Sie sind hier: Artikel -> Interviews ->Katharina Klug

Taping für Pferde - Interview mit Pferdeosteotherapeutin Katharina Klug

 

Katharina Klug wurde 1985 in Backnang im Rems-Murr-Kreis geboren. Mit acht Jahren begann sie zu reiten und seit ihrem zehnten Lebensjahr gab es in ihrer Familie immer eigene Pferde. Sie nahm an zahlreichen Kursen bei namhaften Trainern (z.B. Birgir Gunnarsson, Jolly Schrenk, Horst Klinghart, Andrea Jänisch) teil und war aktive Turnierreiterin. Schon früh wurde ihr klar, dass Pferde und Reiten mehr als nur ein Hobby sein sollten.

So widmete sie sich nach dem Abitur ein ganzes Jahr nur den Pferden und sammelte auf dem Islandpferdehof „Gut Waldeck" von Rosl Rößner nicht nur viele Erfahrungen, sondern legte auch die Prüfung zum Trainer C (IPZV) erfolgreich ab.

Derzeit arbeitet sie als Physiotherapeutin in der Praxis von Salome Zeibig in Sindelfingen

Um ihre berufliche Tätigkeit als Physiotherapeutin mit der Begeisterung für die Arbeit mit Pferden verbinden zu können, absolvierte sie 2010 bis 2012 die Ausbildung zur Pferdeosteotherapeutin am Deutschen Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) bei Frau Schulte Wien.
Neben physiotherapeutischen und osteopathischen Behandlungen, gehört auch das Taping für Pferde zu ihrem Leistungsspektrum. Wir wollten mehr über diese Kinetischen Tapes wissen und haben sie zu ihrem Angebot interviewt.

Weitere Infos zu Katharina Klug finden Sie unter: http://pferdeosteopathie-klug.de

Immer häufiger sieht man heute Pferde, die am Köper bunte Klebebänder -sogenannte Tapes- tragen. Zu welchem Zweck können diese Tapes im Rahmen einer physiotherapeutischen/osteopathischen Behandlung eines Pferdes dienen?

Bei diesen Tapes handelt es sich um Kinetische Tapes oder Kinesio Tapes. Kinesio Tapes lassen sich
gut mit anderen Therapieformen kombinieren, da sie kaum Neben- oder Wechselwirkungen
aufweisen. Beim Menschen hat sich Kinesio Taping schon lange etabliert. Die Wirkprinzipien sind
schlüssig erklärbar und der Therapieerfolg wurde bereits durch mehrere Studien belegt.
Durch die Weiterentwicklung des Tapematerials und die verbesserte Klebewirkung ist das Taping
jetzt auch für die Behandlung von Pferden geeignet. Besonders gut zu therapieren sind
Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates. Eine korrekte Tapeanlage hat einen Einfluss auf
Verspannungen oder Muskelschwächen. Es können z.B. Reizungen oder Verletzungen der Sehnen,
Schmerz- und Triggerpunkte, Hämatome oder Ödeme des Lymphsystems und Narben behandelt
werden. Rein mechanisch kommt es zu einem Abheben der Haut, was eine Verbesserung der
Durchblutung und eine Schmerzlinderung zur Folge hat. Durch den Hautfalten-Effekt verbessert
sich die Lymphzirkulation und der Stoffwechsel wird angeregt. Außerdem kommt es durch die
Reizung der Mechanorezeptoren zu einer Schmerzreduktion. Die Gelenk- und Muskelfunktion
(Tonusregulierung) kann unterstützt und verbessert werden. Die Wirkungsweise des Tapes hängt
von der Anlageform ab. So gibt es Muskelanlagen, Ligamentanlagen, Korrekturanlagen und
Lymphanlagen.

Ist das Taping denn Teil einer umfassenden osteopathischen Behandlungseinheit oder stellt es eine ganz eigene Therapiemethode dar?

Bedingung für eine funktionierende Tapeanlage ist immer die Abklärung der Beschwerdeursache.
Bevor Kinesio Tapes verwendet werden ist eine umfassende Anamnese mit einer eingehenden
Untersuchung des Bewegungsapparates erforderlich. Im Rahmen einer osteopathischen
Behandlungseinheit sollte zunächst eine ausführliche Befundaufnahme, die unter anderem
Körperhaltung, Beweglichkeit, Hautbeschaffenheit, Muskeltonus, Blockierungen,
Faszienverschieblichkeit und Dysbalancen überprüft, stattfinden. Auf der Grundlage der sich daraus
ergebenen Befunden wird ein Therapieplan entwickelt, der eben auch die Anwendung von Kinesio
Tapes beinhalten kann. Zur Nachbehandlung oder als Unterstützung z.B. bei chronischen
Erkrankungen kann Kinesio Taping auch eine alleinige Therapieform darstellen.

Wie lange bleiben die Tapes denn am Pferd?

Um einen guten Effekt zu erzielen, sollte die Tapeanlage möglichst eine Woche kontinuierlich am
Pferd kleben. Das heißt, es muss nachgeklebt werde, wenn das Tape sich zu früh z.B. aufgrund von
Schwitzen ablöst. Korrekt angelegt halten die Tapes etwa 3 bis 10 Tage, je nach Anlagestelle und
Technik. Um das Tape möglichst lange haltbar zu machen, sollte das Fell fettarm und sehr sauber
sein. Winterfell sollte mit der Schere gekürzt werden. Während dem Fellwechsel ist eine haltbare
Anlage am Pferd leider kaum zu realisieren.

Manchmal sieht man Pferde die verschiedenfarbige Tapes am Körper tragen.
Haben die verschiedenen Farben eine Bedeutung?

Die Klebeeigenschaften und die mechanische Wirkung ist bei allen Farben identisch. Beim
Menschen versucht man die Sinne optisch anzusprechen. Grundsätzlich steht blau für eine
detonisierende, also beruhigende, (Muskel-)spannungssenkende und rot für eine tonisierende, also
anregende, aktivierende Wirkung. Schwarz und beige sind als neutral anzusehen.
Beim Pferd zweifle ich an der zusätzlichen Wirkung über die Farbe, da Pferde kaum bzw. über eine
für das Taping unrelevante Farbwahrnehmung verfügen. Dennoch würde ich z.B. niemals ein
Lymphtape mit abschwellender Wirkung in rot kleben. Wobei das meine persönliche Einstellung ist.

Wird immer direkt dort getaped, wo das "Problem", also z.B. der Schmerz sitzt oder manchmal auch an ganz anderen Stellen?

Meistens wird auch in dem Bereich getaped, wo sich das Problem befindet. So sitzen z.B.
Triggerpunkttapes direkt auf dem Schmerzpunkt. Tapes, die bestimmte Muskelgruppen aktivieren
oder entspannen sollen liegen natürlich auch genau in diesem Bereich. Außerdem gibt es spezielle
Tapeanlagen, wie z.B. die Unterstützung der Oberschenkelmuskulatur und der Kniescheibenbänder
bei habitueller Patellafixation oder eine spezielle Anlage bei Pferden mit Spat. Eine Ausnahme stellt
die Lymphanlage dar. Hier werden Fächertapes angebracht deren Basis am Zielpunkt der Drainage,
im Bereich der Lymphknoten sitzt und der gefächerte Bereich in Richtung Schwellung zieht.

Wie viele Behandlungen sind denn in der Regel notwendig und mit welchen Kosten muß man rechnen?

Das ist pauschal nicht zu beantworten und je nach Krankheitsbild sehr unterschiedlich. Wie oben
erwähnt sollte die Tapeanlage möglichst eine Woche an dem Pferd kleben um eine optimale
Wirkung zu erzielen. Die Kosten errechnen sich aus dem Materialverbrauch. Die Preisspanne liegt
etwa zwischen 20€ und 45€.

Gibt es einfache Tapings, die man z.B. zur Muskelentspannung selbst bei seinem Pferd anwenden kann oder gehört das Taping immer in die Hände eines ausgebildeten Therapeuten?

Die vorangehende Befundaufnahme und die erste Tapeanlage sollte immer von einem ausgebildeten
Therapeuten vorgenommen werden. Wenn das Tape sich als wirkungsvoll erwiesen hat, zeige ich
den Pferdebesitzern gerne, wie sie diese Tapeanlage selbst kleben können. Gerade Tapes zur
Muskelentspannung oder zur Behandlung von Schmerzpunkten sind sehr gut von den
Pferdebesitzern selbst durchzuführen.

Abschließend, können Tapes eigentlich über den therapeutischen Zweck hinaus z.B. auch zu Trainingszwecken eingesetzt werden?

Definitiv! Es ist sogar sehr wichtig das Taping mit Bewegung bzw. gezieltem Training zu
verbinden. "Kinesis" bedeutet Bewegung. Um die bestmögliche Wirkung zu erzielen, ist
ausreichend Bewegung, sowohl mit, als auch ohne Reiter sehr wichtig. Je nach Problematik des
Pferdes und Trainingsziel kann das Training systematisch unterstützt werden. So kann z.B. eine
detonisierende Muskelanlage an der Unterhalsmuskulatur dem Pferd das "sich fallen lassen"
erleichtern oder eine Anlage an der Sitzbeinmuskulatur das Untertreten verbessern. Auch kann die
Aktivität der Bauchmuskulatur durch eine tonisierende Anlage deutlich verbessert werden.
Natürlich ersetzt Taping niemals gutes Training. Es kann aber eine sinnvolle Unterstützung
darstellen und dem Pferd ein neues Körperschema vermitteln.

Danke für das Interview!

Interview: Fleygur
Bilder © K. Klug