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Islandpferde: halten, pflegen, reiten

von Jutta Plötz

 

Buchbeschreibung:

Inhalt:


Islandpferde begeistern nicht nur durch ihr angenehmes Wesen, sondern auch durch ihre Veranlagung zum Tölt und Pass. Wer einmal erlebt hat, in welch rasantem Tempo diese liebenswerten Pferde ihre Reiter erschütterungsfrei tragen, wie kooperativ und mutig sie dabei sind, erliegt ihrer Faszination. Dieses Buch erzählt viel Wissenswertes und Interessantes über die wechselvolle Geschichte der Rasse, über ihre Besonderheiten, Pflege und Haltung. Auch die Grundlagen und Besonderheiten des Reitens von Islandpferden werden erläutert, damit der Ein- oder Umstieg mit viel Freude gelingt.

 

Über die Autorin:
Jutta Plötz ist passionierte Islandpferdereiterin und für das Freizeitressort des IPZV Münsterland e.V. (Islandpferde-Reiter- und Züchterverband e.V) zuständig.

 

Rezension von Sebastian Löw:

Dieses aussergewöhnlich liebevoll gestaltete und mit vielen tollen Aufnahmen wunderschön illustrierte Buch 'Islandpferde - halten, pflegen, reiten' von Jutta Plötz ist nicht nur eine leidenschaftliche Liebeserklärung an diese faszinierende Pferderasse, sie gibt gleichermaßen für den interessierten Einsteiger genauso wie auch für Reiter anderer Pferderassen einen guten und klar strukturierten Einblick in die Besonderheiten und Anforderungen für die Haltung und Pflege von Islandpferden.

Mit jedem Kapitel schwappt die spürbare Begeisterung, die man der Autorin glaubhaft abnimmt, auf den Leser über und es wächst das Interesse und die Vorfreude auf eigene Erfahrungen mit der 4. und 5. Gangart dieser Pferde. So ist auch die Warnung der Autorin gleich in der Einführung durchaus Ernst zu nehmen: "Wenn Sie hier weiterlesen und dann ihre erste Reitstunde hinter sich haben, ist es zu spät. Sie werden spätestens in ein paar Jahren ihr eigenes Islandpferd besitzen!"

Insgesamt ein lesenwertes, kurzweiliges und wirklich begeisterndes Buch über eine eindrucksvolle Pferderasse und alternative Reitweise.

 

Interview mit Jutta Plötz

Fleygur: "Jutta, man merkt beim lesen sehr deutlich, dass es nicht nur ein Sachbuch mit Informationen rund ums Islandpferd ist, sondern dass ganz viel „Jutta Plötz“ in diesem Buch steckt. Du bist weder professionelle Reiterin noch Autorin, was hat dich denn bewogen dieses Buch zu schreiben?"

Jutta: " Das ist besonders spannend. Ich erhielt einen Anruf aus Stuttgart vom Verlag Müller-Rüschlikon. Man hätte von mir gehört. Ich würde begeisternde Führungen zum Islandpferd machen. Jetzt wollte man wissen, ob ich mir vorstellen könne, ein Buch dazu zu schreiben. Ich war total verblüfft und habe dann – wie sich im Nachhinein herausstellte etwas leichtfertig gesagt, klar kann ich das. Mache ich gerne."

Fleygur: " Seit wann reitest du denn und hast du auch ein eigenes Pferd?"

Jutta: " Seit 2001 habe ich mit kurzer Unterbrechung ein eigenes Pferd. Ich reite jetzt seit fast 15 Jahren, nachdem ich es als junges Mädchen und junge Frau immer mal wieder, mit mehr oder weniger spektakulären Ereignissen auf Großpferden versucht habe. Ich habe immer gesagt, dass waren Erfahrungen, die keiner braucht. Heute würde ich sage, dadurch schätze ich unsere Isis noch mehr. Sie geben mir das, was ich beim reiten immer gesucht habe. Freiheit, Lust und Freude und den Kontakt mit vielen netten Menschen. Die Szene ist noch relativ jung, da kann es auch heute noch passieren, dass man im selben Kurs wie erfolgreiche Sportreiter reitet oder von einer Weltmeisterin unterrichtet wird."

Fleygur: " Du bist ja ehrenamtlich im IPZV Münsterland seit Jahren aktiv – woher nimmst du denn die Zeit neben Vollzeitjob, Ehrenamt und eigenem Pferd auch noch zu schreiben?"

Jutta: " Das weiß ich wirklich selbst nicht! Aber es hat ja wohl geklappt. Aber langfristig ist das sicher keine Möglichkeit. Ein Bereich wird immer ein wenig leiden."

Fleygur: " Was hat dir denn bei der Arbeit am Buch den meisten Spaß gemacht?"

Jutta: " Mir vorzustellen, wie das jemand liest und an die Isis kommt und genau den gleichen Spaß erlebt wie ich. Das hat mich immer wieder motiviert. Die Erinnerungen an meine Anfänge – und heutigen Unsicherheiten – haben mich beim Schreiben immer wieder zum träumen und zum lachen gebracht. Auch das Wissen, dass vieles in anderen Büchern nicht zu lesen ist und das hier eine unter gleichen schreibt."

Fleygur:"Auch die Bilder in deinem Buch strahlen sehr viel persönliches und lebendiges aus – kennst du die Leute und Pferde auf den Bildern selbst?"

Jutta: "Ja, ich kenne fast alle. Es ist beinahe eine Art Familienalbum geworden. Ich freue mich so, dass ich diese Fotos nehmen durfte. Wir wissen ja alle, dass man sich auf Fotos oft nicht so gut gefällt.

Fleygur:" Noch zwei persönliche Fragen: Was war dein schönstes und dein schrecklichstes Erlebnis mit dem Islandpferd?"

Jutta: "Mein Schrecklichstes war gleichzeitig das Schönste.
Ich habe eine Stute aus einer Misshaltung. Sie war unglaublich misstrauisch und vom Boden gewaltbereit. Es hat viel intensive Zeit, Geduld und Coaching gekostet, an sie heranzukommen und ihr Vertrauen zu gewinnen.
Dann war es aber so weit, dass ich dachte, nun können wir mal aus dem Alltag heraus was anderes machen und bin mit ihr über das Wochenende zu einer Freundin gefahren. Dieser erste Ausflug endete sehr dramatisch. Sie war über Nacht auf einem Paddock neben einer fremden Herde. Morgens um acht war alles in Ordnung. Ich habe sie gefüttert und bin dann selbst frühstücken gegangen.
Um 10 kam der Nachbar angerannt. Es läge ein Pferd auf der Wiese und käme nicht mehr hoch. Das war meine Harpa. Sie hat sich der Herde wohl präsentiert und irgendwie die stromführende Litze zwischen Huf und Eisen gezogen. Sie konnte sich nicht befreien und ist gestürzt.
Da lag sie nun und hat um ihr Leben gekämpft. Wie lange, kann ich nur schätzen. Es hatte sich zwischenzeitlich eine tiefe Suhle gebildet, zentimenterhoch aus ihrem Schweiß und dem vergeblich Bemühen hoch und frei zu kommen.
Die ganze Zeit floss der Strom durch sie, immer wieder tick – tick – tick….
Sie hat so gekämpft und sie konnte fast nicht mehr.
Als wir dann kamen und ich sah, dass es meine Harpa ist habe ich laut gerufen, ich komme Harpa - ich komme.
Da ist sie dann ganz still liegen geblieben und hat auf mich gewartet. Sie vertraute mir. Sie wusste, ich werde ihr helfen. Meine Freundin ist zum Stromkasten und hat alles ausgemacht. Und dann mussten wir sie hochkriegen. Sie hat sich so bemüht und es war ein ganz schreckliches Erlebnis, dass zwei Tage später mit einem schweren Kreuzverschlag und Klinikaufenthalt endete. Ich bin so froh, dass sie heute wieder quietschgesund ist.
Aber der Moment, in dem sie erkannte ich komme, in dem sie darauf vertraute, dass ich ihr helfen werde, der war in all dieser ganzen schrecklichen Dramatik wunderbar."

Fleygur:"Das Islandpferd ist für dich:"

Jutta: "Kraftquelle, Entschleunigung im Alltag, Freude, Abenteuer erleben."

Fleygur: "Dein Tipp für alle Ein- und Umsteiger:"

Jutta:
Für die Einsteiger: Es ist eure Zeit und euer Geld. Geht dahin, wo ihr euch gesehen und wohl fühlt. Vertraut auf euer Gefühl und genießt. Und immer wieder: atmen.
Für Umsteiger: gilt letztlich dasselbe. Das fällt oft schwerer. Hier muss die Kontrolle gelockert werden. Die Beine liegen lang und entspannt und man nicht ständig treiben. Das ist ein großer Unterschied und viele haben Probleme damit. Lasst es einfach fließen und – genießt."