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Soirée Classique Pur - Ein ein Fest für die Sinne!

Islandpferd Jarpur war einer der Hauptdarsteller.

Ein Erfahrungsbericht von Gabi Kaczmarek und Melissa Heinze

Am 12. Juli fand in Karlsruhe, im Reitinstitut der Egon von Neindorf Stiftung,  die Premiere der von Frau Sonntag und der  Wu Wei Welt initiierten „Soirée Classique Pure“ statt.
Geleitet werden die einzelnen Veranstaltungen von dem bekannten Stierkampfreiter Manuel Jorge Martins de Oliveira. Die Hauptdarsteller sind mehrere Lusitanos und ein Würtemberger, die von Ausbilderinnen des WuWei Netzwerks vorgestellt werden. Auch das Islandpferd Jarpur mit seiner Reiterin Anna Fiedler ist dabei. Über die beiden gab es ja vor Kurzem bereits einen Artikel hier im Portal.
Dies war Grund genug für uns (Melissa Heinze und Gabi Kaczmarek vom Fleygur Team), die 400 Kilometer lange Anreise in Kauf zu nehmen, um die Premiere mitzuerleben.

Die Soirèe steht unter dem Motte „A Taste of Eternity“ („Ein Hauch von  Ewigkeit“) und ist den klassischen Reitmeistern Egon von Neindorff, Otto Lörke, Francois Baucher, Oscar Maria Stensbeckund Nuno Oliveira gewidmet. Wir waren wirklich gespannt, ob auch uns ein „Hauch von Ewigkeit“ erreichen würde. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: ja er hat uns erreicht!

In der festlich geschmückten Reithalle des Instituts befanden sich an drei Seiten schön eingedeckte Tische, an denen die Gäste bei Kerzenlicht speisen konnten. An der vierten Seite gab es eine Tribüne mit nur 5 Sitzreihen.  Es war schon etwas ganz Besonderes so nah an der Reitbahn zu sitzen.

In dieser festlichen Atmosphäre wurden einzelne Stationen der klassischen Pferdeausbildung in künstlerischer Form gezeigt. Die Darbietungen wurden von dem Kabarettisten und Pianisten Klaus Kohler am Klavier begleitet. Kohler moderierte auch die Veranstaltung und führte auf sehr kurzweilige Art und Weise durch das Programm. Mit seinen kabarettistischen Einlagen und seinem scharfen Witz brachte er das Publikum immer wieder dazu, herzlich zu lachen und sorgte so für eine entspannte und fröhliche Grundstimmung.

Los ging es mit der Ausbildung der jungen Pferde vom Boden aus. Kathrin Roida führte uns Lusitanohengst Domino erst an der Kappzaumlonge und dann am langen Zügel vor. Manuel de Oliveira kommentierte und erklärte die einzelnen Bewegungsabläufe und Übungen in englischer Sprache. An der Longe lernt das junge Pferd sich nicht nur auf gebogenen Linien auszubalancieren, hier wird auch der Grundstein von Vertrauen und Motivation gelegt, der erst die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem jungen Pferd ermöglicht.
Am langen Zügel zeigte Frau Roida in beeindruckender Art und Weise mit Donino alle Gangarten und Seitengänge - auch erste Piaffetritte wurden am langen Züge erarbeitet und schon recht sicher vorgeführt. Das Pferd hat am langen Zügel die Möglichkeit die Lektionen ohne zusätzliches Reitergewicht zu erlernen und seine Balance in ihnen zu finden. So vorbereitet fällt es ihm später unter dem viel Sattel leichter.
Auffallend war die Leichtigkeit und minimalistische Hilfengebung von Frau Roida. Es war ein sehr schönes Beispiel für durchweg gelungene und feine Kommunikation zwischen Pferd und Ausbilderin.

Zur Überraschung  des Publikums griff Manuel de Oliveira anschließend selbst zum Mikrofon und sang zur Klavierbegleitung von Klaus Kohler portugiesische Fados - eine wirklich tolle Gesangseinlage, die das Publikum mit Begeisterung und viel Applaus quittierte.

Weiter ging es mit Darbietungen zur Ausbildung der Pferde unter dem Sattel. Kathrin Roida führte uns Lusitanohengst Zingaro und Heike Finze den Würtemberger Wallach Renziano unter der Leitung von de Oliveira in unterschiedlichen Lektionen vor. Er erläuterte, ähnlich wie in einer Unterrichtsstunde, die einzelnen Abfolgen und deren Sinn.

Anschließend tölteten Anna Fiedler und ihr Islandpferd Jarpur in die Halle. Jarpur war anfangs sichtlich irritiert von den weiß eingedeckten Tischen und den vielen Leuten, machte aber dann super mit. De Olieveira erklärte zunächst Jarpurs Problemstellung. Es viel ihm sehr schwer zu traben, anfangs war gar kein Trab vorhanden und Galopp auf gebogenen Linien war nicht möglich. Durch Seitengänge und intensive Gymnastizierung der Hinterhand ( Jarpur zeigt inzwischen sowohl die Piaffe als auch die Levade ) bekam er mehr Balance und Tragkraft, was wiederum den einzelnen Gangarten zugute kommt. Gegen Ende seines Auftritts trabte er sicher und galoppierte auch auf beiden Händen auf dem Zirkel. Lesen sie auch den Artikel Isländer und Klassik in dem Anna Jarpurs Geschichte und Ausbildung näher beschreibt.

Schließlich führte uns der portugiesische Reitmeister selbst den Lusitanohengst Burlão vor. Vom Sattel aus kommentierte er einige Grundprinzipien seiner Pferdeausbildung. Besonders wichtig ist ihm z.B. dem Pferd "zuzuhören", zu spüren wo Asymetrien und Spannungen sind und dann entsprechende Übungen und Lekionen zu reiten, um diese zu beseitigen.
Essentiellen Wert in der Ausbildung legt er auf die innere Ruhe des Pferdes und darauf, dass die Pferde während der Arbeit nicht gestresst sind. So werden z.B. die Zügel immer wieder hingegeben und das Pferd gelobt.
Während der einzelnen Vorstellungen wurde auch immer wieder deutlich, dass nicht das Reiten der einzelnen Lekionen ( Seitengänge, Galoppwechsel, Piaffe und Pirouette) das Ziel der Ausbildung ist, sondern die Lektionen dem Pferd dienen, es ausbalancieren, gymastizieren um es physisch und mental in ein Gleichgewicht mit seinem zu Reiter bringen. So wird das Pferd in die Lage versetzt auch höhere Anforderungen des Reiters motiviert und freudig erfüllen zu können.

Die Opernsängerin Rebecca Heudorfer machte im zweiten Teil der Veranstaltung die Reitvorführungen de Oliveiras, auf seinen bis zur hohen Schule ausgebildeten Pferden, zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Highlight war ohne Frage die letze Vorstellung von Manuel Oliveira auf seinem weit ausgebildeten Zafiro. Sehr schön wurde an diesem Pferd sichtbar, was bei den vorangegangen Darbietungen immer als Ziel der Ausbildung angesprochen wurde. Zafiro ist ein imposantes Pferd, mit einem Körper wie von einem Bildhauer gemeißelt, das sich geschmeidig, stolz und selbstbewußt dem Publikum präsentiert. De Oliveira reitet ihn mit feinsten, nahezu unsichbaren Hilfen - bildet eine faszinierende Einheit mit ihm. Dazu der wundervolle Gesang von Rebecca Heudorfer. Das ganze wirkte fast wie ein Gemälde.
Ja hier wurde er spürbar - der "Hauch von Ewigkeit".

Abschließend bleibt zu sagen, es war ein runder Abend, bei dem von der Athmosphäre, über das Essen bis hin zu den Darbietungen von Reitkunst, Musik und Gesang alles stimmig war - einfach schön!

Autoren: Gabi Kaczmarek, Melissa Heinze
Foto: Sabine Grosser  www.sabinegrosser.de