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witzige Kolumne

von Karen Diehn in mehreren Teilen - Teil 7

Konsumstress

Das ganze Jahr über freue ich mich immer auf die alljährliche „Pferd und Hund“-Messe. Nein, Moment, so heißt sie nicht. „Pferd und Katze“ ist auch nicht richtig. „Equituna“? Egal, Namen von Messen sind eh Schall und Rauch, es geht schließlich darum, in einer Masse von einkaufshungrigen, informationswütigen Menschen echte Schnäppchen zu machen. Egal wo und egal wie.
Als erfahrener Messebesucher habe ich natürlich eine ganz strenge Einkaufsliste und -um dem Konsumrausch von Vornherein einen Riegel vorzuschieben- packe ich nur einige wenige Geldscheine in mein Portemonnaie. Ich kenne mich schließlich… Und eigentlich brauchte ich dieses Jahr auch wirklich nichts. Höchstens einige Prospekte und Kataloge fürs Heimstudium wollte ich mitnehmen. Meine Freundin folgte mir mit ähnlich guten Vorsätzen. Durch vorherige Konsumzwangs-Niederlagen war sie schließlich zum „Ebay“-Platin-Powerseller geworden.
Nach zwei Stunden fanden wir uns richtig gut. Wir hatten noch etwas von dem mitgenommen Geld übrig behalten, hatten einige Pseudo-Schnäppchen locker links liegenlassen und nur das gekauft, was wirklich unentbehrlich war.
„Aber ein Halfter kann man ja immer gebrauchen“, meinte meine Freundin und wählte -passend zur neuen Schabracke und dem Glitzer-Stirnband- ein pinkes Halfter, welches im fahlen Messelicht ganz wundervoll aussah. Kurz danach schauten wir bei „Josef aus Holland“ vorbei. Zwischen 250 Leuten schlängelte ich mich durch den Stand, dessen Gänge höchstens 30cm breit waren. Mit Mühe konnte ich in zwei Meter Höhe die lange gesuchte Longierpeitsche mit dem drei Meter langen Schlag greifen und trug sie zur Kasse. Ein wenig sperrig war mein Neuerwerb schon, aber ich verstaute ihn einfach in der Tüte mit der Thermodecke und den Leuchtgamaschen, die ich ohnehin schon mehrfach anderen Messebesuchern (natürlich unfreiwillig!) in Kreuz gehauen hatte.
Am Stand von „Luxa“ und „St. Hyazinth“ konnten wir als Vorkoster aus 20 Sorten Pferdefutter auswählen. Ich erwog kurz, ob ich unterm Arm noch Platz hatte für einen Sack „Light Energy High Power“ oder einen Eimer „Four Gaited Surprise“-Mineral, musste aber einsehen, dass mein Soll mit den nunmehr schon sieben Tüten, dem Mistboy und der Longierpeitsche, die ich zwischen den Zähnen balancierte, ziemlich ausgereizt war. Meine Freundin hatte noch die kreative Idee, dass wir bei „Kleinenwinkelmann“ eine 600 Liter Kippkarre für 399 Euro kaufen könnten, um unsere „Beute“ nach Hause zu kriegen. Damit hätten wir unser akutes Trageproblem zwar beheben können, aber wer braucht schon eine so kleine Karre? Wir hatten uns schließlich vorgenommen, nur wirklich sinnvolle Dinge zu kaufen. Dinge, die man sonst nirgendwo günstiger kaufen kann als auf einer Messe.
Um fünf Minuten vor Messeschluss war ich meiner Freundin noch dabei behilflich, ihren Körper in eine hüftige Schlaghose der Firma „Mondreiter“ zu quetschen, die es mit Schlangenmuster zum Schnäppchenpreis von 350 Euro gab. Und wozu hatten wir schließlich unsere Kreditkarten eingepackt…???