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Tonys Interviewecke

 

 

Die Pferde im Zirkus Krone

Interview mit Jana Mandana Lacey-Krone

von Veronika Raithel

Ein strahlend schöner Frühlingsmorgen in München: wir (meine Sekretärin und ich, der Ponyreporter) sind Mitten in der Stadt, überall Autos, Straßenbahnen, Menschen, die eilig irgendwo hin laufen. Wir gehen durch eine Tür in ein großes Gebäude. Hier riecht es nach allen möglichen Tieren. Es ist ruhig. Plötzlich kommt eine sehr nett wirkende junge Frau auf uns zu und führt uns durch einen großen, schweren Vorhang. Das ist also die Juniorchefin vom größten Zirkus Europas und vielen, vielen Tieren. Ich sehe einen nicht besonders großen Kreis mit einer sehr kleinen Umrandung. Mir wird erklärt, dass das die Manege ist. Die hätte ich mir aber viel größer vorgestellt. Sechs schwarze ungarische Nonius-Hengste drehen dort bereits frei ihre Runden. In der Mitte steht ruhig und konzentriert ein Mann. Alle Pferde reagieren auf ihn, ohne dass er direkt auf sie einwirken kann. Ich schaue eine Weile zu. Hier müssen Menschen arbeiten, die sehr viel vom Charakter und Wesen der Pferde verstehen und jedes einzelne beurteilen und nach seinem eigenen Wesen behandeln. Sonst kann sowas nicht klappen.

Tony:
Pferde gehören ja untrennbar zum Circus Krone. Aber ist denn schon einmal ein Islandpferd im Circus Krone aufgetreten?

Jana:
Leider nein. Es gab aber schon einmal Norweger und Haflinger. Momentan treten hauptsächlich Araber, Nonius-Pferde, Portugiesen und Lipizzaner auf.

Tony:
Die meisten Pferde treten hier in der Gruppe und ganz frei auf. Ist denn die Freiheitsdressur für alle Pferderassen geeignet?

Jana:
Ja! Jede Rasse und jedes Pferd haben unterschiedliche Charaktere. Aber grundsätzlich ist Kopfarbeit für jedes Pferd eine gute Beschäftigung. Bei uns ist es allerdings wichtig, dass die Pferde nicht zu großrahmig gebaut sind, denn die Manege ist ja vom Platz her nicht sehr groß.

Tony:
Wie wird man denn Zirkus-Pferd? Ab welchem Alter beginnt die Lehre?

Jana:
Unsere Pferde kommen mit drei Jahren zu uns. Sie lernen dann zunächst alle das ABC: sie müssen auf ihren Namen hören und die Grundkommandos wie Stehen, Gehen, Rückwärts usw. Alle werden auch ganz langsam an die Trense und die Gurte gewöhnt. Erst wenn das alles richtig gut funktioniert, werden kleine Gruppen von zwei oder drei Pferden zusammengeführt, bis dann am Schluss alle sechs oder zwölf Pferde zusammen in der Manege arbeiten und auftreten.

Tony:
Und wie lange dauert das Arbeitsleben? Gibt’s am Ende auch Rente?

Jana:
Während des Arbeitslebens gibt es so viel Urlaub wie möglich. Wir haben Weideflächen außerhalb von München, die unsere Pferde, wenn wir in der Stadt sind, so oft es geht nutzen können. Eine richtige Rente gibt es aber nicht. Die Pferde werden je nach Gesundheitszustand so lange wie möglich auftreten und wenn das nicht mehr geht, zumindest bei den Proben ein wenig gearbeitet. Das ist wichtig, denn nur die regelmäßige Bewegung hält auch im Alter gesund und verhindert einen zu großen Muskelabbau.

Tony:
Zirkus-Pferde sind Reisepferde. Aber viele von uns und auch unsere Menschen haben Angst vor Reisen, weil das mit dem Verladen oft ein Problem ist. Wie läuft das denn im Zirkus?

Jana:
Das stimmt, unsere Pferde müssen reisen. Ein Pferd, das sich überhaupt nicht verladen lassen will, kann leider keine Karriere im Zirkus machen. Wir gewöhnen die Pferde langsam an das Verladen. Sie werden zunächst nur in den Transporter geführt und bekommen dort ein wenig Kraftfutter, um ihnen das Verladen schmackhaft zu machen. Damit das Reisen einen positiven Eindruck hinterlässt, ist, wenn möglich das erste oder eines der ersten Reiseziele die Weide. In der Regel hilft es auch, wenn die jungen Pferde sehen, wie souverän und ohne Angst die Älteren sich verladen lassen.

Tony:
Oft hört man Stimmen, die gegen eine Tierhaltung im Zirkus sind und das als Quälerei für die Tiere abstempeln. Hier sehen alle Pferde aber gut ernährt, ausgeglichen und in Form aus. Das hängt auch mit der intensiven Beschäftigung, die jedes Pferd am Tag bekommt zusammen?

Jana:
Der Circus Krone investiert sehr viel Geld für die Tierhaltung. Wir haben auch in der Vergangenheit bereits wissenschaftliche Studien über die Stressbelastung der Pferde machen lassen. Die Pferde haben keinerlei erhöhte Cortisol-Werte gezeigt. Sie erreichen oft in gutem Gesundheitszustand ein hohes Alter, weil sie entsprechend gefordert und gefördert werden. Zudem bekommen alle eine tägliche Rundum-Betreuung, viel mehr, als manches Freizeitpferd.
Auf Reisen erwartet die Pferde sofort nach der Ankunft ein frischer Stall. Sie müssen nicht mehr wie früher darauf warten, dass der Stall erst aufgebaut wird. Auch das reduziert den Stress.

Tony:
Am Schluss noch ein paar Tipps für alle, die von einer Karriere beim Zirkus träumen.

Jana:
Wichtig ist es, dass die Menschen erst mal beobachten, was Euch so Spaß macht, wenn Ihr ohne Zwang auf der Koppel seid und welchen Charakter Ihr habt. Manche sind neugierig und mutig und manche zögerlich. Manche haben Spaß am Steigen, andere verlieren schneller das Gleichgewicht. Aus dem Spielen mit den Menschen lassen sich dann viele Tricks entwickeln, wie Drehen, Tanzen usw. Dazu müssen konstante Kommandos eingeführt werden, denn sonst gibt es Missverständnisse. Und auch mal ein bisschen Spazierengehen und gemeinsam die Seele baumeln lassen, ist gut für die Beziehung Mensch-Pferd.

Tony:
Vielen Dank für das Interview! Mal sehen, ob die Isländer nicht auch den Circus Krone erobern können….

Interview: Veronika Raithel