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witzige Kolumne

von Karen Diehn in mehreren Teilen - Teil 5

Kunstfertig und ausgebucht

Bei Künstlern ticken die Uhren ja bekanntlich anders… Ich hatte nur bislang Schmiede nicht für Kunsttätige sondern für Handwerker gehalten, wurde aber neulich eines Besseren belehrt. Nachdem ich fast zwei Monate gewartete hatte, um überhaupt in dem übervollen Terminkalender eines ausgebuchten Schmiedes Aufnahme zu finden, sollten nun die Hufe meiner Pferde auf handwerklich hervorragende Weide verschönt werden.
Ich begab mich sehr pünktlich zum Stall und richtete den Anbindeplatz her, fegte und putzte die Hufe und Beine des Pferdes. Leider war nach fast zwei Stunden Wartzeit kein Schmied am Horizont zu sehen. Ich rief ihn also an, um in aller Bescheidenheit zu erfragen, ob er denn überhaupt noch käme. Er sei aufgehalten worden, meinte er schroff und käme „später“. Gut Ding will Weile haben, dachte ich, und immerhin scheint der Mann sich ja für seine Kunden Zeit zu nehmen.
Eine weitere Stunde verging. Natürlich konnte ich nicht den Hof verlassen, denn schließlich hätte der Kunstschmied ja jederzeit erscheinen können. Die zweite Stunde Wartezeit war schon zäher. Meine Pferde standen längst wieder auf der Weide, mit dreckigen Hufen, ich hatte inzwischen den Paddock und die Boxen gemistet und 200 Ballen Altheu neu gestapelt. Was soll man auch sonst tun, bei knapp 6° Außentemperatur und Nieselregen?!
Dann rollte der Meister auf den Hof. Und mit ihm zwei Assistenten, die „Aufhalter“. Ich zerrte meine Pferde wieder von der Weide, fragte noch höflich, ob ich vielleicht das Pferd mal vortraben solle… Da nahm mir der eine Assistent schon den Strick aus der Hand, während der andere nach dem Vorderhuf griff und meinte, ob ich nicht das zweite Pferd auch schon mal hinstellen könnte. Das kunstfertige Ausschneiden der acht Pferdehufe dauerte auf diese Weise gerade mal 15 Minuten.
Als ich dem Schmiede-Chef, der immerhin das Hufmesser und die Zange selber bedient hatte, dann die vereinbarte Summe Bargeld überreichte, murmelte er noch etwas von „Bisschen Kaffe und Kuchen wäre mal nett gewesen…“. Auf eine Bewirtung war ich allerdings nicht eingerichtet gewesen. Ich konnte immerhin noch ein trockenes Brötchen und abgestandene Apfelschorle anbieten, was aber dankend abgelehnt wurde. Auf meine Frage nach einem neuen Termin meinte der mürrische Meister: „Da muss ich erstmal gucken, ich melde mich dann…“lud seine Assistenten, Zangen und Hufmesser ein und rollte vom Hof. Spätestens da merkte ich, dass mein Umgang mit Künstlern wohl noch des Feinschliffes bedarf. Nun warte ich darauf, dass ich einen neuen Termin zum Warten bekomme. Künstlerpech halt!