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von Karen Diehn

Schubbern, Kratzen, Jucken – Die Sommerekzem-Zeit beginnt!

Während die meisten Pferdebesitzer das stetige Ansteigen der Temperaturen begrüßen und dem Gras beim Wachsen nur allzu gerne zusehen, bedeutet das Frühlingserwachen leider auch das Ende des „Winterschlafes“ der Stechinsekten.

Ob sich das dezente Kratzen aus dem Herbst zum Sommerekzem ausweiten wird, zeigen die ersten Frühjahrs-Wochen. Doch jeder Pferdehalter hofft natürlich, dass es nicht dazu kommen wird. Prävention und Symptom- Vermeidung stehen also im Mittelpunkt der Behandlung.

Ursache und Auslöser

Das bei Isländern und anderen Rassen auftretende Sommerekzem ist eine nicht infektiöse, allergische Hauterkrankung (Allergietyp I / „Sofort-Typ“), die hervorgerufen wird durch den Speichel einer bestimmten Mückegattung (Culcoides sp., z.B. „Gnitzen“). Nur die Mücken-Weibchen stechen und bevorzugen beim Pferd Mähnenkamm, die Bauchnaht und Schweif zum Blutsaugen. Schlauch/Euter, Kopf, Brust, Vorderbeine und Kruppe können allerdings –je nach Ekzem-Ausprägung und Standort- ebenfalls eine Angriffsfläche sein.

Die etwa 50 Culicoides-Arten mögen feuchtwarme Schwüle und fatalerweise auch die Dunkelheit, während ihnen Wind, trockene Hitze bzw. Temperaturen unter 9 Grad die Fluglust nehmen. Ihre Brutgebiete liegen an Waldrändern, in langsam fließenden Wasserläufen, Tümpeln, Teichen und Moorgebieten, aber auch in der Nähe des Misthaufens.

Inzwischen weiß man, dass die Mücken ca. 2-10km zu einer Pferdeweide gut überwinden können, so dass man als Ekzempferdehalter nicht umher kommt, sich über Abwehmaßnahmen gegen die Plagegeister Gedanken zu machen, selbst wenn der nächste Teich oder Fluss nicht unmittelbar an der Weide liegt.

Symptome

Die Sommerekzem-Symptomatik beginnt mit dem aus dem Mückstich resultierenden Juckreiz. Egal ob am Futtertrog, an der Zaunlatte, der Stalltür oder der Futterraufe, das Pferd scheuert sich, im schlimmsten Fall bis es blutet. Die (Lang-)Haare fallen aus und die Stiche hinterlassen sichtbare Stellen, die typischerweise einen leichten Schorf bilden. Durch die permanente Reizung von Stichen und Kratzen schwillt die Haut an, so dass sich am Widerrist und am Mähnenkamm dicke, wulstige Falten bilden können. Hier können luftabgeschlossene Bereiche entstehen, die anfangen zu nässen. Die wundgescheuerte (oder von Artgenossen zerbissene) Haut ist empfänglich für weitere Bakterien oder Pilze. Eitrige Hautentzündungen, großflächige Hautpilze können eine der wiederum juckenden Folgen sein. Dies ist ein „gefundenes Fressen“ für noch mehr Insekten, so dass ein fataler Kreislauf beginnt.


Die Pferde werden zunehmend unruhig, reagieren auf das Surren von Insekten mit Schweifschlagen, treten sich unter den Bauch und werfen sich teilweise sogar hin, um mit der Bauchnaht über den Boden zu reiben. Ehe es aber so weit kommt, ist der Pferdehalter gefragt, einzugreifen. Zwar ist eine Heilung der Allergie an sich nicht möglich, aber die größtmögliche Vermeidung von Stichen kann verhindern, dass der Leidensdruck immer weiter wächst. Denn wo kein Stich, da kein Juckreiz!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 







Bewährte Gegenmaßnahme – Die Ekzemdecke


Das bewährteste Mittel gegen die Mücken ist die Ekzemdecke. Das Pferd kann sie während der gesamten Flugsaison (ca. April bis Oktober) durchgängig tragen und bekommt dadurch mehr Schutz als in herkömmlichen Fliegendecken ohne Bauchlatz und Halsteil. Für den Kopf gibt es spezielle Kappen, die zusätzlich die Ohren schützen. Die meisten Islandpferdehalter bevorzugen Modelle, die ein Maxiumum an Bewegungsfreiheit bieten, nicht zu eng anliegen, aber auch nicht „herumschlabbern“. Die Schnitte der verschiedenen Hersteller variieren und daher gilt es, vor dem Kauf, die passende Größe herauszufinden, die das Pferd optimal schützen kann. Hinzu kommt, dass Bauchlatz und Beinschnallen gut anpassbar sein sollten, damit die Decke nicht verrutscht.


Eine gute Ekzemdecke ist besonders atmungsaktiv und robust sein, denn sie wird durch Sonnenlicht, Wälzen, Mähne- oder Fellkraulen, Regen und Herumtoben stark strapaziert. Der Sitz von Decke und Kopfhaube ist zwar durch verschiedene Größen und Schnitte im Allgemeinen sehr gut, er sollte aber –v.a. bei tobefreudigen Trägern- mindestens einmal täglich kontrolliert werden. Darüber hinaus hat es sich bewährt, in regelmäßigen Abständen die Ekzemdecke zu waschen und das Pferd von Rückständen der verwendeten „Schmierstoffe“ zu befreien, statt Schicht um Schicht auszutragen.

Der Pflegeaufwand eines Ekzemers mit Decke ist länger, aber das Pferd kann damit im Idealfall ein annährend beschwerdefreies Leben unter Artgenossen führen und weitere Pflegemaßnahmen können reduziert werden.

Abwehmaßnahmen und Pflege

Schwere Ekzemer benötigen unter Umständen nicht nur eine Decke und eine Ladung Fliegenspray auf's Fell, sondern zusätzliche Einreibungen mit Lotionen, Ölen oder anderen Produkten für ihre Haut, um entstandenen Stellen oder Juckreiz zu mildern.

Für Bauchnaht, Kopf und Schlauch oder Euter haben sich z.B. Lebertran-Zink-Salbe oder Produkte mit Zinkoxid und Wollfett bewährt, die allerdings ebenfalls regelmäßig abgewaschen oder mit feuchten Babytüchern entfernt werden sollten.

Hautreizend können ätherische Öle (z.B. Teebaumöl) wirken, wenn diese pur angewendet werden. Einige bekannte Pflegemittel enthalten ätherische Öle, die den Eigengeruch des Pferdes überdecken sollen. Vor der Verwendung empfiehlt es sich, sich genau zu informieren, ob die Lotion in bzw. auf offene Wunden aufgetragen werden darf und zunächst an einer kleinen Hautpartie zu testen, wie das eigene Pferd darauf reagiert und um mögliche allergische Reaktionen auszuschließen.

Salben, die beispielsweise Hydrocortison enthalten, können zwar Linderung bei größeren Hautirritationen bringen, sind aber eigentlich erst dann nötig, wenn alles andere „versagt“.

Ob man eher zu öligen Lotionen greift, abdeckende Cremes verwendet und wie oft man mit Fliegenspray einsprühen muss, hängt von der Region und der individuellen Ausprägung der Symptome ab.

Seit einigen Jahren gibt es zur Behandlung von Ekzemern sog. „Komplettpakete“, die aus einem Mittel zum Eingeben, einer speziell abgestimmten Lotion und einem Shampoo bestehen. Ist aus bestimmten Gründen die Verwendung einer Decke nicht möglich oder hat man mit den sonst verwendeten Mitteln Probleme, lohnt sich ein Versuch. Allerdings muss auch hierbei –wie bei allen anderen Ansätzen- das Pferd in der Hauptekzemzeit wenigstens einmal täglich behandelt werden. Die Kosten für die Komplettpakete, von denen es bereits verschiedene Angebote gibt, belaufen sich auf rund 200 Euro pro Set.

Fütterung und Haltung

Eine sorgfältige Weide- und Stallhygiene kann dabei helfen, den Insektendruck rund um die Pferde zu senken. Kot- und Uringeruch lockt nämlich besonders Culicoidesmücken an!

Gut belüftete, saubere Ställe sind durchaus zur zeitweiligen Aufstallung von Ekzemern geeignet oder bieten einen geeigneten Rückzugsort auf der Weide. Gerade für Offenställe sind Streifenvorhänge aus PVC am Ein- und Ausgang eine gute Möglichkeit, fliegendes Ungeziefer draußen zu halten und gleichzeitig Luft und Licht in den Stall zu lassen.

Die Praxis der Ekzemer-Haltung hat zeigt, dass eine ausgewogene, bedarfsgerechte und eiweißarme Ernährung durchaus einige Symptomspitzen mildern kann. Üppiger Weidegang, die übermäßige Zufütterung von eiweiß- und stärkehaltigem Kraftfutter und wirken sich hingegen meist nachteilig aus. Eine zu hohe Eiweißzufuhr kann nämlich die Allergiebereitschaft verstärken.

Wichtig ist die bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung (besonders: Zink, Selen, Kupfer und Mangen) der betroffenen Pferde. Welche Art Futter für das eigene Tier die beste Lösung ist, hängt vom individuellen Bedarf des Tieres ab. Hier gilt es Ausprägung der Symptome, Nutzung und die Grundfütterung zu berücksichtigen. Vor der erhöhten Zufütterung eines Minerals sollte man sich beraten lassen. Denn: Viel hilft nicht immer viel, außer bei der Verwendung von Fliegensprays.

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