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von © Annette Wichert, Wichert GmbH-Kräuterwiese

27 Jahre: leben mit Sommerekzem

Es ist inzwischen mehr als 25 Jahre her, dass uns die Frage nach den Ursachen des Sommerekzems beschäftigt. 1982 kauften (!) wir absichtlich einen Ekzemer und erhielten im Oktober einen, der wirklich schlimm dran war. So schlimm, dass er, als er zu uns kam, praktisch nicht reitbar war. Mähnenkamm, Schweifrübe, Bauchnaht so gut wie haarlos. Seine Vorbesitzer hatten alles versucht, um ihm zu helfen, aber es hatte nicht viel genützt. Allerdings hatte er Weidegang rund um die Uhr gehabt. Dies Pferd ist noch 21 Jahre bei uns gewesen, bis es im Alter von 38 Jahren eingeschläfert werden musste. Es ist Ekzemer geblieben und hat sich bis zum Alter von 35 auch gescheuert, zwar jedes Jahr etwas weniger, aber doch so, dass ein Kenner die typischen Anzeichen sehen konnte. Reitbar war er allerdings schon im ersten Sommer bei uns und von da an immer.

Von der Überlegung ausgehend, dass ein Pferd auf Island sehr viel magerere Kost, dafür aber mit sehr vielen unterschiedlichen Pflanzen findet, haben wir versucht, diese Ernährung hier nach zu ahmen. Weidegang nur stundenweise, aber viele Kräuter extra. So entstand das Kräuterfutter ISMO-EK, das wir dann von vielen Ekzempferden testen ließen. Die Rückmeldungen waren interessant. Es gab Ausfälle, d.h. überhaupt keine Änderung der Symptome, aber die meisten Tester, meldeten geringe bis gute Wirkung und einige sogar völlige Symptom-Freiheit. Eine für uns überraschende Nebenmeldung kam von mehreren Testern, die Stuten im Test hatten, nämlich, dass deren Rosse sich verbesserte, die Stuten leichter aufnahmen….

Im Laufe der Jahre hatten wir noch mehrere Ekzemer selbst im Stall, die uns alle durch ihr Verhalten zeigten, dass sie einen Schutz vor Mücken suchten. (Der Ekzemer entfernt sich von der Herde und sucht ganz allein den dunklen Unterstand auf.) Sie zeigten uns aber auch, dass aller Mückenschutz nichts bringt, wenn der Ekzemer rund um die Uhr auf die Weide darf. Wir haben mehrere Sommer lang Stundentafeln geführt, was zu der Erkenntnis führte, dass die Toleranz durchaus unterschiedlich war, ein Pferd vertrug 4 Stunden Weide, das andere nur 2 auf derselben Weide, wobei auch das Freßverhalten sicher eine Rolle spielte. Meistens war auf unseren Weiden dreistündiger Weidegang (mit Insekten-Abwehr-Spray) möglich ohne dass es bei den Ekzemern zu offenen Stellen kam. (Im Spätsommer eine halbe Stunde weniger.)

Wir haben dann versucht, über Knoblauch und Vitamin B im Futter die „Mückenabwehr von innen“ zu aktivieren. Daraus entstand das Futter ISMO-SUPER-B. Diese Abwehr funktioniert gegen Mücken bei sehr vielen Pferden, und, vor allem, wenn die Pferde richtig schwitzen, auch gegen Bremsen. Aber leider frisst nicht jedes Pferd Knoblauch. Wir haben nebenher fast alles an Lotionen und Repellentien ausprobiert. Erfolge waren immer zu vermelden, aber nie für alle Pferde gleichmäßig. Unser Fazit daraus: Es scheint bisher kein Mittel zu geben, das jedem Ekzemer hilft. Aber eine kontrollierte Fütterung ist immer ganz wichtig. Und das gilt für alle genügsamen Rassen, die ja auch alle das Problem des Sommerekzems kennen. -

Die (zeitweise genau dokumentierte) Beobachtung über viele Jahre, kombiniert mit zahllosen Gesprächen mit geplagten Besitzern haben uns zu der Überzeugung gebracht, dass bei den typischen „Sommerekzemern“ zunächst der Stoffwechsel entgleist auf Grund von „Luxuskonsum“, (das muß nicht unbedingt Gras sein, auch zu viel Hafer kann eine Entgleisung des Stoffwechsels auslösen,) und dann die bekannte Mücke zum Einsatz kommt. Also ist es ratsam, 1.) den Stoffwechsel zu unterstützen und 2.) Insekten ab zu wehren. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass „ einmal Ekzemer – immer Ekzemer“ ist. Man kann mit Glück,- oder anders ausgedrückt, wenn man die Methode findet, die dem einzelnen Pferd hilft, - Symptomfreiheit erzielen, aber, wenn die entsprechende Maßnahme abgebrochen wird, ist auch das Sommerekzem wieder da.

Die zusätzliche Zuwendung, die ein Ekzempferd benötigt, kostet Zeit; trotzdem haben wir viele Besitzer gesprochen, die ihr Ekzempferd nie abgegeben hätten, sich allerdings auch nicht wieder bewusst einen Ekzemer gekauft hätten.

Schließlich möchte ich nicht versäumen, darauf hin zu weisen, dass nicht jedes Pferd, das sich scheuert „Sommerekzemer“ sein muß. Und selbst ein typischer Ekzemer kann sich noch aus anderen Gründen, z. B. Endoparasiten, scheuern. - Auch das durften wir im Laufe der Jahre erfahren

Wichert GmbH-Kräuterwiese