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Tipps von Rechtsanwältin Veronika Raithel

Teil 4

Pferdekauf (2)

Jeder, der sich schon einmal mit dem Thema Pferdekauf befasst und nach dem richtigen vierhufigen Partner gesucht hat, kennt diesen Moment: „das ist mein Pferd, genau das will ich haben!“

Natürlich muss die Chemie zwischen Pferd und Reiter stimmen, gerade wenn die Partnerschaft über Jahre oder sogar Jahrzehnte gehen soll. Allerdings darf die Begeisterung nicht über eines hinwegtäuschen: die große finanzielle und persönliche Verantwortung, die mit dem Kauf eines Pferdes übernommen wird, sollte jeden Käufer dazu bewegen, beim Kauf genau hinzusehen.

Das bürgerliche Recht gibt jedem Käufer einer mangelhaften Kaufsache Rechte gegenüber dem Verkäufer. Er kann die sogenannte Nacherfüllung verlangen oder einen neuen mangelfreien Kaufgegenstand verlangen. Aber was ist denn ein Mangel in diesem Sinne? Und wie soll denn eine Reparatur beim Pferd aussehen?

Die Tatsache, dass es sich bei Pferden um Lebewesen und eben keine Sachen handelt, hat natürlich auch Auswirkungen im Kaufrecht. Ein Mangel im Rechtssinn liegt vor, wenn die Kaufsache entweder nicht die vereinbarte Beschaffenheit hat oder wenn sie sich für die nach dem Vertrag oder für die gewöhnliche Verwendung nicht eignet.

Wichtig ist, dass diese Beurteilung immer nur auf den Zeitpunkt der Übergabe an den Käufer abstellt.

Natürlich muss ein Pferd auch ohne gesonderte Vereinbarung gesund sein. Aber schon hier kann es zu Problemen kommen. Es gibt kein „Ideal-Pferd“, d.h. es kann immer wieder physiologische Abweichungen geben, die vom Idealzustand abweichen. Haben die aber keine Auswirkungen auf die Verwendung, liegt (noch) kein Mangel vor.

Probleme gibt es auch immer dann, wenn die Vorstellungen des Käufers und des Verkäufers weit auseinander gehen. Wer ein Reitpferd möchte, das den persönlichen reiterlichen Fähigkeiten des Käufers entspricht, muss dies unbedingt schriftlich festhalten. Es sollte hier eindeutige geklärt sein, dass es sich z.B. um ein temperamentvolles Jungpferd oder aber um ein ausgeglichenes, erfahrenes Freizeitpferd handelt. Auch der Ausbildungsstand sollte im Kaufvertrag zumindest annähernd umschrieben sein.

Es ist auch wichtig, zu fragen, durch wie viele Hände das Tier schon gegangen ist und ob es evtl. sogar als Schulpferd gebraucht wurde.

Je mehr im Kaufvertrag ausdrücklich vereinbart ist, desto besser liegen die Chancen, dass sich im Fall der Fälle tatsächlich ein rechtlicher Mangel darstellen lässt.

Gerade bei unerfahrenen Käufern taucht natürlich auch immer die Frage auf, was der Verkäufer ungefragt offenbaren muss. Hat das Pferd gesundheitliche Einschränkungen, die eine ständige Behandlung erfordern oder sich auch auf den Gebrauch auswirken können, muss dies angeben werden. Ein Paradebeispiel ist das Sommerekzem, das rechtlich als Mangel gewertet wird. Wird das Pferd aber in Kenntnis eines solchen Mangels, bestimmter Vorerfahrungen ( Schulpferd etc.) und auch bestimmter Charaktereigenschaften gekauft, können daraus später keine Ansprüche mehr gegen den Verkäufer geltend gemacht werden. Das Gesetz schließt die Rechte des Käufers, die er bei der Übergabe kannte, aus.

Es ist also in jedem Fall ratsam, den Kauf nicht vorschnell abzuschließen. Neben der Untersuchung durch den Tierarzt, sollten mindestens zwei Proberitte zu unterschiedlichen Zeiten, ausführliche Gespräche mit dem Verkäufer und auch eine genaue Beobachtung des Pferdes ohne Reiter stattfinden. Auch die Art der Unterbringung ( wie sieht der Stall aus? Wie sehen die anderen Pferde aus? ) sollte Beachtung finden. Ein Blick in die Papiere des Pferdes versteht sich von selbst.

Ein schriftlicher Kaufvertrag ist aber in jedem Fall dringend anzuraten. Gerade wenn es um die vereinbarten Eigenschaften, die das Pferd haben soll geht, ist eine schriftliche Fixierung unabdingbar um später ausreichende Beweise zu haben.