Sie sind hier: Artikel ->Töltreiten

Von Janine Köhler, IPZV Trainer A

Töltreiten - Wege vom Pass zum taktklaren Tölt

1. Vorbemerkung

Das Islandpferd ist, gemessen an anderen europäischen Pferderassen, eher klein. Sein Stockmaß beträgt im Durchschnitt 1,34 m bis zum Widerrist. Aufwachsbedingungen und die vielseitige Beanspruchung haben ein ungeheuer starkes und ausdauerndes Pferd hervorgebracht, und keine andere Pferderasse der Welt verfügt über eine derartige Vielfalt der Gänge.
Daher ist Töltreiten wohl das wichtigste Thema der Islandpferdereiterei. Schließlich ist gerade mit Islandpferden das Bild von flott vorwärtstöltenden heiteren Reitern und Pferden verbunden. Sie prägen dieses Bild lange vor dem Auftauchen der anderen Gangpferderassen, zumindest in Deutschland bzw. Europa.

Das zum richtigen Tölten oft wesentlich mehr gehört, als sich einfach auf einen Isländer hinaufzuschwingen und loszulegen, steht außer Frage.
Tölt ist – wie Schritt, Trab und Galopp – eine natürliche Gangart des Pferdes. Trotzdem funktioniert Töltreiten nicht wie Trab- oder Galoppreiten. Denn es gibt sie nicht, die Tölthilfe.
Das lässt sich am besten damit erklären, dass ein Pferd nur tölten kann, wenn es sich in einem ganz bestimmten Zustand befindet: Es muss im Gleichgewicht sein, im Viertakt die Balance gefunden haben.
Wichtigste Grundlage für das Töltreiten ist, dass der Reiter ein Gefühl für diese Balance und ein Gespür für den Fluss der Bewegung entwickelt, denn das Islandpferd verfügt über eine Vielzahl von möglichen Gangverschiebungen im Tölt, die nicht erwünscht sind. Eine dieser Verschiebung tendiert zum Pass, der sogenannte Passtölt. In dieser Arbeit soll es darum gehen, die Ursachen für den Passtölt besser zu erkennen und daraufhin die richtigen Hilfen geben zu können bzw. die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.

2. Das Ziel: Der taktklare Tölt

Tölt ist eine faszinierende Gangart. Und kaum wird man eine solche Weichheit des Töltes und Kraft feststellen, wie beim Islandpferd. Der gute Tölter geht ausdrucksvoll und wirkt auf seinen Betrachter leichtfüßig und beweglich. Soll sich der Tölt schön anfühlen, so muss die Bewegung locker durch den ausbalancierten Körper fließen.
Tölt wird in einem reinen Viertakt mit acht Phasen gelaufen und hat die gleichen Fußfolgen und Phasen wie im Schritt, wobei der Unterschied im Tempo liegt:
Der Tölt ist eine gelaufene Gangart und keine schreitende. Dadurch ändert sich beim Tölt die Dreibeinstütze des Schrittes zur Einbeinstütze.
Der Bewegungsablauf ist beim Tölt folgender:
Einbeinstütze hinten links, laterale Zweibeinstütze hinten links und vorne links, Einbeinstütze vorne links, diagonale Zweibeinstütze vorne links und hinten rechts und dann eine Einbeinstütze hinten rechts, laterale Zweibeinstütze hinten rechts und vorne rechts, Einbeinstütze vorne rechts, diagonale Zweibeinstütze hinten links und vorne rechts.

Phasenfolge im Tölt

Der Vergleich: Phasenfolge im Schritt

2.1 Hilfen zum Tölt

 Hilfen zum Töltreiten sind schwierig zu erklären, denn es gibt keine generelle Anleitung, wie z.B. für den Galopp oder Trab. Die Töltveranlagung, die Rittigkeit und die Losgelassenheit eines Isländers ergeben eine große Vielfalt von unterschiedlichen Typen. Deshalb muss der Reiter immer wieder auf andere Art und Weise antölten oder Tölt reiten. Aus diesem Grund kann man auch nicht von einem einheitlichen Töltsitz sprechen. Man kann nur eine Vielzahl von Zusammenhängen erklären und Gemeinsamkeiten aufzeigen.

 2.2 Der Sitz

Die besten Einwirkungen und das richtige Gefühl für die Bewegung kommen aus dem korrekten Sitz dem sogenannten Vollsitz.
Dabei sitzt der Reiter auf beiden Gesäßknochen. Seine Beine liegen aus dieser Position flach am Pferd liegend gerade nach unten. Der Unterschenkel liegt leicht nach hinten zeigend, zwanglos am Pferdekörper. Der Oberkörper wird aus der Hüfte gerade aufgerichtet. Die Schultern werden locker und zwanglos zurückgenommen, dadurch liegt der Oberarm locker am Körper. Der Ellenbogen ist leicht angewinkelt. Die Hände aufrecht und als direkte, weiche Verbindung zum Pferdemaul. Der Reiter soll gut ausbalanciert und fähig sein, den Bewegungen des Pferdes geschmeidig zu folgen. Jedoch gibt es viele Pferde, die im Tölt oder beim Antölten zeitweise entlastet werden müssen. Also kann man deshalb neben dem eben beschriebenen Vollsitz von einer zweiten Sitzform sprechen, dem Entlastungssitz:
Der Reiter geht mit dem Oberkörper nach vorne und nimmt dabei das Gewicht leicht aus dem Sattel, damit das Pferd den Rücken frei bewegen kann und nicht verspannt. Bei diesem Sitz ruht das Gewicht vermehrt auf Knie und Steigbügel.

2.3 Einwirkungen

Bevor der Reiter antölten will, muss er die Zügel im Schritt verkürzen. Dabei muss beachtet werden, dass der Zügel mit Gefühl verkürzt wird und die Reiterhand ruhig ansteht und nicht in ein zurückziehen verfällt.
Gleichzeitig kommt der Einsatz von treibenden Hilfen. Dazu wird das Kreuz verstärkt angespannt, die Schenkel werden vorsichtig ans Pferd genommen, eventuelle berührt man es sogar aufmunternd mit der Gerte, wobei die Hand ruhig stehen bleibt. Das Pferd wird also gegen die verhaltende Hand getrieben bzw. es werden annehmende bis nachgebende Zügelhilfen gegeben. Die Gewichtshilfe ist in diesem Fall beidseitig belastet. Wieviel man das Pferd gegen den Zügel treiben muß , hängt von Reaktion, Sensibilität und Ausbildungsstand ab.

3. Das Problem: Passtölt

3.1 Was ist Passtölt!

Beim Passtölt ändern sich die Auffußungsabstände in der Lateralen. D. h. die laterale Zweibeinstütze ist zu lang am Boden, wie folgende Bilderabfolge verdeutlicht:

Um sicher zu sein, ob das Pferd passig geht, bietet sich für den weniger erfahrenen Reiter die beste Kontrollmöglichkeit für den Takt, wenn er ein Stück auf harten Boden töltet, wo er ihn gut hören kann.
Geht das Pferd im Tölt passig, dann trägt es das Gewicht zu sehr auf der Vorhand. Es befindet sich nicht im Gleichgewicht, der Rücken wird durch diese falsche Belastung steif und unelastisch. Diese Steife setzt sich in den Beinen fort. Das Pferd beugt sich nicht in den Gelenken und liegt meist noch auf dem Gebiss, weil es ständig bemüht ist, sein Gleichgewicht zu finden.

3.2 Mögliche Ursachen für den Passtölt

•  Zu starke Passveranlagung

•  Gebäudefehler: Der Passtölt wird durch Gebäudefehler, wie z.B. ein kurzer, tief angesetzter Hals, eine steile Winkelung der Vorhand, ein fester Rücken oder ein Überbautsein noch verstärkt. Seine Korrektur wird dadurch erschwert.

•  Falsche Hilfengebung: wenn der Reiter durch zu starke Zügeleinwirkung das Pferd einengt, siehe die unterschiedlichen Passtölter ab 3.3

•  Falsche Sattlung: Zum Tölt reiten eignet sich ein flacher Sattel, der deutlich zurückgelegt werden soll, damit die Vorhand entlastet und die Hinterhand belastet wird.

•  Falsche Zäumung: Beim verspannten Passtölter ist es wichtig keine zu scharfen Gebisse, oder Gebisse mit Hebelwirkung zu nehmen. Gut geeignet ist eine weiche, doppeltgebrochene Trense. Beim entspannten Passtölter hingegen kann es oft hilfreich sein, wenn man mit einem einfachgebrochenem Gebiss reitet. Gebisslose Zäumung wird das Pferd zu lang und die Korrektur ist nur bedingt möglich

•  Falscher Beschlag: Der Passtölter wird vorne schwerer beschlagen. Zusätzlich kann man noch mit Gewichten, wie z.B. Glocken oder Ballenboots, arbeiten. Die Vorhand reagiert in ihrer Bewegung oft schon bei einer Veränderung von 50-100 g pro Bein.

•  Falscher Weg: siehe unterschiedlichen Passtölter ab 3.3

•  Falsches Tempo: Die meisten Passtölter lösen sich am Besten im Mitteltempo

•  Falsche Korrektur: Siehe ab 3.3

•  Passtölt als Folge des Eintöltens: Es kommt häufig vor, dass ein Traber, der eingetöltet wird, zum Passtölter wird. Wenn dieses Pferd lang anhaltend im Passtölt oder gar im Pass bleibt, dann muss es wie jeder andere Passtölter korrigiert werden. Wenn er aber nur wenige Schritte zum Pass tendiert, braucht dieser nicht korrigiert zu werden, da sich diese Verspannung von selbst löst.

•  Problematisches Temperament: entweder zu faul und lasch oder zu hektisch und verspannt

3.3 Pass aus der Verspannung

Der verspannte Passtölter ist fest und steif im Rücken. Daher kommt der Reiter nicht zum sitzen, kneift die Gesäßbacken zusammen, sitzt „ über dem Sattel“ und drückt die Zehen in die Bügel.
Dieser Typ ist zwar seltener, seine Korrektur ist allerdings auch schwieriger, zumindestens erfordert sie einen geschickten Reiter.
Meist sind diese Pferde eher sensibel und temperamentvoll.
Manchmal ist es sogar schwierig, wirklich zu erkennen, welchen Typ Passtölter man eigentlich hat. Oftmals ist der Besitzer der Meinung, einen verspannten Passtölter zu haben, bei der Korrektur stellt sich dann heraus, dass sein Pferd in Wahrheit zu lasch ist. Wenn man sich nicht sicher ist, welchen Pferdetyp man hat oder gerade reitet, sollte man eventuell beide Korrekturwege versuchen um herauszufinden, auf welche Methode das Pferd reagiert.

3.3.1 Ursachen

Der verspannte Passtölter zeigt seine Schwierigkeiten oft auch schon in den anderen Gangarten, besonders im Schritt. Vor allem, wenn der Reiter im Schritt die Zügel aufnimmt neigt das Pferd zu Verspannungen und bekommt oft einen passverschobenen Schritt. Manchmal wird dies begleitet von Kopfschütteln, ungleichen Schritten oder anderen Anzeichen der Unzufriedenheit. Im Galopp sind diese Pferde eher stürmisch und tendieren gerne zur Passverschiebung. Wird das Pferd über eine längere Strecke galoppiert, so bessert sich der Galopp oft zusehends, während er bei dem entspannten Passtölter meist eher schlechter wird, je länger das Pferd galoppiert.
Gerade bei dem verspannten Pferd liegt die Ursache sehr häufig im Sitz und in der Einwirkung des Reiters. Besonders wichtig ist der losgelassene, unabhängige Sitz des Reiters. Solange der Reiter sich zur Balance am Zügel festhält, seine Hüfte steif ist oder der Reiter mit dem Schenkel klammert, ist es unmöglich, das Pferd locker zu bekommen. Genauso wichtig ist, dass der Reiter über eine klare Einwirkung verfügt. Um den Passtölter zu korrigieren, muss er in der Lage sein, im richtigen Moment zu treiben, den Zügel anzunehmen und auch wieder nachzugeben. Er muss das sichere Gespür für einen festgehaltenen und lockeren Pferderücken entwickeln.
Besonders stark wird die Verspannung meist, wenn der Reiter gleichzeitig mit Schenkel- und Zügelhilfen arbeitet. Um den Tölt aber zu korrigieren, sollte es möglich sein, beide Hilfen einzusetzen, ohne dass sich das Pferd verspannt.

3.3.2 Korrektur

Die Korrektur kann an zwei verschiedenen Punkten ansetzen.

Zunächst ist es wichtig, das Pferd im Tölt möglichst locker werden zu lassen, es zu lösen und zu entspannen. Hierfür sollte auch die Ausrüstung überprüft werden. Der Sattel darf nicht drücken, deshalb sollte man zum Schutz des Pferderückens ein schonendes Pad unterlegen. Der Sattel darf weder zu weit hinten, noch zu weit vorne liegen.
Die Zäumung darf nicht zu scharf sein. Gut geeignet ist eine weiche, doppelt gebrochene Trense. Scharfe Gebisse oder Gebisse mit Hebelwirkung sind gänzlich ungeeignet. Auch der Beschlag sollte überprüft werden. Es ist hilfreich, wenn der Passtölter vorne schwerer oder mit stoßdämpfenden Lederplatten beschlagen wird. Zusätzlich empfiehlt es sich, dass Pferd anfangs mit Glocken vorne zu arbeiten, um ihm das taktklare laufen so leicht wie möglich zu machen.
Beim Reiten kann man versuchen, das Pferd zunächst im Trab oder in einem leichten Galopp zu lösen. Beginnt man mit dem Tölt, so wählt man zunächst das Tempo, das dem Pferd am leichtesten fällt, meist ist dies ein mittleres Tempo. Oft ist es aber auch gut Tempounterschiede zu reiten und dabei zeitweise zu entlasten.
Hilfreich ist es, das Pferd im Tölt auf gebogenen Linien zu reiten, Schlanglinien oder Zirkel und große Volten. Fast immer löst sich der verspannte Passtölter, wenn er leicht bergab oder im hügeligen Gelände geritten wird. Das Reiten in unwegsamen Gelände, wie z.b. im hohem Gras oder tiefen Boden verbessert auch den Takt. Der Nachteil ist nur, sobald der Boden wieder eben ist, läuft das Pferd oft wieder genau wie vorher. Alle diese äußeren Bedingungen verbessern den Tölt zwar für den Moment, oft aber nicht auf Dauer.
Ein sehr wichtiger Punkt ist die Rittigkeit zu verbessern. Denn oft wird der Takt dann besonders schlecht, wenn der Reiter mit Schenkel und Zügelhilfen arbeiten will. Kommen diese Hilfen zum Einsatz, dann verspannt sich das Pferd, wehrt sich gegen die Hilfen, wird fest im Rücken und kommt zum Pass. Um eine dauerhafte Verbesserung im Tölt zu erzielen, die unabhängig von der Bodenbeschaffenheit und den Umständen ist, muss das Pferd lernen, die Hilfen besser anzunehmen und locker zu bleiben. Hierfür kann man jetzt erst mal im Schritt und im Trab bleiben und versuchen, das Pferd mehr durchs Genick zu reiten. Wichtig ist, dass der Reiter geschmeidig sitzt und eine weiche Zügelverbindung hält. Das Pferd wird leicht gegen die Hand getrieben und mit dem Zügel weich abgefangen, bis es im Genick nachgibt, den Oberhals wölbt und die Hals- und Rückenmuskulatur loslässt. Wehrt sich das Pferd trotz feiner Hilfen ständig gegen den Zügel, so kann es dann hilfreich sein, mit dem Pferd durch Bodenarbeit, wie Doppellonge( z.B. indem es an der Doppellonge lernt sein Gleichgewicht im Tölt erst mal ohne Reiter zu finden) oder einfacher Longe, wobei das Pferd leicht ausgebunden ist, zu arbeiten. Für das Pferd ist es in der Regel leichter, sich auf gebogenen Linien zu lösen, deshalb ist es sinnvoll in dieser Phase viel auf dem Zirkel, auf Schlanglinien und einfachen Bögen zu reiten. Zusätzlich kann man weiche Übergange reiten, wie vom Trab zum Schritt oder vom Schritt zum Halt und wieder zurück. Bei diesen Übergängen lernt das Pferd, das Zusammenwirken der Hilfen anzunehmen, und sich nicht gegen den Zügel zu wehren, wenn der Reiter die vortreibenden Schenkelhilfen einsetzt. Lektionen, wie Schulterherein und Schenkelweichen helfen, dass das Pferd die Hilfen weich annimmt, auch wenn, der Reiter die vortreibenden Schenkelhilfen einsetzt.
Wenn das Pferd sowohl bei den Übergängen, beim Schulterherein und beim Schenkelhilfen einen gelösten Eindruck macht, dann beginnen wir mit der Töltarbeit. Das Töltreiten in Stellung hat einen sehr gut lösenden Effekt. Zusätzlich ist es wichtig gerade an der Seite zu arbeiten, wo sich das Pferd nicht so gut biegt und stellen lässt. Dadurch, dass es leicht zu einer Seite gestellt ist, lässt es den Hals und den Rücken lockerer und wehrt sich nicht so gegen den Zügel. Denn ein Pferd, das im Hals und Rücken gerade ist, neigt schneller dazu, sich zu verspannen, als ein leicht gestelltes. Vorraussetzung ist natürlich, dass das Pferd sich leicht stellen und biegen lässt und sich nicht dagegen wehrt. Nach einiger Zeit stellt man das Pferd im Tölt wieder gerade, verliert es dann wieder den Takt, so stellt man es wieder zu einer Seite ein. Gelingt es nicht den Takt so zu verbessern, parriert man wieder zum Schritt durch und bereitet sein Pferd neu auf den Tölt vor, bis es im Genick, Hals und Rücken locker ist und versucht es noch mal. Oder man geht im Tölt dazu über Schenkelweichen zu reiten.

•  Je beweglicher das Pferd im Genick und Hals wird, umso leichter lässt es sich im Tölt formen.

•  Je leichter es die Hilfen annimmt, umso feiner wird es reagieren und umso leichter lässt es sich korrigieren

Wenn das Pferd auf Abruf und jederzeit taktklar tölten soll, so ist es unvermeidlich, es durchlässiger und rittiger zu machen. Unerlässlich ist aber auch ein Reiter, der gefühlvoll und konzentriert mit dem Pferd arbeitet.

3.4 Der entspannte (energieloser) Passtölter

Manchmal sind diese Pferde nur energielos und entwickeln sich zu angenehmen Partnern, wenn es gelingt, ihnen Lust am Laufen zu machen.
Zunächst ist die Ursache die, dass die Hinterhand nicht genügend Bereitschaft hat, das komplette Gewicht von Pferd und Reiter in der Phase der Einbeinstütze der Hinterhand zu tragen. Daher kürzt es die Phase ab und nimmt sehr schnell das gleichseitige Vorderbein dazu und landet so in der lateralen Zweibeinstütze, die deutlich verlängert ist, bevor es zur Einbeinstütze des Vorderbeines übergeht. Der Reiter hört eine Taktverschiebung, die ganz leicht beginnt und bis zu einem reinen Passgang führen kann. Spüren kann der Reiter eine schwankende Bewegung des Pferdes. Je ausgeprägter die Taktverschiebung, umso deutlicher die schwankende Bewegung.
Ist das Pferd zu lasch und zu faul und kommt daher aus dem Takt, so muss man es natürlich komplett anders reiten als ein zu hektisches, verspanntes Pferd.
Der entspannte Passtölter ist wohl die weitaus größere Gruppe der Pferde. Gerade unter einen sehr passiven Reiter entwickeln viele Pferde im Laufe der Zeit eine mehr oder weniger deutliche Tendenz zum Passtölt.

3.4.1 Ursachen

Zunächst muss wieder einmal der Reiter überprüft werden: Sitzt er locker und abhängig? Oder hält er sich am Zügel fest und geht nicht mit der Bewegung des Pferderückens mit. Ist dies der Fall, so führt das oft dazu, dass das Pferd den Rücken quasi als Selbstschutz gegen den ungeschickten Reiter, festhält und verspannt.
Es ist sehr wichtig, dass der Reiter einen lockeren Sitz im Bereich Oberschenkel, Hüfte und Rücken hat und somit weiche, unabhängige Zügelhilfen geben kann.
Verfügt der Reiter über eine gute Grundlage im Bezug auf Sitz und Einwirkungen, dann können wir uns mit der Korrektur des Pferdes befassen.

3.4.2 Korrektur

Man sollte eher kurz und knackig reiten. Ausritte in der Gruppe, die dynamisch sind und beiden Spaß machen. Jedoch auch dominant und energisch reiten, aber immer Lob und Entspannung folgen lassen. Übungen, wie Ganze Paraden und Rückwärtsrichten machen das Pferd auf den Zügel aufmerksamer und reaktionsschneller. Dadurch wird das Pferd leichter in der Hand und lernt sich besser zu tragen und die Hinterhand einzusetzen. Darüber hinaus ist alles sinnvoll, was das Pferd beschäftigt und es zu schnellen Reaktionen veranlasst:
Schnelles Anhalten und Anreiten im Gelände oder in der Bahn. Aus dem Stand mit Stimmenhilfe angaloppieren, antraben oder antölten. Reicht die Stimmenhilfe nicht, dann tippt man das Pferd mit der Gerte an. Ist die gewünschte Reaktion immer noch nicht da, sollte man die Gerte auch mal energisch einsetzen. Nach einer kurzen Strecke wird dann wieder zum Halt durchparriet. Wenn diese Übergänge gut gelingen, hat man eine deutliche Verbesserung der Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft.
Ausreiten mit mehreren fördert die Freude am Laufen, dabei kann man einige Male überholen und sich überholen lassen. Auch diese Übung macht das Pferd wach und fleißig, aber auch gehorsam und reaktionsbereit. Reiten von Biegungen im Gelände oder in der Bahn. Zirkel, Volten, Schlanglinien oder frei erfundene Linien, dabei darf aber keine Routine aufkommen, sondern das Pferd sollte oft von der einen in die andere Biegung umgestellt werden. Das Pferd soll dabei wach werden und nicht einschlafen, um dadurch aus seinem eingefahrenen „ Pass-Gleichgewicht“ zu kommen.
Fast jedes Pferd findet besser zum Takt, wenn es leicht gestellt im Genick läuft oder auch leicht gebogen nach einer Seite. Häufiges Umstellen im Genick von rechts nach links trägt auch deutlich dazu bei den taktklaren Tölt zufinden. Eine Abwechselung der Bodenbeschaffenheit, wie z. B. bergab und bergauf reiten, reiten durch tiefe Böden oder hohes Gras. Das Tempo im Tölt ist sehr entscheidend, denn viele Islandpferde haben nur ein Tempo, in dem sie taktklar gehen können. Andere wiederum finden den Takt, indem man mit dem Tempo spielt, d.h. das man einige Meter zulegt und dann das Tempo wieder einfängt. Auch ist es sehr wichtig zeitweise den Rücken zu entlasten, damit das Pferd die Möglichkeit hat seinen Rücken frei zu bewegen.

•  Alles, was das Pferd aus seiner festgefahrenen Situation bringt, verbessert den Takt. Das Pferd darf nicht mehr vor sich hin schlurfen.

Es ist wichtig dem Pferd viel Abwechslung zu bieten, damit es die Hinterhand verbessert, es sich gut trägt, gut aufrichtet und nicht auf der Hand liegt.

Zusammenfassend kann man sagen, das der Reiter bei einem Passtölter die richtige Zusammenstellung aus Losgelassenheit, Lockerheit, Energie und Aufmerksamkeit.

4. Die häufigsten Schwierigkeiten

Es stellt sich bei jeder Sportart, so auch beim Reiten, in vielen Situationen das Problem, nicht weiterzukommen (in diesem Fall, den Passtölt nicht korrigieren zu können), weil im eigenen Funktionssystem (Muskulatur oder im Zusammenspiel der Muskulatur/Koordination) Bewegungsabläufe nicht möglich sind. Ursachen können in körperlichen Schwächen oder im Gehirn-Muskelzusammenspiel gesucht werden. Für diese Situation werden in allen Sportarten systematische Gymnastik- oder Koordinationsprogramme angeboten, die die Voraussetzung für die Bewegungsabläufe der eigentlichen Sportart schaffen. Erst dann können Reiterbewegungen fühlend vollzogen werden, weil ein bestens vorbereitetes Körpersystem Grundlage für den korrekten Sitz ist und somit die Voraussetzung bildet, fühlend (ohne übermäßige Kraftanstrengungen) auf das Pferd einwirken zu können. Nur aus einem für den eigenen Körperbau aufrechten Sitz kann der Reiter seine Hilfen so an das Pferd weitergeben, dass es auch die gewünschten Übungen bzw. Lektionen ausführen kann. Leider fühlen viele Reiter ihren fehlerhaften Sitz nicht. Er ist Ihnen so zur Gewohnheit geworden, dass sie glauben, sie würden korrekt sitzen.
Aus diesen Problemsituationen kann man nur herausgeführt werden, wenn man lernt, die Bedeutung der einzelnen Muskeln über entsprechende Funktionsübungen zu lernen, und somit die einzelnen Körperteile funktionsgerecht einzusetzen.
Denn gerade Reiter, die sich außer durchs Reiten wenig sportlich bewegen, bringen neben einer geringen körperlichen Fitness wenig Gefühl für die vielen Bewegungsabläufe mit, die das Reiten fordert. Die Anforderungen an den Reiter sind hoch. Er muss sich nicht nur auf sich konzentrieren, sondern gleichzeitig auf das Pferd.
Spezielle Übungen sind außerdem für Späteinsteiger und Spätlerner wichtig. Sie bringen oft wenig Gefühl für ihren Körper als Ganzheit mit. Außerdem haben sie viele Schwierigkeiten, sich in neue Bewegungsabläufe wie das Reiten hineinzufühlen, weil Reiten keine Ähnlichkeiten mit anderen Alltagsbewegungen aufweist. Ihnen fällt es sehr schwer, die vielen gleichzeitig und nacheinander ablaufenden Teilbewegungen miteinander zu verbinden, so dass sie verkrampfen und ihnen oft nichts mehr gelingt.
Besonders das Gleichgewicht und daraus resultierend die Rhythmusfähigkeit und die muskuläre Unterscheidungsfähigkeit haben für das Reiten eine hohe Bedeutung. Der Gleichgewichtssinn heute ist bei den meisten Menschen im Alltagsleben durch fehlende Bewegungen wie Klettern, Balancieren, Schaukeln und Schwingen kaum noch ausgebildet. Wie wenig Reiter im Gleichgewicht sind, kann man am starken Ziehen an den Zügeln und am „Klemmen“ erkennen. Gleichgewicht ist zu einem gewissen Teil angeboren, muss aber jedoch durch ständige Herausforderungen erhalten und weiter ausgebildet werden.
Um den Sitz zu korrigieren und somit die Einwirkungen zu verbessern, helfen Sitzübungen an der Longe.
Sitzübungen an der Longe sind aber nicht nur für Anfänger von grundlegender Bedeutung, sondern auch der fortgeschrittene Reiter sollte seinen Sitz von Zeit zu Zeit durch derartige Übungen prüfen und verbessern lassen. Freiübungen an der Longe im Schritt, Trab und Galopp fördern die Losgelassenheit der Muskeln, die Geschmeidigkeit der Gelenke sowie den Gleichgewichtssinn.

Übungen an der Longe:

•  Arme kreisen (nacheinander, vorwärts, rückwärts, zusammen, gegeneinander)

•  Vorbeugen und berühren der Fußspitzen

•  Drehen der Füße

•  Schulterkreisen

•  Faustkreisen bei waagerechter Haltung

•  Mühle

•  Bei waagerechter Armhaltung den Oberkörper drehen

•  Finger öffnen und schließen bei waagerrechter Haltung

•  Weites Herabbeugen zu einer Seite

Zusätzlich kann man Sitzübungen durchführen, die die Bewegungen des Pferdes erfühlen lassen.
Wenn der Reiter nicht fühlt, was unter ihm vor sich geht, kann er auch nicht mit korrekten Schenkel-, Zügel- und Gewichtshilfen einwirken. Erst wenn ihm die Bewegungsabläufe des Pferdes „bewusst“ sind, ist es ihm möglich, die Zügel- und Schenkelhilfen als Unterstützung und nicht als Verhinderung der Pferdebewegungen anzuwenden.
Die folgenden Übungen dienen dazu, sich der Bewegungen des Pferdes bewusster zu werden, bis sie im weiteren Verlauf verinnerlicht werden, sich also gefühlsmäßig verankern. Bei den folgenden Übungen hält der Reiter seine Augen geschlossen, um sich optisch nicht ablenken zu lassen, sondern sich nur nach innen gefühlsmäßig zu konzentrieren.

•  Der Reiter beugt sich zum Pferdehals und berührt mit den Händen die rechte und linke Brust des Pferdes. Er soll dabei sagen, wann das linke bzw. rechte Vorderbein nach vorne geht

•  Der Reiter bleibt im Vollsitz. Dabei soll der Reiter sagen, wann das rechte bzw. linke Hinterbein auffußt. Fühlt er es nicht, so kann der Ausbilder ihm dabei helfen und ansagen, wann das Pferd hinten rechts/links auffußt oder er legt seine Hand auf die Kruppe und versucht es zu fühlen.

•  Der Reiter sitz im Schritt und verfolgt die Fußfolge des Pferdes. Er sagt z.B. zunächst die Bewegungen der Vorderbeine an, danach der Hinterbeine. Danach soll auch versucht werden, den Schritt im Zusammenhang zu erfühlen. Dabei erhalten die Beine Nummern. Das linke Vorderbein erhält z.B. die 1, das rechte Hinterbein eine 2, das rechte Vorderbein die 3 und das linke Hinterbein die 4.

•  Halt Paraden. Danach soll der Schüler sagen, ob das Pferd geschlossen steht.

•  Unterrichtseinheiten mit verschiedenen Pferdetypen

•  Kurze Strecken tölten danach anhalten und sagen, wie der Takt war mit Begründung

5. Zusammenfassung

Wenn man also zugibt, das der Tölt eine schwierige, versammelnde Gleichgewichtsübung ist, dann muss man auch an die Reiter die Anforderung stellen, sich entsprechende Fähigkeiten anzueignen. Wir können nicht einfach davon ausgehen, dass die Pferde unter welchen Reiter auch immer in sauberen Tölt gehen. Denn man tut niemanden einen Gefallen, wenn man ungeübten Reitern weismacht, das Tölt kinderleicht zu reiten sei und dass man dazu nichts zu lernen brauche.
Harmonisches Miteinander ist die Voraussetzung für eine problemlose Beziehung zwischen Pferd und Reiter und somit für ein erfolgreiches Reiten. Die Grundlage dieses Erfolges ist ein sensibles Verständnis für die eigenen Bewegungsabläufe. Notwendige Voraussetzung sind gleichmäßig ausgebildete, kräftige und dehnfähige Muskulatur, Gleichgewicht, Rhythmusfähigkeit oder Bewegungsgefühl.

© Fotos und Text Janine Köhler

Besuchen Sie auch Ihre Webseite:
www.janine-koehler.de