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von Eike Koch

Natural Horsemanship

Teil 1: Was ist Natural Horsemanship (NH)?  

Natural Horsemanship ist in der Pferdeszene ein wesentlicher Begriff. Unabhängig von der Pferderasse, Alter, Geschlecht und Reitstil, bringt uns diese Methode der Sprache des Pferdes näher. Der Grundgedanke dieser Arbeitsweise ist, mit dem Pferd in der ihm verständlichen Sprache zu kommunizieren. Der entscheidende Unterschied in der Kommunikation zwischen Mensch und Tier ist die Form der Verständigung. Während der Mensch sich durch Worte mitteilt, spricht das Pferd mit dem Körper. Der Gedanke ist genauso alt, wie der Umgang des Menschen mit dem Pferd. Oft lösen wir durch unkontrollierte Körpersprache ungewollt instinktgesteuerte Reaktionen des Pferdes aus und bewirken dadurch genau das Gegenteil von dem, was wir erreichen wollen. Um genau das zu vermeiden, müssen wir das Wesen des Pferdes verstehen.

In der Natur lebt das Pferd in einer Herde und ordnet sich bereitwillig einem Leittier unter. Dieses bietet ihm Komfort und Sicherheit. Wenn wir möchten, dass uns das Pferd als Alphatier anerkennt, müssen wir diese Verantwortung übernehmen und uns dieser auch bewusst sein. Die Bodenarbeit sollte die Basis für gegenseitiges Vertrauen und gegenseitigen Respekt schaffen. Sie hilft uns den eigenen Körper zu koordinieren, bevor wir uns auf den Rücken des Pferdes begeben.

Zuerst ist das Pferd dem Menschen gegenüber wild, scheu und/oder aggressiv. Es will sich nicht anfassen lassen, ignoriert den Mensch und seine Wünsche. Bei Vertrauens– und Rangordnungsspielen zeigt sich der Mensch als schneller, starker Partner und als verantwortungsbewusstes Leittier. Das Pferd vertraut so dem Menschen und gibt in gefährlichen Situationen gerne die Verantwortung an ihn ab. Das Pferd bekommt Respekt und Vertrauen in gleichen Maßen und akzeptiert den Mensch als Leittier. Das Pferd arbeitet nun interessiert, aufgeweckt und freudig mit. Es ist ausgeglichen, ruhig, selbstbewusst und reagiert richtig auf kleinste Körpersignale. Es kann später, ohne jegliche Hilfsmittel, zu allen erdenklichen Leistungen animiert werden.

Wer träumt nicht davon, ein solches Pferd als zuverlässigen Partner zu haben?

Natural Horsemanship ist ein lohnender Weg, der durch schnelle Erfolgserlebnisse Pferd und Mensch Spaß macht.

Teil 2: Die Körpersprache

Die Körpersprache ist nicht nur zwischen den Tieren die wichtigste Form der Kommunikation, sondern auch zwischen den Menschen. Körperkommunikation ist non–verbale Verständigung, das heißt, sie funktioniert nicht über das gesprochene Wort. Durch die verbale Sprache hat der Mensch verlernt, seinen Körper als Kommunikationsmittel einzusetzen. Wenn man sich mit anderen Lebewesen verständigen möchte, ist die Körpersprache aber oft das einzige Mittel. Es existieren unmittelbare Zusammenhänge zwischen Körperhaltung und Bewegung, sowie Gefühlen, Gedanken und Mitteilungen eines Menschen. Der Mensch mag zwar mit seinen Worten (bewusst oder unbewusst) die Unwahrheit sagen, mit der Körperhaltung aber verrät er dann häufig, was von seinen Worten wirklich zu halten ist. Insofern ist die Aussage richtig, dass der Körper die Wahrheit spricht. Ohne begleitende Gesten bleibt die Sprache tot und unglaubwürdig. Erscheinung und Tonfall gehören zu den Körpersignalen, die manchmal andere Botschaften übermitteln, als die gesprochenen Worte. Die verbale Sprache übermittelt Fakten, während die Körpersignale die Bedeutung übermitteln. Der Körper spricht also immer die Wahrheit. Deshalb reagieren Pferde auch nur dann, wenn wir klar in unserer Körpersprache sind und nicht nur in unseren Gedanken. Das heißt, das was ich denke, muss auch mit meinen Körpersignalen übereinstimmen, um erfolgreich mit Pferden zu kommunizieren.

Wir Menschen sollten lernen, uns selber zu verstehen, damit uns die Pferde verstehen können!

Pferde kommunizieren untereinander durch Körpersprache. Wenn man die Möglichkeit hat eine Herde zu beobachten, wird einem schnell klar, wie die Körpersprache untereinander aussieht. Jede kleinste Bewegung wird wahrgenommen und sofort beantwortet. Das müssen wir Menschen wieder lernen. Denn erst wenn wir diese Sprache verstanden haben und „sprechen“ können, das heißt, winzige Bewegungen wahrzunehmen, denen wir früher keine Beachtung geschenkt haben, können wir mit den Pferden kommunizieren. Wir sollten auch darauf achten, unsere Bewegungen gezielter und eindeutiger einzusetzen, dann können uns die Pferde auch besser verstehen.

Die Fähigkeit, mit der Körpersprache positiv und überzeugend auf das Pferd zu wirken, entscheidet über den Erfolg in der Arbeit mit Pferden. Die meisten körpersprachlichen Signale kommen aus dem Unbewussten und werden von uns erst einmal nicht wahrgenommen. Deren Wirkung bekommen wir aber im Umgang mit den Pferden deutlich zu spüren, nämlich durch deren Reaktionen auf uns. Die Pferde reagieren sehr stark auf die unbewussten Signale, die wir Menschen aussenden. So ist es den Wenigsten bewusst, wie sie tatsächlich auf die Pferde wirken, welchen Eindruck sie auf das Pferd machen und welche unbewussten Signale sie senden. Es hängt oft vom Zufall ab, ob die richtigen Signale gesendet werden oder nicht. Wir sollten die Körpersprache lernen und bewusster einsetzen. Wenn wir diese Klarheit erlangen, wird uns das Pferd vertrauen und als Leittier respektieren.

Das Pferd kann menschliche (verbale) Kommandos erlernen, aber seine natürliche Sprache wegen unserer Unwissenheit nicht umdefinieren!


Teil 3: Das natürliche Konzept

Das Pferd ist ein Fluchttier

Verhaltensmerkmale u. a.:

•  Es ist unsicher.

•  Es ist allem Neuen gegenüber misstrauisch.

•  Es gerät schnell in Angst oder Panik und schaltet dann sein Hirn aus.

•  Das Pferd hat von Natur aus Platzangst, deshalb bedarf es viel Vertrauen zum Mensch in den Hänger zu gehen.

•  Es flüchtet vor dem Schmerz, z. B. es rennt nur noch, weil ein schlecht sitzender Sattel ihm Schmerzen bereitet; es bleibt beim Aufsteigen nicht stehen, weil der Reiter ihm fest in den Rücken plumpst.

Das Pferd ist ein Herdentier

Es organisiert sich in Herden, damit sie den entstehenden Überlebensstress untereinander aufteilen können.

Verhaltensmerkmale u. a.:

•  Es sucht die Sicherheit in der Herde, für die der Ranghöhere sorgt.

•  Es genießt den Komfort, den ihm seine Herde bietet. Unruhestifter werden aus dem Herdenverband ausgeschlossen, bis sie sich an die Spielregeln der Gruppe halten. Den Zeitpunkt der Wiedereingliederung bestimmt die Leitstute.

•  Es gliedert sich in eine Rangordnung ein, in der jedes Pferd einen festen Platz hat.

•  Das Pferd ist grundsätzlich ein bequemes Wesen, das den ganzen Tag fressen will.

 

Der Mensch sieht aus wie ein Raubtier

Merkmale u. a.:

•  Er hat angelegte Ohren, wie ein sich anschleichendes Raubtier.

•  Er hat einen fixierenden Blick, welcher das Pferd verunsichert.

 

Der Mensch verhält sich wie ein Raubtier

 

Verhaltensmerkmale u. a.:

•  Er ist aggressiv.

•  Er geht zielstrebig auf das Pferd zu. Ein Weidetier geht immer auf Umwegen mit Pausen zum Ziel.

•  Er klammert sich bei Angst oder Unsicherheit fest.

 

Die wichtigsten Eigenschaften eines Horseman

 •  Artgerechte Einstellung , d. h., das Pferd so zu akzeptieren wie es von Natur aus ist, es nicht vermenschlichen zu wollen.

•  Unvoreingenommenheit , d. h., jede Übung unvoreingenommen zu probieren, nicht zu denken, das schaffen wir eh nicht; offen sein für Neues, nicht nur in eine Richtung zu denken.

•  Wissen, durch einen guten Trainer aneignen und ständig weiterbilden. Das was du lernst, nachdem du schon alles wusstest – das ist was zählt!

•  Kontrolle des eigenen Körpers , präzise die Körpersprache erlernen. Das Pferd liest immer deine Körpersprache und nicht deine Gedanken.

•  Ausgeglichenheit , falls du im Stress bist oder mit deinen Gedanken nicht beim Pferd, wirst du nicht die gewünschten Erfolge erzielen.

•  Korrekter Umgang mit den Hilfsmitteln , nur durch das richtige handling und den stufenweisen Druckaufbau, wirst du effektiv mit dem Pferd arbeiten.

•  Beiderseitiger Respekt , nicht nur das Pferd sollte Respekt haben auch der Mensch sollte dem Pferd Respekt erweisen.

•  Technik , nur durch Übung und Korrekturen kann man die richtige Technik erlernen.

•  Timing , ausschlaggebend für den Erfolg ist, im richtigen Moment das Richtige zu tun, sobald das Pferd nur ansatzweise dem Druck weicht, sofort den Druck rauslassen und das Pferd durch streicheln loben. Es zählt nicht so sehr was du tust, sondern wann du aufhörst es zu tun.

•  Die nötige Zeit , nimm dir am Anfang viel Zeit, dann wirst du später Zeit sparen; versuche nicht die Übung lösen zu wollen, sondern lasse sie lösen.

•  Viel Phantasie, versuche so abwechslungsreich wie nur möglich mit deinem Pferd zu arbeiten.

 •  Merke: Verhalte dich nicht wie ein Raubtier!

Teil 4: Die drei natürlichen Regeln


 
1. Die Aufmerksamkeit

Bevor ich mich mit dem Pferd beschäftige, hole ich mir seine Aufmerksamkeit. Wenn es auf der Weide oder im Stall steht, rufe ich es, pfeife oder mache mich irgendwie bemerkbar, so dass es mich wahrnimmt. Es sollte mich dabei ansehen und mir nicht sein Hinterteil zudrehen, denn ein Pferd sieht direkt hinter ihm nichts. Es sendet mit jedem Auge getrennte Bilder zum Gehirn, deshalb kann es sein, dass eine Übung auf der einen Hand super klappt und auf der anderen Hand nicht. Ich erkenne an den Augen oder an den Ohren, ob ich die Aufmerksamkeit meines Pferdes habe.
Wenn du mit einem Hengst arbeitest, wirst du, im Gegensatz zu einer Stute oder einem Wallach, verstärkt an der Aufmerksamkeit arbeiten müssen, da er sich ständig ablenken lässt. Du wirst viel mehr Zeit investieren müssen, um zu dem gleichen Ergebnis zu kommen.

Hole dir die Aufmerksamkeit deines Pferdes:

 über akustische Signale

•  mit den Fingern schnippen
•  mit der Zunge schnalzen
•  klatschen
•  pfeifen

über Berührungen

streicheln mit den Händen und den Hilfsmitteln

über Bewegungen

durch sicheres Zubewegen auf die Hinterhand, zum toten Winkel

Wenn du die Aufmerksamkeit des Pferdes über die Bewegung holen möchtest,
dann gehe so vor:

•  Nimm das Seil und hänge es über deinen Ellenbogen, damit beide Hände für die Hilfen, frei sind. Bei Gefahr kannst du jederzeit das Seil greifen.

•  Überlege dir, wo du hingehen möchtest und richte deinen Blick dort hin.

•  Richte dich auf, das heißt, bringe Spannung in deinen Körper.

•  Gehe selbstbewusst und mit gleichmäßigen Schritten, ohne das Pferd anzuschauen, in Richtung Hinterhand (toter Winkel).

•  Je mehr du mit deiner Körpersprache zögerst oder unsicher bist, desto mehr wird das Pferd zögern und nicht folgen. Beobachte es nur aus dem Blickwinkel.

•  Wenn das Pferd unaufmerksam ist und nicht folgt, nimmst du das Seil und gibst einen kurzen Ruck. Jetzt wird es dir folgen, achte dabei auf die Ohren deines Pferdes, wenn sie aufrecht und nach hinten gerichtet sind, hast du seine Aufmerksamkeit.

•  Vor dem Stehenbleiben entspannst du dich und das Pferd wird ebenfalls stehen bleiben. Falls das Pferd nicht stehen bleibt, dränge es Pferd aus deinem Dominanzbereich, indem du dich aufrichtest, das Seil in beide Hände nimmst, in Höhe deiner Augen hältst und durch energisches Spannen und lockern des Seiles Druck erzeugst, bis das Pferd stehen bleibt. Sobald es steht entspanne dich wieder.

•  Mache diese Übung mehrmals und ändere die Richtung und das Tempo.

•  Beende diese Übung indem du dein Pferd auf Distanz drängst und warte dort, bis es seine Sicherheit findet. Es hat dabei eine entspannte Kopfhaltung, es schnaubt ab und atmet entspannt aus.

2. Das Vertrauen

Bevor du mit deinem Pferd arbeiten willst, muss es Vertrauen zu dir haben. Du erkennst, ob dein Pferd Vertrauen hat, wenn du es überall am Körper mit den Händen und den Hilfsmitteln streicheln kannst. Falls es sich irgendwo nicht anfassen lassen möchte, z. B. im Genick, den Ohren, dem Euter oder im Flankenbereich, versuche mit bewusst entspannter Körperhaltung langsam aber penetrant an diesen Stellen zu streicheln. So lange, bis sich das Pferd entspannt und keinen Widerwillen mehr zeigt.

Gewinne das Vertrauen deines Pferdes:

Indem du deinem Pferd Komfort und Sicherheit gibst, wie es ein Ranghöheres Tier ihm geben würde. Verhalte dich nicht wie ein Raubtier, das heißt sei nicht aggressiv, mache keine ruckartigen Bewegungen, gehe entspannt, auf Umwegen zum Pferd, klammere dich nicht auf seinem Rücken fest. Sei immer fair und dein Pferd wird dir treu folgen.
Berühre es entspannt, am ganzen Körper, mit den Händen und den Hilfsmitteln.
Wenn dein Pferd schon viel Vertrauen zu dir hat, kannst du versuchen ihm seitlich ins Maul zu fassen, es leicht zu massieren und die Zunge seitlich hinauszuziehen, um es auf das Zähneraspeln, die Trense oder die Wurmkur vorzubereiten. Schwinge das Seil auch über seinen Rücken und lerne ihm dabei stehen zu bleiben, was später für das Satteln und das Aufsteigen wichtig ist. Schlenkere das Seil auch an und um die Beine deines Pferdes, damit es keine Panik bekommt, wenn ein Hund oder Äste seine Beine berühren. Je mehr Vertauen ein Pferd hat, desto weniger Probleme wird es mit ihm geben.

Merke: Es gibt keine bösen Pferde, böse Pferde wurden vom Mensch gemacht!

3. Der Respekt

 Nachdem wir uns die Aufmerksamkeit und das Vertrauen erarbeitet haben, kommt als dritter wichtiger Punkt der Respekt dazu. Das Ziel unserer Arbeit ist, dass wir Vertrauen und Respekt in Balance bringen. Habe ich zu viel Vertrauen zum Pferd und das Pferd zu viel Vertrauen zu mir und zu wenig Respekt, so wird es einige Übungen einfach nicht machen. Hat es aber zu viel Respekt, wird es bei kleinstem Druck in den Instinkt kommen und davon laufen.
Den gegenseitigen Druckaufbau, um die Rangordnung festzulegen, kann man sehr gut auf der Koppel beobachten. Zuerst üben sie einen mentalen Druck durch Ohrenanlegen und Quietschen aus. Dann drehen sie die Hinterhand zum Pferd und schlagen, wenn es sein muss, auch aus. So geht der mentale Druck in physischen über. Das andere Pferd wird versuchen gegen den Druck zu gehen, sich zu wehren. Diese Verhaltensweise ist bei unserer Arbeit mit dem Pferd nicht erwünscht. Wir möchten dem Pferd lernen, dass es vom Druck weg weicht und zwar auf feinste Hilfen, in alle Richtungen. So dass es beim Reiten nicht gegen die angelegte Wade drückt, sondern ihr weicht, nicht gegen das Gebiss drückt, sondern nachgibt.
Das erreichen wir aber nicht mit Gewalt, denn Druck erzeugt Gegendruck . Sondern durch Druck, der freundlich anfragt und langsam bis zum Erfolg gesteigert wird. Bei der Basisarbeit wird auf die Eigenheit verschiedener Pferderassen Rücksicht genommen, weil die Instinkte, in der Grobphase, jedes einzelnen Individuums angesprochen werden. Der ausgeübte Druck wird auf das jeweilige Pferd abgestimmt. Araber reagieren sensibler, als z. B. Tinker. Bei unserer Arbeit mit den Pferden wird der Druck, wie in der Pferdewelt, in vier Phasen aufgebaut.
Wichtig dabei ist, dass du den Druck erst raus lässt, wenn das Pferd richtig reagiert. Erhöhe den Druck nie weiter als Phase 4.
Falls du mit einem Hengst arbeitest, musst du noch konsequenter sein, als bei einer Stute oder einem Wallach. Er wird öfters mit dir die Rangordnung diskutieren. Du musst auch Kleinigkeiten korrigieren, damit sie später nicht zum Problem werden.

Erlange den Respekt deines Pferdes

Du erlangst den Respekt deines Pferdes, indem du immer mit Phase 1 anfängst den Druck aufzubauen. Damit gibst du deinem Pferd die Möglichkeit den feinsten Druck wahrzunehmen und darauf zu reagieren.Sobald das Pferd reagiert, nehme ich den Druck raus, streichle das Pferd, signalisiere ihm hiermit, dass seine Reaktion richtig war und arbeite somit wieder am Vertrauen.


Phase 1 : du berührst mit deinen aufgestellten Fingern das Fell.

Phase 2 : du berührst durch etwas mehr Druck, die Haut deines Pferdes.

Phase 3 : du berührst durch noch mehr Druck die Muskulatur.

Phase 4 : du baust den Druck so weit auf, als wolltest du die Knochen deines Pferdes berühren. Gehe nicht weiter als Phase 4, aber bleibe, falls das Pferd nicht reagiert, mit dem Druck am Pferd, bis es reagiert.

Wenn dein Pferd anfängt zu kauen, zeigt es dir, dass es den ausgeübten Druck akzeptiert hat und bittet dich dieses zu beenden. Wenn du an die Grenze deines Pferdes gehst, d. h. mit Druck Phase 4, muss der Druck schlagartig aufhören , sobald das Pferd nur in die richtige Richtung denkt. Sonst stimmt das Timing nicht und dein Pferd wird in den Instinkt kommen. Zu später Wechsel von Respekt und Vertrauen verlängert die Zeit, in der die gewünschte Aufgabe gelöst werden kann, weil das Pferd im Instinkt nicht mehr mitdenkt.
Wenn du am Gleichgewicht von Respekt und Vertrauen arbeitest, so wird am Anfang die gedachte Waage von einem zum anderen Ende ausschlagen. Du wirst einige Zeit brauchen, bis du den erzeugten Eindruck des Respekts wieder mit Vertrauen ausgleichen kannst. Ziel bei der Arbeit mit Pferden soll sein, dass die Wirkung durch den Einfluss auf Vertrauen und Respekt kaum merkbare Veränderungen auslöst. So wirst du und dein Pferd mit viel Spaß die Übungen machen und nach kurzer Zeit stellen sich die ersten Fortschritte ein.

Eine Übung zum Erfühlen des Druckaufbaus:
Gehe in die Hocke und streichle deine Oberschenkel.

Phase 1: Lege deine Hände auf deine Oberschenkel und stelle dir vor, du berührst Pferdehaare. Achte in dieser Phase darauf, keinen Druck auszuüben.

Phase 2: Steigere den Effekt durch Fingeraufstellen, denn eine kleinere Auflage erhöht den Druck und stelle dir vor, die Haut deines Pferdes zu berühren.

Phase 3: Steigere den Druck deiner Finger bis auf die Muskulatur.

Phase 4: Erreiche den maximalen Enddruck auf den Knochen (evtl. Fingernägel einsetzen).

  Merke: Den Respekt eines Pferdes bekommst du nur am Boden Respekt hat nichts mit Größe und Kraft zu tun.

 
Die Dominanz

Aus Angst das
Pferd strafen

 

Durch Sicherheit das Pferd fordern,
danach Komfort geben

 

Das Problem ist
weiter vorhanden

 

Das Pferd wird durch deine
Hilfestellung geleitet

 


Beachte:

•  Du kannst nur dann mit deinem Pferd arbeiten, wenn seine Aufmerksamkeit auf dich gerichtet ist.

•  Veränderungen erzielst du nur dann, wenn du Grenzen überschreitest. Um eine Grenze überschreiten zu können, wirst du verstärkten Druck ausüben müssen. Dabei wird Phase 4 nicht zu vermeiden sein. Steigere den Druck aber nicht höher als Phase 4, und halte deine Emotionen unter Kontrolle. Halte den Druck der Phase 4 so lange, bis du ein Nachgeben in der geforderten Richtung erkennst, auch wenn es nur der Gedanke dort hin ist

= Timing.

•  Der Mensch kann sich nur so lange selbst kontrollieren, so lange er sich innerhalb seiner Grenzen bewegt. Wenn du beim Lernen an so eine Grenze stößt, dann bereite dich besonders auf die nächste Lektion vor, indem du dich gemeinsam mit deinem Pferd auf das gesteckte Ziel vor tastest.

•  Die Stärke des einsetzenden Drucks, die Länge der gewählten Lektionen und die Häufigkeit der Wiederholungen sind davon abhängig wie schnell du dein Ziel erreichen willst. Überlege hierbei, ob du nicht mit mehr Abwechslung bei den Übungen und Nachhaltigkeit beim Erarbeiten der Sicherheit des Pferdes mehr Spaß hast und somit spielerisch das gleiche Ziel erreichen kannst.

•  Das Ziel bei der Arbeit mit Pferden soll immer das beidseitige Lernen sein. Sei empfindsam, wenn dein Pferd dir helfen will eine Grenze zu durchbrechen.

•  Jeder aufgebaute Druck, muss sofort nach Erreichen des gewünschten Effekts wieder herausgenommen werden, sonst wird er gespeichert und oft unerwartet und unkontrolliert, vom Pferd wieder abgegeben.

•  Fange jede Übung mit Druck Phase 1 an und gib somit deinem Pferd die Möglichkeit auf feinste Hilfen zu reagieren.

Teil 5: Die Hilfsmittel

Die Hilfsmittel werden eingesetzt, um unseren eigenen Dominanzbereich, der wesentlich kleiner ist, als der des Pferdes, zu vergrößern bzw. zu unterstützen. Sie helfen uns die Signale fein und gezielt zum Pferd zu leiten. Unersetzlich bei unserer Arbeit sind das Knotenhalfter, das Führseil und der Stock. Das Knotenhalfter und das lange Seil Das Knotenhalfter wird aus einem 6 mm starkem Nylonseil, mit sechs an bestimmten Stellen befindlichen Knoten, geknüpft. Es ist dadurch, dass es sehr leicht und locker am Pferdekopf liegt, angenehm zu tragen. Durch dieses Knotenhalfter ist es möglich feine Signale an das Pferd weiter zu leiten. In Verbindung mit dem Halfter benötigen wir ein Seil, das "lebt". Unser Seil besteht aus einer 4 m oder 7 m langen Yachtleine, mit 16 mm Stärke. Am Anfang des Seiles befindet sich ein Bullsnapkarabiner und am Ende eine kleine Lederklatsche. Wir machen das Pferd vor der Arbeit, mit dem Seil vertraut, denn das Seil ist ein Hilfsmittel und kein Angstmittel. Wir benutzen das 4 m Seil später, beim Reiten, als Zügel und das 7 m Seil, bei der Bodenarbeit, als Doppellonge. Der Bullsnap wird in das Halfter gehakt und gibt, bei Bewegungen des Seiles, das Signal direkt zum Pferdekopf weiter. Durch ein spezielles Innenleben und eine bestimmte Festigkeit des Seils, wird jeder Impuls vom Anfang bis zum Knotenhalfter geleitet. Die Wirkungsweise, sowie der Wirkungsgrad hängen von der Signalgebung ab. Wird Zug am Seil nach vorne ausgeübt, überträgt sich die Wirkung des Halfters, zum größten Teil, auf das Genick des Pferdes. Wird Zug am Seil nach hinten ausgeübt, verteilt sich der Druck auf den Nasenrücken und das Genick. Beim Rückwärtsrichten durch Seilschwingen, kommt es zu einer Reizung des Nasenrückens und seitlich des Nasenbeins. An diesem sind die Pferde besonders sensibel. Der Wirkungsgrad eines Knotenhalfters ist erheblich größer, als der eines herkömmlichen Halfters, da die Einwirkung punktueller erfolgt. Sich gegen ein breites Stallhalfter zu lehnen ist für ein Pferd wesentlich einfacher, als sich gegen ein 6 mm starkes Seil zu stemmen. Dadurch ist eine feine Kommunikation mit dem Pferd möglich und wir haben, falls nötig, eine viel bessere Einwirkung auf das Pferd. Aber Vorsicht! Mit einem Knotenhalfter sollte ein Pferd nie unbeaufsichtigt angebunden (auch nicht im Hänger) oder frei laufen gelassen werden, da die Gefahr besteht, dass das Pferd mit dem Halfter irgendwo hängen bleibt, nicht mehr weg kommt, in Panik gerät und dagegen zieht. Dadurch, dass das Halfter sehr reißfest ist, könnte es sich am Genick verletzten oder schlimmstenfalls erdrosseln So legst du das Knotenhalfter korrekt an:

Versuche beim Anlegen des Halfters schnelle Bewegungen zu vermeiden, damit dein Pferd nicht kopfscheu wird und es angenehm für das Pferd ist. Streichle es bevor du ihm das Halfter anlegst, um Vertrauen aufzubauen.

1. Du stellst dich links neben den Kopf deines Pferdes und legst ihm das Seil über den Pferdehals.

2. Du greifst das Halfter mit beiden Händen und streichst das Nasenteil über den Nasenrücken deines Pferdes.

3. Du führst das Genickstück mit der rechten Hand hoch, legst es über das Genick und führst das Ende, von hinten nach vorne , durch die Schlaufe.

Das Halfter solltest du so anbringen, dass das Nasenteil nicht die Atmung behindert, nicht vom Pferdekopf rutschen kann und nicht den sensiblen Bereich des Nasenrückens verletzen kann, so circa 2 - 3 Finger unterhalb des Jochbeines. Bei sehr unsensiblen Pferden kannst du es vorübergehend auch etwas tiefer schnallen, um eine Reaktion zu erhalten.

Der Knoten zum Schließen des Halfters:

4. Du hast das Genickteil, von hinten nach vorne, durch die Schlaufe des Halfters gezogen, bis das Halfter in der richtigen Höhe war. Jetzt machst du eine Schlinge nach rechts, führst das Ende unter der Schlaufe hindurch und steckst es durch die entstandene Schlinge.

Häufige Fehler beim Schließen des Halfters:

 

1. Das Seilende nicht an der Schlaufe, sondern an sich selbst zu verknoten, dadurch rutscht der Knoten leicht.

2. Den Knoten in die falsche Richtung knüpfen, dann seht das Ende störend in Richtung des Pferdeauges.

 

Der Kontaktstock  

Den Stock, den wir bei unserer Arbeit benutzen, ist 1,30 m lang, aus Fieberglas, relativ dick und dadurch sehr stabil. Er ist viel fester als eine Gerte und schnallst nicht. Er dient uns als Verlängerung der Arme und nicht, um das Pferd unkontrolliert zu verprügeln. Am Ende des Stockes befindet sich ein abnehmbares Seilchen, das 2 m lang ist. Dieses erweitert unseren Dominanzbereich zusätzlich. Bei manchen Übungen ist es sinnvoll, das Seilchen abzunehmen, weil es stört. Abgenommen dient uns das Seilchen, um das Pferd, beim Reiten, anzutreiben oder seitlichen Druck auszuüben. Die Steigbügel, beim Horseball, zusammen zu binden; wie einen Halsring, zum Reiten, zu benutzen oder beim Reiten mit einem Zügel, als Zügel.

Alle Hilfsmittel auf einen Blick


Die Stimme:

Mit Hilfe der Stimme kannst du die Aufmerksamkeit deines Pferdes erlangen. Aber gerade am Anfang solltest du auf dieses Hilfsmittel verzichten, denn dein Pferd macht nicht was du sagst oder denkst, sondern was deine Körpersprache ausdrückt. Du hast deine Emotionen besser unter Kontrolle, wenn du keine Sprache einsetzt.

Die Hände:

Durch das Hochheben deiner Hände kann deine Körpergröße und somit auch dein Dominanzbereich verändert werden. Durch Bewegungen, wie winken, klatschen oder mit den Fingern schnippen, kannst du leicht die Aufmerksamkeit deines Pferdes bekommen.

Das Futter:

 Durch die Gabe von Leckerlis werden Bettler erzeugt - das Pferd erzieht den Menschen.

 

Das Knotenhalfter:

Das 6 mm dünne Knotenhalfter gibt deine Signale, in Verbindung mit dem richtigen Seil, fein an den Pferdekopf weiter.

Das Seil:

Das Seil besteht aus einer 16 mm dicken Segelleine und 4 m (7 m) Länge. Es ist salzwasserbeständig. Durch eine spezielle Flechtung, "lebt" das Seil und auch ganz fein ausgeübter Druck wird weitergeleitet. Der relativ schwere Karabiner stoppt das Seil sofort, wenn kein Druck mehr ausgeübt wird.

Der Kontaktstock:

Der 1,30 m lange Stock ist aus Fiberglas. Er ist relativ dick und dadurch sehr stabil. Er schnalzt nicht, wie einen Gerte. Er dient als Verlängerung der Arme. Das abnehmbare, 2 m lange Seilchen erweitert deinen Dominanzbereich zusätzlich.

Der Zirkel, die Halle, das Viereck:

Der eingezäunte Bereich hindert das Pferd an der Flucht.

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