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WingX - Was ist das denn? - ein Erfahrungsbericht von Jutta Plötz


Ich habe bei Facebook diverse Anzeigen und Fotos gesehen und war neugierig. Dann habe ich mir im Netz bei youtube einige Arbeitssequenzen angesehen und wollte das unbedingt mal ausprobieren.
Schließlich ist neuer input und Abwechslung für Mensch und Pferd immer wieder schön und ich freue mich, wenn ich Arbeitsmaterial habe, mit dem ich einfach und schnell eine etwas andere Reiteinheit vorbereiten kann. Gerade Stangenarbeit kommt bei unseren Islandpferden immer etwas zu kurz. Man will eigentlich eher selten springen und Stangen auf die Erde zu legen scheint zu wenig Effekt für die ganze Schlepperei zu sein.

In meinem Telefonat mit dem Erfinder Martin Wingenfeld kam seine Begeisterung durch und er war kaum zu bremsen. Er erzählte mir von seinen Erfahrungen als Reitlehrer auf seiner Wingwalker-Farm und wie häufig er die Stangenarbeit einsetzt. Von den vielen Erfolgen und dass er gerade mit Gangpferden sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Er hat es auch sehr bedauert, dass nicht viel mehr Stangenarbeit mit unseren Pferden gemacht wird.

Denn es bringt sehr viel. Die Pferde müssen die Hanken mehr beugen, lernen die Hinterhand besser auf zu nehmen und nutzen ihren Rücken dadurch mehr. Stangenarbeit an der Hand, im Freilauf oder unter dem Sattel sind eine gute Methode unsere Pferde rittiger zu machen und Hanken- und Rückenmuskulatur zu verbessern. Im Freilauf ist natürlich weniger Einfluss möglich, aber es trainiert die Pferde sehr. Das ist wie beim Menschen: gute Bauchmuskulatur gibt einen guten Rücken. Hat das Pferd eine gute Hinterhand, ist es stärker und trägt sich - und uns - besser, stolpert nicht und latscht nicht über die Vorhand. Auch um den Schritt zu verbessern - eine unserer schwierigsten Aufgaben - ist diese Art der Arbeit besonders effektiv.

Mit den WingX Stangenaufsätzen zu arbeiten, finde ich sehr angenehm. Ich muss (und will) keine höheren Hindernisse überspringen oder die Stangen lose auf die Auflage legen. Allein dies ist bisher für mich immer ein Grund gewesen, es nicht zu machen. Das Pferd touchiert, die Stange kullert runter, ich muss meine Arbeit unterbrechen, absitzen und alles wieder ordnen bevor ich planmäßig weiterreiten kann. Mit den WingX passiert das nicht. Die Stangen werden eingeklickt. Sie scheinen sehr fest zu liegen, lösen sich aber bei zu starker Berührung problemlos, so dass man keine Angst haben muss, dass sich das Pferd verletzt. Mit Cavaletti oder den üblichen Stangenaufsätzen habe ich weniger bis keine Möglichkeiten, die Höhe individuell zu verändern oder Trableitern aufzubauen. Mit den WingX können wir die Stangen nur wenige Zentimeter erhöhen, wir können Schiefen einbauen, aber auch per Baukastensystem höhere Sprünge aufbauen.

Die WingX werden in einem Korb, mit Bedienungsanleitung, einer DVD und einem Flyer angeliefert. Der Korb ist übrigens ein zusätzliches gadget. Er ist am Boden und den Seiten gelöchert. Sind die WingX sandig, weil man in der Halle oder auf dem Platz gearbeitet hat, dann einfach in den Korb, Wasserstrahl drüber und alles ist wieder sauber. Die WingX Stangenaufsätze sind superleicht und das Anbringen ist total simpel. Sie verrutschen nicht und liegen sicher auf. Auch Kinder oder Jugendliche können sie problemlos anbringen.

Nach Anlieferung sollte man sich zunächst die Bedienungsanleitung durchlesen. Oder man sieht sich die DVD an, auch dort wird ausführlich gezeigt, wie die Arbeit aussehen kann. Dort sind schon einige Figuren und dazu passende Reitfiguren abgebildet und die Anzahl der dafür benötigten WingX und Stangen. Zu Beginn habe ich immer noch das mitgelieferte Prospekt in die Hand genommen und mich für eine der angebotenen Formen entschieden. Ich lege die Stangen nach meiner ausgewählten Vorlage hin und klippe die WingX entsprechend dem Plan an.

Wichtig ist zu Beginn der Arbeit natürlich, dass man das Pferd in Ruhe an diese Arbeit heranführt. Die Stangen sind nicht unbedingt gleich hoch. Meist liegen sie auf einer Seite höher als auf der anderen, je nachdem für welche Stangenfigur man sich entschieden hat. Man kann aber auch die Stangen parallel erhöhen, ganz wie man möchte. Besonders gut finde die sogenannten Longierleitern. Ich habe eine Stute, die ihre Beine immer nur so hoch nimmt, wie es unbedingt sein muss. Dadurch tickt sie häufiger an und stürzt teilweise sogar. Stangen, die nur auf dem Boden liegen, kullern dann auch gerne mal und schon gibt es Stangensalat und sie ist gefährdet. Bei den WingX hat sie gelernt, dass ihr auch nach dem touchieren nichts passiert, die Stange kullert nicht unter ihre Füße. Sie hat eine aktivere Hinterhand bekommen und ich kann sie besser arbeiten.

Ich habe Longierarbeit mit beiden Pferden gemacht und bin geritten. Ich finde es super angenehm, dass mir die Vorlagen mitgeliefert werden. Die waren zu Beginn eine große Hilfe. Mittlerweile mache ich meine eigenen Figuren. Beide Pferde mögen die Arbeit sehr, egal ob beim Longieren oder beim Reiten. Sie sind konzentriert und arbeiten gut mit. Und für mich ist es auch angenehmer "mit einem Plan" zu reiten, als 30 oder 40 oder sonst wie viele Minuten auf der Ovalbahn oder dem Hufschlag zu reiten. Manchmal verbinde ich diese Stangenarbeit mit dem Intervalltraining. Es macht total Spaß . Die verlegten Stangen laden zu immer wieder neuen Figuren ein, man konzentriert sich selbst auch mehr und das Ergebnis spricht für sich. Beide Pferde haben sich deutlich in der Hinterhand verbessert.

Ich bin mit meinem Pferden Einstellerin auf einem größeren Hof und es gefällt mir besonders gut, dass bei jedem Einsatz ein oder mehrere Einsteller dazugekommen sind, die es auch mal ausprobieren wollen. Auch sie sind ganz angetan, mal wieder etwas anderes machen zu können. Gerade jetzt, wo der Winter vor der Tür und mit ihm meist mehr Hallen- und Platzarbeit gemacht werden, sind die WingX eine tolle Ergänzung. Ich kann sie nur empfehlen.

Ausführliche Infos und Filme von den WingX Stangenaufsätzen gibt es hier zu sehen: www.wingwalkerfarm.com oder www.wing x.click

Text Jutta Plötz / Bilder© Jutta Plötz