Thermografie meiner Islandpferde durch Mareen Kisfeld

ein Bericht von Jutta Plötz

Was ist Thermografie überhaupt?

Jeder Körper strahlt Temperaturwerte ab. Eine spezielle Infrarotkamera misst diese Abstrahlungstemperaturen und wandelt diese Daten in bildliche Darstellungen um. Es entstehen sogenannte Temperaturmuster.
Bei der Pferdethermografie werden mit der Wärmebildkamera standardisierte Aufnahmen vom Pferdekörper gemacht. Die entstehenden Temperaturmuster werden im Seitenvergleich analysiert, um eventuelle Auffälligkeiten zu erkennen. Es können Wärme- oder Kältemuster entstehen. Ein Wärmemuster deutet auf eine Überversorgung des Gewebes (Entzündung) und Kältemuster deuten auf eine Unterversorgung des Gewebes hin. Bei der Pferdethermografie arbeitet man mit der Regenbogendarstellung. Das bedeutet, die Temperaturskala geht von blau (kalt) über grün, gelb bis zu rot (warm). Hitzepunkte werden in weiß dargestellt.

 


Wer ist Mareen Terbrack - jetzt Kisfeld - und wie kam sie zur Pferde-Thermografie?
Mareen ist Physiotherapeutin für Menschen und verbringt ihre Freizeit mit Pferden. Ihr Vater ist Ingenieur, der in seinem Beruf häufig die Wärmebildkamera bei Häusern einsetzen muss. Den hat sie häufiger begleitet. Das fand sie spannend. Mehr erst mal nicht.
Irgendwann hat ein Thermograf von dem Pferd einer Freundin diverse Aufnahmen rundum gemacht. Noch auf dem Hof hat er alle Aufnahmen als unbedenklich bewertet, hat der Halterin einen erheblichen Geldbetrag abgenommen und das war es. Auf Nachfrage von Mareen, ob er die Bilder nicht nachbearbeiten müsse, meinte er, dies sei unnötig. Aber sie wusste durch ihren Vater, so funktioniert das ganz und gar nicht und sie wollte es besser machen.
Also hat sie sich eingefuchst, denn Bilder von Pferden sind etwas anderes als von Häusern. Sie hat eine Weiterbildung beim Deutschen Zentrum für Equine Thermografie in Niedersachsen absolviert und dann geübt, geübt, geübt. Aufnahmen von Pferden mit bestätigten Diagnosen wurden gemacht, beurteilt, verglichen und sie hat sich geprüft und prüfen lassen. Einfach um sicher zu sein, dass sie die Aufnahmen korrekt erstellt und interpretiert und uns Pferdebesitzern korrekte Ergebnisse gibt. Diagnosen aber erstellt sie nicht, das bleibt die Sache der Tierärzte.

Weiteres Infos zu ihr, ihren Einsatzbereichen und Kontaktmöglichkeiten unter www.mareen-terbrack.de

Wann empfiehlt sich eine Thermografie?
Die Thermografie dient zur allgemeinen Bestandsaufnahme eines Pferdes und kann dem Tierarzt in Diagnose und Therapie Zusatzinformationen liefern.
Bei unklaren Lahmheiten, bei Verdacht auf Rückenprobleme, als Ergänzung zur Sonographie oder Szintigrafie, bei unrittigen Pferden, Kontrolle des Sattels, übermäßigem Kauen oder, oder. Alles, was mit dem Bewegungsapparat zusammenhängt, könnte man grob sagen. Innere Organe kann man nicht darstellen. Die Aufnahmen sind nicht aussagefähig.
Die Bilder können den Reiter oder den Behandler bei Entscheidungen zum Equipment, weiteren Trainings- oder Behandlungsmethoden unterstützen.
Die Thermografie kann beliebig oft erstellt werden. Sie ist nicht invasiv. Die Pferde werden in keiner Weise beeinträchtigt. Manche Reiter lassen beispielsweise eine jährliche Sattelkontrolle durchführen. Einige Sportreiter lassen ihr Pferd regelmäßig während der Turniersaison ablichten.
Bei Wettkämpfen kann sie ergänzend durchgeführt werden. Im Springsport bei der Kontrolle „boots and bandage“ wurde beispielsweise 2012 im CHIO in Aachen ein Pferd ausgeschlossen wegen überhitzter Sprunggelenke: Verdacht auf Manipulation mit Capsaicin. Der Reiter hätte Einspruch einlegen können, das Pferd hätte auf Doping untersucht werden können. Dies unterblieb, das Pferd war nicht „fit to complete“ und ging nicht an den Start.
Seit dem 1.1.2017 ist die Thermografie im Weltklassesport nun angekommen. Sie kann ergänzend zu den Untersuchungen von zwei FEI-Tierärzten angeordnet werden.


Warum ich bei meinen Pferden eine Thermografie machen wollte
Ich war mir bei meinen beiden Islandpferden schon länger unsicher, ob die Sättel wirklich gut passen oder nicht. Es war schon mehrfach eine Sichtprüfung gemacht worden, von einem unabhängigen Sattler, einer Reitlehrerein und einer Fachverkäuferin. Alle befanden meine Sättel für gut sitzend. Alle. Außer mir und meinem Hintern.
Für mich ist eine Sichtprüfung ein erster Blick auf eine gute Passform. Für einen erfahrenen Sattelmenschen genügt das sicher auch um zu entscheiden, ob der Sattel in die engere Wahl kommt oder ob er gar nicht passt. Ich denke aber auch: Der Sattel muss auch passen, wenn ich drauf sitze und wir uns bewegen. Denn Schwerpunkt und Druck verändern sich mit meinem Reitergewicht und meiner Sitzposition. Unterstützt mich der Sattel im Tölt, Trab oder Galopp? Verändert sich mein Schwerpunkt so, dass ich meinem Pferd langfristig Schmerzen zufüge? Vielleicht wie ein Schuh mit einem höheren Absatz, der eigentlich passt und im Büro perfekt ist. Würde ich aber damit einen langen Spaziergang machen oder joggen gehen, würden mir die Füße weh tun. Und das kann von außen nur bedingt und dann auch nur von sehr erfahrenen Sattlern gesehen werden. Über die Physik, die Thermografie, wollte ich mich nun endgültig vergewissern. Und habe gleich beide Pferde komplett ablichten lassen.

 


Thermografie der Pferde und Sattelkontrolle
Besonders wichtig ist die Vorbereitung: Jedes Pferd muss mindestens zwei Stunden vor Termin möglichst in eine gut gelüftete, aber zugfreie Box. Sie dürfen nicht gearbeitet werden und sie dürfen nicht vom Weidegang kommen. Unter Umständen standen sie in der Sonne oder lagen im taufeuchten Gras. Auch am Vortag sollte nur wenig geritten werden. Alles kann die späteren Aufnahmen verändern. Beispielsweise dürfen sie nur mit einer feinen Bürsten vom gröbsten Dreck befreit werden. Das macht Mareen selbst. Sie entscheidet, wo sie etwas wegbürsten muss und wo es nicht stört. Würde man ein Pferd vorher richtig putzen, massiert man das Gewebe, das wird besser durchblutet und erscheint nachher deutlich wärmer. Zum Termin prüft sie, ob die Pferde richtig vorbereitet sind und ob der Bereich, in dem die Aufnahmen gemacht werden, zugfrei ist. Dann sieht sie sich beide Pferde erst einmal ohne Kamera an. Wenn beispielsweise irgendwo eine haarlose Stelle, ein Wirbel oder eine Ansammlung an Mückenstichen vorhanden ist, wird das notiert. Auf den Bildern später könnte es sonst als Auffälligkeit wahrgenommen werden.
Nun geht es los mit den Aufnahmen. Mit einem komplett zerknitterten Stück Alufolie auf dem Boden nimmt sie mit Hilfe der Kamera die reflektierte Umgebungstemperatur auf. Dieser Temperaturwert wird in die Kameraeinstellung aufgenommen.
Nach einem vorgegebenen Standardschema werden die Aufnahmen beider Pferde gemacht. Von jedem Pferd rund 50 – 60 Bilder. Schon hier war es für mich sehr spannend und stellenweise war ich schockiert, wie knallrot einige Stellen aufleuchteten. Aber das, so erklärte sie, sagte gar nichts aus.
Die Bilder müssen mit Hilfe einer speziellen Software bearbeitet werden. Alle Bilder werden mit einer gleichen Temperaturspreizung versehen. Dann werden die Temperaturmuster im links-rechts Vergleich analysiert. Nur so lassen sich thermografische Auffälligkeiten erkennen. Zur Auswertung der Bilder sind anatomische Kenntnisse des Pferdekörpers besonders wichtig.


Sattelkontrolle
Nach den Aufnahmen des gesamten Pferdes in Ruhe kommen wir zur Sattelkontrolle. Gesattelt wird wie immer, alle Gänge werden – auch wie immer - insgesamt circa 20 Minuten lang und ohne dass das Pferd schwitzt, geritten. Auf Kommando wird der Sattel abgenommen, aufgestellt und sofort wird eine Aufnahme gemacht. Denn das Leder ist aussagefähiger als der Rücken, der vielleicht vorher schon entsprechende Erwärmungen zeigte. Trotzdem wird zur Vollständigkeit auch eine Aufnahme des Pferderückens gemacht.
Wie auf den Bildern deutlich zu erkennen ist, liegt der eine Sattel auf dem Pferd nur punktuell auf und bildet eine einseitige Brücke. Man kann sich vorstellen, dass das für das Pferd sehr unangenehm ist. Der andere Sattel (der nicht der ihre ist) liegt deutlich besser. Diese Brücke kann bei einer Sichtprobe natürlich nicht festgestellt werden.

Ergebnisse
Zu die Ergebnissen der Aufnahmen sagt Mareen zunächst nichts. Egal wie sehr man drängelt. Sie muss die Bilder nachbearbeiten und vergleichen.
Mareen sendet die Bilder nach der Auswertung per E-Mail mit einer schriftlichen Erläuterung zu. Manchmal ist auch eine Empfehlung dabei. Ob man einen Tierarzt hinzuziehen sollte, ob der Schmied sich mal einen bestimmten Huf ansehen sollte, ob der Sattler den Sattel mit Hilfe der Aufnahmen noch einmal kontrollieren sollte.


Mein persönliches Fazit:
Für mich ist klar: Wenn mal unklare Probleme auftauchen, gibt es für meine Pferde neue Wärmebilder. Und auf jeden Fall einmal jährlich eine Sattelkontrolle. Und wenn es nur ist, damit ich mich besser fühle.





 


Kontakt für die Pferdethermografie: Mareen Kisfeld, geb. Terbrack
Feldstr 17, 48691 Vreden
Telefon: 0151/41841488
https://www.mareen-terbrack.de