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Isländer und Klassik ?

von Anna Fiedler

Wie man es auch dreht und wendet, auffallen tue ich immer. Entweder wegen der „falschen“ Reitweise auf einem Islandpferd oder aber wegen der richtigen Reitweise auf der falschen Pferderasse. Aber was ist eigentlich so falsch daran, einen Isländer klassisch zu reiten? Naja meiner Meinung nach Nichts. Und warum ich so ein starker Befürworter der klassischen Reitweise eben auch für Isländer bin, möchte ich gerne anhand meiner und Jarpurs Geschichte erklären.

Bilder: Anna und Japur

 

Begonnen habe ich das Reiten auf dem damals als Wanderreitstation Schwarzpappel bekannten Hof mit 5 Jahren. Zuvoriges auf Mamis Haflinger sitzen jetzt mal ausgeschlossen. Dort bekam ich dann auch mein erstes Pflegepferd Glanni, mit dem ich sämtliche Basics zum Thema Erziehung, Tölt, Dressur, Trail und was man als Freizeitreiter eben sonst noch so braucht, lernte. Als ich dann 11 wurde, wurde Glanni 20 und war wegen seiner Arthrose in seiner Leistungsfähigkeit immer mehr eingeschränkt. Meine Reitlehrerin war der Meinung, dass langsam Ersatz her muss, damit unser alter Herr endlich in Rente gehen und sein Gnadenbrot genießen kann (Das tut er mit seinen inzwischen 27 Jahren im Übrigen immer noch). Und wie das Schicksal manchmal so spielt, verkaufte eine alte Freundin aus Zeitmangel ihren 9 jährigen Islandwallach Jarpur.


Egal mit welcher Arbeit, er ist und bleibt ein Isi und Schnee ist sein Element. Und das ist auch gut so.


Ich fand das Pony schon immer toll und war absolut begeistert. Zu dem damaligen Zeitpunkt war Jarpur herzlich wenig bis gar nicht ausgebildet und im Gelände eine blanke Katastrophe. Sein Lebensmotto lautete „lieber tot als Zweiter“… Aber ich liebte diesen Gaul, und mit viel Training und Mamas Hilfe wurde doch irgendwann ein anständiges Kerlchen aus ihm.
Doch irgendwann kamen wir an einen Punkt, an dem wir nicht weiterkamen. Der Tölt war nicht schlecht, aber als gut konnte man ihn auch nicht bezeichnen, Rechtsgalopp kannte Japur noch nie, Trab auf engeren Biegungen gab es nicht, Seitengänge waren nur sehr steif machbar, und an Versammlung war nicht zu denken.
Ich holte mir damals Hilfe von einem FN-Trainer. Doch durch vorwärts-abwärts Reiten wurde der Tölt noch schlechter und außer etwas mehr Biegsamkeit hatten wir auch keine Erfolge. Auf diese Art und Weise auch nur einen Hauch von Versammlung zu erreichen, schien mir unmöglich.
Okay, man muss zugeben, dass die anatomischen Voraussetzungen meines Kleinen denkbar schlecht sind. Er ist im Allgemeinen ein eher festerer Isländer, der Hals ist relativ tief angesetzt, und zu allem Überfluss ist er auch noch etwas überbaut. Von der riesigen Koliknarbe am Bauch, die dauernd ziept, ganz zu schweigen. Dennoch wollte ich mich mit den ganzen Problemen einfach nicht zufrieden geben.
Irgendwann ist meine Mutter dann bei der Suche nach einem Geschenk für Martina, einer guten Freundin, auf einen Kurs von Manuel Jorge de Oliveira in der Nähe von München gestoßen.
Da wir schon genug Absagen von größeren Reitmeistern bekommen haben, weil wir ja „nur Ponys mit Anfängerproblemen“ haben, haben wir uns erstmal nur 3 Zuschauertickets gegönnt.

Wir waren absolut begeistert, allerdings auch etwas skeptisch, da auch hier nur Spanier, Lusitanos und sehr hoch ausgebildete Großpferde anzutreffen waren. Bei dem gemeinsamen Abendessen (eine absolut großartige Idee übrigens) habe ich mir dann den Platz gegenüber von Manuel erkämpft und ihn gefragt, was er davon halten würde, wenn wir mit unseren Islandpferden hier auftauchen würden. Seine Antwort war ein einfaches Lächeln und „Why not? Ponys also need good work!“. Ich wandte mich dann an Frau Isabella Sonntag, die Organisatorin der Kurse und Chefin des Verlages Wuwei, um zwei aktive Plätze bei dem nächsten Kurs für mich und Martina zu reservieren. Anfangs etwas skeptisch, ob wir mit unseren Isis für den Kurs geeignet wären, gab sie sich letztenendes geschlagen und eröffnete uns die Chance teilzunehmen. Dafür bin ich ihr bis heute dankbar. Außerdem fand auch sie die Idee gut, zu zeigen, dass eine solche Arbeit nicht nur für Spanier und Lusitanos geeignet sei.

Damit war mein und Jarpurs Schicksal besiegelt. Los ging es im Oktober 2012.
Ich muss zugeben, ich war vor unserer ersten Stunde katastrophal nervös. Aber wer wäre das nicht, wenn er zwischen lauter wunderschönen Lusitanohengsten mit einem kleinen Isi steht, der weder von Piaffe, noch von Passage, ja noch nicht einmal von Rechtsgalopp je etwas gehört hat….Aber egal. Manuel ließ sich voll und ganz auf uns ein und holte uns genau da ab, wo wir standen. Ich war so in die Arbeit vertieft, dass ich noch nicht einmal die Zuschauer wahrnahm. Er zeigte uns wichtige Bodenarbeit und half uns bei unseren Hauptproblemen weiter.

Bilder: Unser erster Kurs mit Manuel Jorge de Oliveira


Durch die langsamen Dehnübungen vor dem Reiten werden Verspannungen gefunden und gelöst. Das gleichmäßige Arbeiten beider Seiten ist sehr wichtig.
Außerdem ist die farbliche Abstimung von Pony und Reiter gut fürs Ego ;-)

Das Ende vom Lied war, dass alle Zuschauer den kleinen Isi total toll fanden und bei jedem Rechtsgaloppversuch laut mitfieberten. Und tatsächlich, nach den 3 Einheiten war der Rechtsgalopp zwar noch nicht perfekt, aber immerhin schon vorhanden. Ich ging also stolz wie Oskar auf meinen Kleinen und hoch motiviert aus der Halle.
Daraufhin trainierte ich zu Hause jede freie Minute, die ich hatte.


Seitengänge spielen eine große Rolle und auch die Arbeit in höheren Gangarten wird nicht vernachlässigt.

Das zeigte sich dann auch deutlich bei unserem nächsten Kurs im Mai 2013. Hier touchierte Manuel Jarpur zum ersten Mal an, und das Ergebnis waren erste Piaffetritte. Absolut unglaublich, und das bei unserem zweiten Kurs! Ich war natürlich noch viel stolzer auf meinen kleinen Überflieger und selbst noch ehrgeiziger. Wir trainierten und trainierten, hatten im Juli nochmal 2 Einheiten mit Manuel und im Oktober auch 3. Der Kleine wurde besser und besser und auch ich lernte immer mehr.


Mit viel Ausdauer und noch mehr Freude an der Sache werden auch Piaffe und Levade erarbeitet.

Zu der massiven Verbesserung in der Dressur kamen aber zwei erstaunliche Nebeneffekte hinzu. Zum Einen die charakterliche Änderung und zum Anderen die Verbesserung im Tölt.
Jarpur wurde viel lebenslustiger und unternehmensfreudiger. Wenn ich zum Stall kam, stand er bereits am Tor, oder er trabte mit mir zur Halle vor lauter Übermut und Begeisterung.  
Und der Tölt wurde einfach nur gigantisch viel besser. Jarpur wurde immer leichter in der Hand, die Passverschiebung verschwand gänzlich, und Aktion kam immer mehr. Je mehr Kraft er in der Hinterhand bekam, umso gesetzter wurde auch der Tölt. Inzwischen sind sogar Phasen des Renntölts möglich. Früher kam da nur Schweinepass…
Es ist fast unglaublich, wie schnell der Kleine lernt. Selbst nach einer 3 – monatigen Pause mit fast nur Ausritten – ich war 3 Monate in Namibia – sind sämtliche Bewegungsabläufe noch vorhanden, und auch jetzt geht der Muskelaufbau rasant schnell. Er ist jetzt nach einem knappen Monat wieder fast auf dem Stand, den er vor der Pause hatte. Und das, obwohl auch er schon 17 Jahre alt ist. Für einen Isländer kein Alter, aber dennoch kein junger Hüpfer mehr.


Kleiner Isländer ganz groß - Isländer und Klassik? Eindeutig ja!

Wenn ihr euch von der Arbeit selbst überzeugen wollt, schaut doch bei der Soireé Classique Pure am 12.07.2014 in Karlsruhe vorbei. Die vielen Lusitanos haben dort nämlich isländische Unterstützung bekommen.
Hier findet ihr weitere Infos zu dieser Veranstaltung.

Oder ihr seht euch wie ich damals einen der vielen Kurse von Manuel Jorge de Oliveira an. Einen Besuch ist das auf alle Fälle wert.

Ich verspreche euch, dass ihr es nicht bereuen werdet, in die klassische Kunst des Reitens einmal reinzuschnuppern.

Ihr könnnt mir bei Interesse oder Fragen auch gern eine mail schreiben: anna_fiedler95@yahoo.de
Oder ihr besucht mich auf Facebook

Liebe Grüße
Anna & Jarpur


Okay....ich gebe es zu, das ist jetz Angeberei...Aber ist er nicht süüüüß?? ;)