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von Eike Koch

Natural Horsemanship

Teil 6 - Das ABC der Bodenarbeit


Druck nach unten und nach oben

Am Kopf

Wenn du den Kopf deines Pferdes nach unten bringen möchtest, streichle das Genick deines Pferdes an der Stelle, an der du Druck aufbauen möchtest. Bringe Spannung in deinen Körper, stelle deine Finger auf und baue phasenweise Druck im Genick deines Pferdes auf.

Phase 1 - 4 : Baue den Druck phasenweise im Genick deines Pferdes auf. Erhöhe den Druck nicht weiter, als Phase 4, aber bleibe daran, bis dein Pferd reagiert. Sobald dein Pferd den Kopf nach unten nimmt, lasse den Druck sofort raus und streichle das Pferd entspannt am Genick. So signalisierst du, dass seine Reaktion richtig war und gibst ihm Vertrauen. Mache eine kleine Denkpause, bevor du die Übung mit Phase 1 anfängst zu wiederholen. Wenn du den Kopf deines Pferdes nach oben bringen möchtest, bringe Spannung in deinen Körper, setzte deine Hände rechts und links am Pferdehals auf und baue phasenweise Druck, in Richtung nach oben, auf. Sobald dein Pferd den Kopf nach oben nimmt, nimm den Druck sofort raus und streichle das Pferd entspannt am Hals.

Am Rücken

Ein weiteres Körperteil deines Pferdes ist der Rücken, den du durch Druck heben und senken kannst. Da der Rücken verantwortlich dafür ist, einen Reiter zu tragen, ist es wichtig, dass dieser locker und nicht schmerzhaft verspannt ist. Das kannst du bei dieser Übung gut feststellen und dein Pferd gymnastizieren. Stelle dich dazu neben dein Pferd in Mittelhandposition und streichle den Rücken deines Pferdes an der Stelle, an der du Druck aufbauen möchtest. Bringe Spannung in deinen Körper, stelle deine Finger auf und baue phasenweise Druck auf.



Phase 1 - 4 : Baue den Druck phasenweise in der Mitte des Rückens auf. Erhöhe den Druck nicht weiter, als Phase 4, aber bleibe daran, bis dein Pferd reagiert. Sobald dein Pferd mit dem Rücken nach unten weicht, nimm den Druck sofort raus und streichle das Pferd am Rücken. Signalisiere ihm, dass seine Reaktion richtig war und gib ihm Vertrauen. Gönne ihm eine kleine Denkpause, bevor du die Übung mit Phase 1 anfängst zu wiederholen.

Am Bauch

Um zu bewirken, dass dein Pferd einen Rundrücken macht, stellst du dich in Mittelhandposition und streichelst den Bauch deines Pferdes, an der Stelle, an der du Druck aufbauen möchtest. Bringe Spannung in deinen Körper, stelle deine Finger auf und baue phasenweise Druck auf.

Phase 1 - 4 : Baue den Druck phasenweise in der Mitte des Bauches auf. Erhöhe den Druck nicht weiter, als Phase 4, aber bleibe daran, bis dein Pferd reagiert. Sobald dein Pferd seinen Rücken nach oben wölbt, nimm den Druck sofort raus und streichle das Pferd am Bauch.

An den Vorderbeinen

Ein Pferd tut sich am Anfang schwer, das Gleichgewicht zu halten, wenn es auf drei Beinen stehen muss. Deshalb solltest du es deinem Pferd in kurzen Sequenzen üben. Du streichst mit dem Seil die Beine deines Pferdes ab. Schlinge dann das Seil locker um ein Vorderbein und lasse es langsam nach unten gleiten. Baue erst Druck auf, wenn dein Pferd das Seil akzeptiert und dir vertraut. Nehme mit beiden Händen das Seil auf und baue phasenweise Druck in der Fesselbeuge auf.

Phase 1: Nimm das Seil zwischen Zeigefinger und Daumen und nimm leichten Kontakt auf.
Phase 2:
Nimm den Mittelfinger noch dazu und baue etwas mehr Druck auf.
Phase 3: Nimm den Ringfinger noch dazu und erhöhe den Druck.
Phase 4: Nimm den kleinen Finger dazu und steigere den Druck noch etwas. Erhöhe den Druck nicht weiter, aber bleibe daran, bis dein Pferd reagiert. Sobald dein Pferd sein Bein anhebt, nimm den Druck sofort raus und streichle es.

An den Hinterbeinen

Aus Sicherheitsgründen solltest du diese Übung immer aus der Mittelhandposition machen. Du streichelst das Pferd mit dem Seil an der Hinterhand, um Vertrauen aufzubauen. Falls das Pferd Angst hat, wird es nach hinten ausweichen und dir könnte in dieser Position nichts passieren. Bleibe mit dem Seil am Pferd, bis es sich entspannt und dir vertraut. Schlinge dann das Seil locker um ein Hinterbein und lasse es langsam nach unten gleiten. Nehme mit beiden Händen das Seil auf und baue phasenweise Druck in der Fesselbeuge auf.

Phase 1 - 4: Baue phasenweise, wie bei den Vorderbeinen beschrieben, Druck auf. Erhöhe den Druck nicht weiter als Phase 4, aber bleibe daran bis dein Pferd reagiert. Sobald dein Pferd sein Hinterbein anhebt, nimm den Druck sofort raus und streichle es.

Druck nach rechts und nach links

Die laterale Biegung

Die laterale Biegung des Pferdehalses ist eine sehr gute Gymnastizierung der Halsmuskulatur und später beim Reiten sehr hilfreich. Deshalb solltest du es erst einmal am Boden gründlich üben. Du stellst dich in Mittelhandposition und schaust in Richtung Pferdekopf. Lege das Seil auf die Seite an der du stehst über den Pferdehals und baue entspannt Druck auf. Das Pferd soll nur den Hals biegen indem es den Kopf zu dir dreht und nicht rückwärts treten, deshalb ist es bei dieser Übung sehr wichtig, dass du entspannt bist und den Druck mit viel Gefühl aufbaust. Falls dein Pferd ständig dem Druck rückwärts ausweicht und ihn nicht annimmt, stelle es mit der Kruppe an eine Begrenzung. Du weißt ja, plötzlicher Druck erzeugt Gegendruck und kein Weichen!

Phase 1: Du nimmst das Seil mit der Hand hoch, die beim Pferd ist und hebst es so weit hoch, bis es noch leicht durchhängt. Jetzt baust du mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand ziemlich weit vorne am Seil leichten Druck auf.
Phase 2:
Nimm den Mittelfinger dazu und erhöhe den Druck.
Phase 3: Nimm den Ringfinger dazu und verstärke den Druck.
Phase 4: Schließe alle Finger und erhöhe denn Druck noch etwas. Erhöhe den Druck nicht weiter als Phase 4, aber bleibe daran bis dein Pferd reagiert. Sobald dein Pferd im Hals nachgibt und dir den Kopf zuwendet, nimm den Druck sofort raus und streichle das Pferd. Signalisiere ihm, dass seine Reaktion richtig war und gib ihm Vertrauen. Gönne ihm eine kleine Denkpause, bevor du die Übung mit Phase 1 anfängst zu wiederholen. Du solltest die Phase der Biegung nach und nach verlängern. Das Pferd sollte sich dabei entspannen und es als angenehm empfinden in der lateralen Biegung zu stehen. Streichle es viel, gib ihm Komfort und Sicherheit während es sich biegt.

Die maximale laterale Biegung.

Das Versetzen der Vorhand

Stelle dich in Höhe der Schulter deines Pferdes und nimmst durch Streicheln der Schulter, dort wo du den Druck aufbauen willst, Kontakt auf und holst dir dadurch die Aufmerksamkeit deines Pferdes. Bringe Spannung in deinen Körper, stelle deine Finger (der Hand die sich an der Schulter deines Pferdes befindet) auf und baue phasenweise Druck auf. Mit der führenden Hand drückst du den Kopf deines Pferdes in die Bewegungsrichtung.

Phase 1 - 4: Baue phasenweise Druck an der Schulter deines Pferdes auf. Sobald dein Pferd einen Schritt mit der Vorhand in die gewünschte Richtung weicht, lasse den Druck sofort raus und streichle das Pferd entspannt an der Schulter. Signalisiere ihm, dass seine Reaktion richtig war und gib ihm Vertrauen. Lege eine kleine Denkpause ein, bevor du die Übung mit Phase 1 anfängst zu wiederholen. Du kannst es so Schritt für Schritt weichen lassen und erst später eine ganze Runde verlangen.

Das Versetzen der Hinterhand

Wenn du die Hinterhand deines Pferdes versetzen möchtest, begebe dich aus Sicherheitsgründen in die Mittelhandposition und streichle dein Pferd an der Hinterhand, dort wo du den Druck aufbauen möchtest, um Kontakt aufzubauen und die Aufmerksamkeit zu bekommen. Bringe Spannung in deinen Körper, stelle die Finger (der Hand, die sich an der Hinterhand deines Pferdes befindet) auf und baue phasenweise Druck auf. Mit der führenden Hand holst du den Kopf deines Pferdes leicht zu dir.

Phase 1 - 4: Baue phasenweise Druck an der Hinterhand deines Pferdes auf. Sobald dein Pferd einen Schritt mit der Hinterhand in die gewünschte Richtung weicht, lasse den Druck sofort raus und streichle das Pferd entspannt an der Schulter. Dadurch signalisierst du ihm, dass seine Reaktion richtig war und gibst ihm Vertrauen. Mache wieder eine kleine Denkpause, bevor du die Übung mit Phase 1 anfängst zu wiederholen. Du kannst es so Schritt für Schritt weichen lassen und erst später eine ganze Runde verlangen.

Das Seitwärtsrichten von dir weg

Wenn du dein Pferd seitwärts treten lassen möchtest, ist es am Anfang hilfreich, das an der Bande zu üben. Stelle dein Pferd mit dem Kopf in Richtung Bande und begebe dich in Schulterhöhe. Streichle dein Pferd an der Mittelhand, hole dir seine Aufmerksamkeit, bringe Spannung in deinen Körper, neige dein Oberkörper leicht nach vorne und baue mit der einen Hand phasenweise Druck auf. Mit der anderen Hand achtest du darauf, dass der Kopf gerade bleibt oder leicht in die Bewegungsrichtung zeigt. Blicke in die Richtung in die dein Pferd weichen soll und gehe mit ihm mit.

Phase 1 - 4: Baue phasenweise Druck an der Mittelhand deines Pferdes auf. Sobald dein Pferd einen Schritt in die gewünschte Richtung, seitlich übertritt, lasse den Druck sofort raus und streichle das Pferd entspannt an der Seite. Dadurch signalisierst du ihm, dass seine Reaktion richtig war und gibst ihm Vertrauen. Nachdem du eine kleine Pause gemacht hast, wiederhole die Übung mit Phase 1 . Du kannst es so Schritt für Schritt übertreten lassen und erst später eine ganze Bahnlänge verlangen.

Das Seitwärtsrichten auf dich zu

Wenn du dein Pferd seitwärts, auf dich zu, übertreten lassen möchtest, stelle es mit dem Kopf in Richtung Bande und begebe dich in Schulterhöhe. Schlinge das Seil über den Rücken unter dem Bauch entlang, so dass du in beiden Händen ein Seilende hast. Hole dir seine Aufmerksamkeit, bringe Spannung in deinen Körper, neige dein Oberkörper leicht nach hinten und baue mit deinen Fingern am Seil phasenweise Druck auf.

Phase 1: Baue mit Daumen und Zeigefinger beider Hände leichten Druck am Seil auf
Phase 2:
Nimm den Mittelfinger dazu und erhöhe den Druck.
Phase 3: Nimm den Ringfinger dazu und verstärke den Druck
Phase 4: Schließe alle Finger und erhöhe denn Druck noch etwas.

Kombinationsübung zwischen physischem und mentalem Druck

Eine Kombinationsübung zwischen physischem und mentalem Druck ist das Rückwärtsrichten am 4-Meter Seil. Bei dieser Übung baust du dich vor deinem Pferd auf, streichelst es am Nasenrücken und schickst es durch physischen Druck am Nasenrücken, auf Armlänge, von dir weg (siehe Kapitel: Physischer Druck - Das Rückwärtsrichten), dann kommt deine Körpersprache zum Einsatz. Du nimmst Energie in deinen Körper, richtest dich auf, neigst dein Oberkörper etwas nach vorne und streckst deine Hand aus. Achte darauf, dass dein Pferd dich bei dieser Übung mit beiden Augen ansieht , sonst weicht es seitlich aus und nicht nach hinten.

Phase 1: Du hebst einen Finger der Hand, die frei ist und wippst damit in Richtung Pferdekopf.
Phase 2: Du bewegst deine freie Hand aus dem Handgelenk hin und her und baust somit Druck auf. Bei Phase 1 und 2 entsteht noch kein physischer Druck.

 

Phase 3: Reagiert dein Pferd nicht auf Phase 1 und 2, fängst du an leicht mit dem Seil hin und her zu schwingen. Dadurch erzeugst du körperlichen Druck am Pferd. Der Druck, den du über das Seil aufbaust, geht weiter über das Halfter und von dort zum Pferdekopf.

Phase 4: Reagiert dein Pferd immer noch nicht, schwingst du das Seil stärker, so dass sich der Karabiner am Seil bewegt und seitlich am Pferdekopf Druck ausübt. Schwinge das Seil nach rechts und links nicht nach oben und unten! Sobald dein Pferd einen Schritt rückwärts weicht, lasse den Druck sofort raus indem du dich entspannst. Dadurch signalisierst du ihm, dass seine Reaktion richtig war und gibst ihm Vertrauen. Mache eine kleine Denkpause, bevor du die Übung mit Phase 1 anfängst zu wiederholen. Du kannst es so Schritt für Schritt weichen lassen, bis es vier Meter von dir entfernt steht. Dann lässt du es wieder zu dir kommen und streichelst es (siehe Kapitel: Physischer Druck - Das Herholen).

Mehr zum Thema im Buch "Der Mensch als Leittier" von Eike Koch