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von Saskia Heumann

So ein Mist!

Das Thema Mist ist in der Literatur bis dato wenig behandelt worden. Eine schändliche Vernachlässigung, beschäftigt es den selbst-haltenden Pferdebesitzer jahraus, jahrein tagtäglich mindestens einmal. Jeder entwickelt seine eigene Herangehensweise, aber eines ist allen gemeinsam: Niemand möchte sich mit dieser ungeliebten, aber leider unvermeidlichen Beschäftigung lange aufhalten. Alle sind sich einig, eine möglichst effektive und zeitsparende Mistbewältigung ist oberstes Gebot. Zu viel von der ohnehin kargen Freizeit geht ansonsten von der viel spannenderen Reitzeit ab.

Vorhang auf! Im Folgenden sind private Erfahrungsberichte geübter und langjähriger Akteure auf der Mistbühne zusammen getragen, aus denen auf Wunsch durchaus praktische Anleitungen zur Bewältigung der unliebsamen Aufgabe generierbar sind.

Die Basis bildet auch auf der Mistbühne das richtige Werkzeug. Der Sammelbegriff dafür ist Mistbesteck, vermutlich eine Ableitung aus dem medizinisch-technischen Bereich, wo zwar andere, aber kaum differenziertere Anforderungen gestellt werden. Grundvoraussetzung ist wie immer das richtige Gerät von qualitativ hochwertiger Natur, denn nichts behindert mehr, als ein nicht an die vorgegebenen Bedingungen angepasstes Mistbesteck, das womöglich auch noch in desolatem Zustand ist.

Beginnen wir mit dem Optimalzustand von Mist und Untergrund:
Die Äpfel sind nicht zu fest und auf keinen Fall zu weich, befinden sich also wohlgeformt auf trockenem oder leicht körnigem Untergrund wie Sand oder Mutterboden. Das ideale Werkzeug unter diesen Voraussetzungen ist der bekannte Mistboy, bestehend aus einem Kunststoffbehälter mit Tragegriff und einem u-zinkigen Rechen. Der Auffangbehälter muss eine gesunde vordere Kante haben ohne irgendeine Form von Zähnen und Lücken, der Rechen alle Zinken in planem Gefüge besitzen. Dabei kann es sich um das handelsüblich mitgelieferte Utensil handeln oder aber auch um einen Rechen, der eigentlich dem Zusammenkehren von Laub dient und eher dem Hobbygärtner zuzuordnen ist. Wichtig ist dabei, dass sein Stiel eine Rücken schonende Länge hat. Damit können die oben beschriebenen Bollen schnell und unkompliziert vom Untergrund aufgesammelt und mittels des Mistboy-Behälters in die bereitgestellte Schubkarre bugsiert werden.

Auch dieses Objekt gehört zur Grundausstattung des Misters und muss zwei wichtige Voraussetzungen erfüllen: genügend luftbereift und von bewältigbarer Größe, damit auch bei den zu transportierenden Mistbergen (dazu später) dieses Gefährt den Mister nicht an seine körperlichen Grenzen bringt. Es besteht nämlich ständige Kippgefahr beim Überwinden von stellenweise unebenem Untergrund und beim zuweilen steilen Anstieg auf den Misthaufen, der – so das Gerücht – in norddeutschen Gefilden häufig zur höchsten Erhebung im Umkreis von fünfzig Kilometern anwachsen kann.

Kommen wir zu einer anderen Art von Untergrund. Wurde der Kothaufen auf Pflaster oder Beton abgesetzt, führt dies manchmal zu Verklebungen mit demselbigen und unschöne Restbrösel bleiben darauf haften. Hier kommt nun die Kante des Auffangbehälters zum Einsatz. Mit einem leichten Fußtritt wird diese unter die befallene Stelle geschoben und bei genügend Schwung und Treffsicherheit landet der Rückstand direkt im Behälter, ohne dass ein Nachkratzen nötig ist. Dieses Verfahren lässt sich auch wunderbar anwenden, wenn der Mist von weicherer Konsistenz ist, der gesamte Haufen ist damit schnell und ohne Rückstände von der Fläche entfernt.

Pressfladen und Wurftechniken

Was nun, wenn die Bedingungen weniger optimal sind? Wenn sich die Mistkonsistenz und der Untergrund der problemlosen Beseitigung widersetzen? Und sogar noch ein Pferd oder der gesamte Herdenverband als Störfaktor hinzu kommen? Oder – und das hat massive Auswirkungen auf jede Art von Mistverfahren – das Wetter sich nicht so verhält, wie es dem Mister ideal erscheint, nämlich sonnig, nicht zu heiß und nicht zu kalt, mit leichter Brise? Dann reicht die genannte Grundausstattung in ihrer Einfachheit nicht mehr aus, Zusatzgeräte und angepasste Spezialmethoden sind vonnöten.

Beleuchten wir nach dem Best-of nun also einige der vielen möglichen Worst-Szenarios:
Wir haben es mit eine Herde spiellustiger und hyperaktiver Wallache zu tun, nicht unter zehn Pferden, in einer entsprechend großen Unterkunft, bestehend aus einem Unterstand mit relativ ebenem Boden, einem zum Teil gut befestigten Außenareal und einem echten Matschbereich. Unabhängig von den Wetterverhältnissen, hält sich in dieser Konstellation der Spaßfaktor sehr in Grenzen.
Zum einen, weil die Herde mit Sicherheit jeden Äppelhaufen zertreten und auseinander gestrampelt hat, zum anderen weil die Bodenbeschaffenheit eine Vielzahl an Gerätschaften erfordert. Nicht zu verachten ist in diesem Fall für die ebene, befestigte Fläche – trockenes Wetter vorausgesetzt – ein Schneeschieber, ja, richtig gelesen, ein qualitativ hochwertiger Schneeschieber mit eisenbewehrter Kante und genügend langem Stiel. Damit lässt sich die netterweise so wunderbar bröselige Mistmasse zu Bahnen zusammenschieben und mit ihr selbst oder dem bereits bekannten Mistboy und gezielten Fußtritten in recht kurzer Zeit auf den fahrbaren Großbehälter verfrachten.
Schwieriger wird es im Stall, wo die Herde sich zum Fressen und Liegen aufhält: Die Bollen sind natürlich auch weit verteilt, aber zusätzlich fest mit dem  Untergrund verlegen. Da hilft nur der Griff zur klassischen Laubharke, allerdings auch nur einer solchen, deren Zähne der Abnutzung noch nicht zum Opfer gefallen sind, weder in ihrer Anzahl noch in der Qualität ihrer Widerhaken. Pressfladen für Pressfladen kann damit in erstaunlich kurzer Zeit zu übersichtlichen Hügelchen zusammen gekratzt werden und dem Abtransport anheim fallen. Einer guter Besen ist für die Feinarbeit nötig. Er sollte sehr borstiger Natur und wenig abgenutzt sein, nicht verunreinigt durch vorherige Fegeaktionen an Futterstellen oder Putzplätzen, sondern möglichst rein gehalten. Ansonsten lassen die Borsten unweigerlich die eingeklemmten Futterreste und Winterhaare auf irgendwelchen Zwischenfegewegen fallen und verdoppeln oder verdreifachen den Fegebedarf der Mistkehraktion.

Dann kommt der unbefestigte Teil des Paddocks an die Reihe. Wenn das Wetter lang anhaltend gut war, ein leichtes, siehe oben. Wenn nicht, dann empfiehlt sich zuweilen nicht nur der Wechsel von Gerätschaften sondern vor allem auch der Kleidung. Gummistiefel sind unerlässlich, bevor der Mister sich in die Untiefen dieser Paddockregion begibt, bewaffnet mit besagtem Mistboy, ohne dessen unbestreitbare Qualitäten die Arbeit nicht zu bewältigen wäre. Die Devise ist, einen oberflächlichen Blick einzuüben und nur die Haufen, die sich als solche eindeutig erkennbar aus der Schlammmasse erheben, mitzunehmen. Der Rest verschwindet irgendwann sowieso im Untergrund der nächsten Umwälzungen durch spielende Vierbeiner oder dem nächsten Regentief.
Man sollte nur eines vermeiden: den vermutlich schon recht vollen Schubkarren zu den zahllosen Stellen der Paddockdisziplin mitzunehmen. Matsche hat eine unglaubliche Sogwirkung auf schwere Schubkarren und beeinträchtigt die Kräftereserven des Misters auf dem Weg zum Misthaufen in geradezu verbotener Weise. Also besser auf befestigtem Untergrund parken und den einen oder anderen Mehrweg in Kauf nehmen.

Wenn dieser fahrbare Transportbehälter allerdings entfernt vom eigentlichen Mistgeschehen geparkt ist und der spieltriebige Herdenverband sich ebenfalls auf selbigem aufhält, stellt das zusätzliche Anforderungen an den Mister. Hauptaufgabe: Niemals den Karren aus den Augen lassen. Gummireifen, Felge, Wannenkanten und kunststoffbewehrte Griffe haben geradezu magische Anziehungskraft auf einzelne der rechtmäßigen Paddockbewohner. Erfahrungsgemäß ist die Folge von Reinbeißen in die oben genannten Teile des Misttransportgeräts unweigerlich das Stürzen und Entleeren des bis dato so mühsam aufgetürmten Mistgebirges. Das wiederum hat extrem negative Auswirkungen auf die Laune des Misters, der dann alles noch mal aufsammeln und erneut zu dem kunstvollen Alpenhauptkamm auftürmen muss. Deshalb immer ein Auge auf den Schubkarren und den sich eventuell nähernden Übeltätern gerichtet, das andere Auge scannt derweil die Matschregion nach Kothügeln und achtet gleichzeitig auf jeden Tritt, damit ein Fallen in die Pampe vermieden wird.
Nähern sich mehrere Pferde dem Schubkarren, ist es ratsam die Stimme energisch einzusetzen – eiliges Hinrennen wird durch die zähe Masse kaum gelingen. Sollte der Schrei jedoch wirkungslos verhallen, empfiehlt sich ein gezielter Wurf mit dem Mistgerät in die Nähe der Heranschleichenden, um ihr den nötigen Nachdruck zu verleihen. Bei genügend Treffsicherheit, am besten knapp vor die Angreifer, ist beim nächsten Mal die Stimme völlig ausreichend, um die Karre zu sichern.

Gummistiefel und Golftechnik

Kommen wir nun zum so genannten schlechten Wetter, das in seinen unterschiedlichen Ausprägungen durchaus einige Überraschungen für den Mister bereit hält.

Bei Regen geht niemand gern vor die Tür, aber der Mister muss. Im Großen und Ganzen ändert sich nicht ganz so viel, nur dass die Matschregion noch um einiges ausgeprägter ist und der Mist an Schwere zunimmt und dadurch einige Schubkarrenwege mehr in Kauf genommen werden müssen, damit Mister und Karre nicht am unüberwindbaren Anstieg auf den Misthaufen scheitern. Das Brett, das üblicherweise dieser Aufgabe dient, hat nämlich die fatale Eigenschaft, sich bei Nässe in eine glitschige Rampe zu verwandeln, die Gummirädern und Gummistiefeln gleichermaßen feindlich gesinnt ist. Das führt dazu, dass die Karre auf halbem Weg nach oben entweder aus eigenem Antrieb oder durch fehlende Haftung der Schuhsohlen wegrutscht und den Mister in den Abgrund reißt und sich im schlimmsten Fall gar noch über ihm entleert.

Schlimm auch, wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken. Nun muss der Mister mit schwerem Gerät anrücken, das Mistsammeln wird unweigerlich zum Mist hacken. Meist gefrieren die Haufen als Ganzes, und wenn von weicherer Konsistenz sind sie nur noch mit einer stabilen Maurerschaufel vom betonierten oder gepflasterten Untergrund abzulösen. Ist die Konsistenz von äpfeliger Natur steht man gleich vor zwei Problemen: das Lösen vom Untergrund als erster Schritt gelingt oftmals ganz gut (geringere Auflagefläche runder Gegenstände), allerdings leider mit dem Ergebnis, dass nach mehrmalige Hacken die Äpfel sich plötzlich alle gleichzeitig vom Untergrund und voneinander lösen und wie wild gewordene Golfbälle in verschiedene Richtungen davonjagen. Nicht einmal Tiger Woods würde es gelingen, diese irre gewordenen Kugeln in den Mistauffangbehälter einzulochen. Das bedeutet für den Mister, dass nach erfolgreichem Kampf gegen die Vergletscherung der Kothügel er im zweiten Schritt die einzelnen Bollen aus dem näheren und zuweilen weiteren Umkreis mühsam aufklauben muss. Sandiger Untergrund hat bei eisigen Temperaturen den Vorteil, dass das Anhaften weniger massiv ist und die Extreme des Sprungverhaltens der Bollen eingedämmt sind.
Ehemalige Matschregionen sind dagegen ein unüberwindliches Problem. Wenn die von Hufen zerklüftete Matschepampe über Nacht gefriert, bietet sich dem Mister eine Unzahl von Stolperfallen in der eisigen Kraterlandschaft, in deren Schluchten es sich die Mistäpfel gemütlich machen. Da hilft dann an manchen Stellen kein Hacken und Pulen mehr, sondern nur Tauwetter.

Auch ausgiebiges Schneetreiben über Nacht bleibt nicht ohne Auswirkungen. Zunächst lacht das Herz des Misters, heben sich die Haufen doch deutlich von der so reinen, weißen Decke ab, können wunderbar identifiziert werden und lösen sich hervorragend vom Untergrund. Aber zu früh gefreut; je mehr sich der Mister über die weiße Fläche bewegt, desto mehr wird er weiß bepuderte Hügel vorfinden, die sich bei näherem Hinsehen als Misthaufen entpuppen. Ein bisschen wie Ostereier suchen, nur weniger erfreulich. Und die Mengen an Schnee, die so auf dem Karren landen, vergrößern das abzutransportierende Volumen unnötigerweise. Außerdem ist es völlig unmöglich, alle Haufen zu finden, und die Mistmassen, die sich nach tagelanger Beschneiung unter der trügerischen Decke verstecken, sind gewaltig und werden ihm die Tränen in die Augen treiben, wenn nicht sogar in ihm Selbstmordgedanken wecken, wenn das Tauwetter sie zutage fördert und die gesamten Altlasten an einem einzigen Tag Schubkarre für Schubkarre füllen und entsorgt werden müssen. Kein Wunder also, dass viele Mister Tauwetter als ihren größten Feind bezeichnen.

Immer mit dem Strich

Mit dem Tauwetter kommt aber auch der Frühling und damit die Weidesaison. Weide abäppeln birgt einige Eigentümlichkeiten und stellt Herausforderungen der besonderen Art an den Mister.

Nehmen wir einmal an, die Wiese ist nicht größer als ein halber Hektar und bereits gut abgefressen und natürlich von Anfang an sorgfältig abgeäppelt. Der Herdenverband hat bereits klar gemacht, welches die Lieblingsstellen beim Kotabsetzen sind, schon von weitem erkennbar an etwas höherem Bewuchs, und können daher mit Karre und Mistboy auf direktem Weg angefahren werden. Geht dem einen oder anderen Herdenmitglied außerorts etwas verloren, leuchtet der Haufen klar und deutlich aus dem kurzen Grün und zieht den Misters geradezu magisch an. Leichtes Spiel also.

Aber was ist zu Beginn des Weideauftriebs? Das Gras ist hoch und von leckerster Dichte, die Geilstellen noch nicht eindeutig identifizierbar, der Mister steht vor einer großen Aufgabe. Die Weide muss streifenweise durchkämmt werden, luftbereiftes Misttransportgerät und Mistwerkzeug vorschiebend und an jedem im Dickicht auftauchenden Haufen wird angehalten, das Besteck gezückt und frohen Mutes ans Werk. Aber Vorsicht! Bevor wild drauflos geäppelt werden kann, ist es empfehlenswert, die Fallrichtung des Haufens zu ergründen, denn in hohem Gras muss immer mit dem Strich abgemistet werden. In welchem Winkel also haben sich die Äpfel dem Boden genähert, in welche Richtung wurden die langen Grashalme geknickt? Am besten wird der Auffangbehälter auf das Ende der Halme gestellt und dann mit dem Rechen vorsichtig der Haufen aus der Verflechtung gelöst. Dieses Niederdrücken der Halme verhindert, dass mit dem Mist auch Gras im Behälter landet, das ja noch im Boden verwurzelt ist und beim Hochheben des Mistboys den Haufen sofort wieder aus dem Behälter befördert. Eine weitere drohende Gefahr ist das Verheddern der Rechenzinken im langen Gras und als Folge das Auseinanderfallen der Haufen in Einzelteile, die dann zwischen den Halmen abtauchen.

Frustrierend am Misten von hoch gewachsenen Wiesen ist auch der Faktor, dass Haufen erst im letzten Moment entdeckt werden. Entweder beim Hochheben des Mistboys mit dem freudigen Gefühl, wieder eines Haufens Herr geworden zu sein, oder auf der Rückreise mit dem schon kunstvoll aufgetürmten Schubkarren. Da ist noch einer, nein, noch zwei. Oh je, noch mindestens fünf. Also wird ein weiterer Gang zum Misthaufen fällig, immer die entdeckte Stelle fest im Gedächtnis. Ansonsten passiert dasselbe wie bei oben beschriebenem Tauwetter: Die ein, zwei Wochen später abgefressene Weide fördert eine Unzahl von Haufen zu Tage, die garantiert nicht erst seit gestern da liegen sondern mit Sicherheit schon älter sind.
Beim Weide abmisten zeigt sich, je nach Erfahrung, noch ein weiteres Talent des Misters: Wie hoch kann der Mist gestapelt werden. Mit Geschick und der richtigen Technik, lässt sich das Fassungsvermögen einer Schubkarre ohne weiteres auf das doppelte des vorgesehenen ausreizen. Eine bodendeckende Verteilung von Anfang an und penibles Ausfüllen der Ecken ist unabdingbar, und je höher der Mistberg wächst, desto weniger Material darf im Behälter sein, denn irgendwann geht es allein um Schnelligkeit: Mist auf dem obersten Grat abladen, den Mistboy schnell und präzise hervorziehen und die abstürzenden Knödel an der steilen Gebirgsseite festklopfen. Beim Abtransport dürfen dann allerdings keine Hindernisse im Weg liegen, keine Absätze oder Holperstrecken zu überwinden sein, der Schubkarrenschieber muss seinen Weg fest im Blick haben und dann zielstrebig und mit Schwung den Misthaufen erklimmen. Sonst geht das Ganze buchstäblich schief.

Schonfrist durch Matratze

Kaum zu glauben, es gibt auch einen Ort, an dem Misten nicht vom Wetter abhängig ist, dafür wartet er mit anderen Problemen auf. Es geht um Innenboxen. Die sind zumeist unter Dach und in den allermeisten Fällen frostfrei.
Im Idealfall ist die Box mit Hobelspänen oder Granulat eingestreut. Eine wunderbar einfach zu reinigende Sache. Am besten mit einer feinzinkigen Plastikgabel oder dem altbewährten Mistboy. Boxentür auf, Karre in Position und in null Komma nix ist die Box sauber. Ein wenig Material nachgestreut und fertig. Die Mieter der Box werden vor der Aktion entweder in ein Ausweichdomizil, praktischerweise die Nachbarbox oder den Paddock davor verfrachtet oder warten brav am Anbinder, bis sie wieder umgesiedelt bzw. eingelassen werden.
Allerdings stößt der Mister in Boxen zuweilen auf eher unangenehme und zeitraubende Voraussetzungen, die ein schnelles Erledigen der Mistaktion behindern. Zum Beispiel bei denen, die mit Stroh eingestreut sind. Die berühmte Matratze hat den Vorteil, dass sie eine gewisse Schonfrist von mehreren Tagen gewährt, in denen nur die mit frischem Stroh beladene Karre von Box zu Box geschoben wird und der unschöne Anblick von Mist und Urin gnädig unter einer neuen Lage Stroh verschwindet. Aber irgendwann kommt auch hier der Tag der Wahrheit und die fest getrampelte und nicht wirklich wohlriechende Masse muss raus. Mit Mistgabel und großer Schaufel bewaffnet und ganz viel Zeit werden dann die Boxen vom Unrat befreit. Von Hand ein echter Knochenjob! Technisches Gerät, wie der berühmte Weidemann, wären da hilfreich, doch in den meisten Fällen lassen die Stallgegebenheiten seinen Einsatz nicht zu.

Da ist es doch besser, die Mistgabel auch in der strohigen Boxenregion täglich zu schwingen. Mit dem richtigen Werkzeug – Strohgabel und Schneeschaufel – eine durchaus zu bewältigende Aufgabe. Nicht zu dick eingestreute Boxen können damit schnell vom Mist befreit werden. Der Nässe wird man damit allerdings nicht wirklich Herr, denn Stroh saugt nicht schnell und gut genug.

 

Vorhang! In diesem Misttheater gibt es mit Sicherheit noch unzählige weitere Szenen, die hier keine detaillierte Erwähnung gefunden haben. Jeder Mister schreibt da seine eigene tragische Komödie, hoffentlich öfter mit einem lachenden als einem weinenden Auge.

Artikel : © Saskia Heumann