anfänger“ zu erwerben waren.

In ihrer raren Freizeit übt Susi mit ihrem Lullari das Kombinieren der Methoden. Dazu läuft ihr Pferd dann grüngestreift behalftert um Plastikhütchen, kaut auf dem Gebiss vom Kurs „Der Weg ins Herz des Pferdes führt über sein Maul“ und Susi selber versucht sich im Hock, der Urform des klassischen Islandpferdesitzes. Dass Lullari trotz Hock mehr schwöltet als töltet und er die grüngestreiften Plastikschläuche lieber fressen möchte, als sie elegant zu durchschreiten, macht Susi schon ein bisschen Sorgen. Aber natürlich lässt sie sich selbst beim „Nonverbalen Pferdetelepathie“-Kurs filmen, so dass sie jederzeit nochmal gucken kann, was es ihr gebracht hat und was sie vielleicht anders machen könnte.

Im letzten Winter, als die Gurus Deutschland verlassen hatten, um in wärmeren Regionen zu überwintern, kam Susi aber gar nicht mehr weiter. Weder Tierkommunikation, noch die Hand-Kappzaum-Hand-Methode fruchteten, Lullari verweigerte den Gang durch die Schläuche und Susi fiel beim Leicht-Hock vom Pferd. Das erste Mal seit Jahren suchte sie daher die örtliche Reitschule auf, wo ein älterer Herr nach einer Methode ohne Namen lehrt.

Susi berichtete erstaunt, dass sie zunächst all das „Gedöns“ vom Pferd nehmen musste und dann „einfach nur vorwärts reiten“ sollte. Und Lullari spurte! Ich dachte schon, Susi hätte sich ein neues Hobby gesucht. Aber im letzten Januar, als die ersten Jahresprogramm in Susis Briefkasten flatterten, wurde sie rückfällig und meldete sich für „Halsring-Reiten für mehr Versammlung“ und „Klassische Reiterei für Isländer nach iberisch-dänischen Vobildern mit Jens Gomez Gudlaugson“ an. Einmal Hopper, immer Hopper…