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Interview mit Manuel Jorge de Oliveira

 

Manuel Jorge de Oliveira, portugiesischer Reitmeister und einer der berühmtesten Stierkampfreiter unserer Zeit hat seine aktive Karriere als Stierkampfreiter beendet und konzentriert sich heute darauf, sein großes Wissen über die Pferde und das Reiten weiterzugeben.

Er unterrichtet Reiter und Pferde aller Rassen in der klassischen Reitkunst und bietet im Jahr 2015 auch wieder zwei Dressurkurse speziell für Islandpferde an.


Bild: Manuel Jorge de Oliveira unterrichtet Andrea Lipp auf Stjarna

 

Stierkampfreiterei und klassische Reitkunst, da denkt man in erster Linie an Lusitanos und Spanier – aber nicht unbedingt an Islandpferde. Dennoch bieten Sie nun bereits im dritten Jahr einen Dressurkurs für Islandpferde an. Wie kam es dazu?

Vor drei Jahren hatten sich mehrere Reiter mit ihren Islandpferden zu einem meiner Kurse angemeldet. Da ich ihnen offensichtlich bereits in der ersten Reiteinheit mehr helfen konnte, als sie es vorher erfahren hatten, waren sie so begeistert, dass sie es weitererzählten. Dadurch kamen immer mehr Reiter mit ihren Islandpferden zu den Kursen.

Worin unterscheidet sich der Dressurkurs für Islandpferde von Ihren „normalen“ Kursen? Welche besonderen Herausforderungen und Probleme finden Sie bei den Islandpferden und ihren Reitern vor?

Ein Islandpferd hat eine andere Gangmechanik und eine andere Persönlichkeit als Iberische Pferde oder Warmblüter. Die Herausforderung besteht für mich darin, den Körper des Pferdes und die wirklich großartige Persönlichkeit des Islandpferdes zu beobachten und zu erfassen, so dass ich genau so schnell wie bei anderen Pferderassen individuelle Lösungen für die jeweiligen Probleme anbieten kann.

Wie arbeiten Sie an diesen Problemen?

Grundsätzlich geht es bei jeder Pferderasse um Balance, Gleichgewicht, Verspannungsfreiheit und ein größtmögliches Verständnis zwischen Pferd und Reiter. Insofern ist für mich die Arbeit an den Problemen der Islandpferdereiter mit Ihren Pferden nicht anders, als die Arbeit mit Reitern und Pferden anderer Rassen.

Kann man mit einem Isländer auch an Ihren „normalen“ Kursen teilnehmen und welche Voraussetzungen sollten Reiter und Pferd dazu mitbringen?

Selbstverständlich kann man mit einem Isländer auch an meinen Kursen teilnehmen, denn alle Kurse sind "normale" Kurse, und Islandpferde sind auch nur Pferde.

Worauf legen Sie bei der Ausbildung von Pferd und Reiter besonderen Wert?

Mein besonderer Fokus liegt darauf, dem Reiter sein Pferd verständlich zu machen. 99% aller Reiter wissen weder körperlich noch seelisch worauf sie sitzen!!! Den Reitern ist sowohl der Körper als auch der Geist des Pferdes fremd. Ich sehe meine besondere Aufgabe darin, ein größtmögliches Verständnis zwischen beiden Lebewesen herzustellen.
Unter anderem deshalb gibt es auch unsere Soirée Classique Pure. Auf dieser Veranstaltung möchte ich selbst als Reiter den Gästen das Gefühl der Einheit vermitteln. By the way freue ich mich, wenn Sie zahlreich am 22. Dezember nach Fürstenfeldbruck kommen. Wir haben ja auch ein Islandpferd im Programm.
(Anmerkung Fleygur: Bei der Premiere der Soirée Classique Pure im Juli 2014 durfte auch ein Fleygur Team dabeisein. Hier geht es zum Bericht mit vielen Bildern. Tickets und weitere Informationen finden Sie unter www.wu-wei-shop.de. )

Gibt es grundlegende Fehler in der Pferdeausbildung, die Ihnen auf Ihren Kursen immer wieder begegnen?

Die Reiter verwenden Methoden. Methoden, die sie irgendwo gehört oder gelernt haben. Kein Pferd möchte mit einer Methode gearbeitet werden. Ein Pferd möchte so gearbeitet werden, dass es ihm körperlich und seelisch gut geht. Menschen von den Gedanken der Methodik zu befreien ist eine meiner weiteren Aufgaben, da mir dieser grundlegende Fehler permanent begegnet.

Jede Unterrichtseinheit beginnt bei Ihnen mit der Arbeit am Boden. Können Sie uns das kurz erläutern?

Es dient dem Aufwärmen und es dient der Beziehung. Das Pferd fühlt sich viel wohler, wenn es zunächst seinen Reiter auf Augenhöhe erleben darf und erst, wenn die Beziehung hergestellt ist, den Körper des Menschen auf seinem Rücken spürt.

Können Sie Ihre Reitphilosophie kurz beschreiben?

Meine Philosophie besteht darin, dass am Ende der Unterschied zwischen Mensch und Tier aufgelöst wird. Beide sind körperlich und seelisch eins. Die Schmerzen des Pferdes spüre ich in meinem Körper. Die Gefühle des Pferdes spüre ich in meinem Herzen. Erst wenn wir uns in Einklang befinden und alle Schmerzen und alle Trauer aufgelöst sind, können wir von Reiten sprechen.

 

Gestatten Sie uns noch einige kurze Fragen, um den Menschen hinter „dem Reitmeister“ ein wenig näher kennenzulernen?

Ja gern.

Was war Ihr schönstes Erlebnis mit Pferden?

Als ich das erste Mal im Alter von 5 Jahren auf einem Pferd saß und umgehend wusste, dass ich mein Leben den Pferden widmen möchte.

Was das Schlimmste?

Als ich im Alter von ungefähr 25 Jahren erkennen musste, dass ich viele Pferde körperlich und seelisch zugrunde gerichtet hatte.

Wer hat Sie am meisten geprägt?

Nuno Oliveira

Fehlt Ihnen der Stierkampf?

Nein, denn alles im Leben hat seine Zeit.

Gibt es Situationen in denen Sie Angst haben?

Nein, denn ich kann meinen Geist jederzeit kontrollieren. Angst ist eine Einbildung.

Was lieben Sie bei Ihrer Arbeit am meisten?

Ich liebe es, den Menschen die Pferde näher zu bringen und damit mehr Menschlichkeit in die Welt zu bringen.

Was stört Sie an Ihrer Arbeit am meisten?

Nichts, ausser der Traurigkeit, die ich manchmal spüre, wenn ich sehe, dass Menschen so oft gar nicht wissen warum sie reiten.

Was würden Sie gern noch mit Pferden ausprobieren?

Nichts, denn ich bin der Meinung, man sollte in der Disziplin, in der man sich mit Pferden bewegt, in eine unendliche Tiefe vordringen und sich nicht auf vielen Spielfeldern bewegen.

Gibt es neben den Pferden weitere Leidenschaften in Ihrem Leben?

Nein.

Womit halten Sie sich fit?

Ich habe Jahrzehnte lang Kampfsport und Rennradfahren betrieben. Heute halte ich mich mit Reiten fit.

Welchen Beruf hätten Sie heute, wenn es die Pferde in Ihrem Leben nicht gäbe?

Ich wäre Musiker.

Sind Sie schon einmal Rennpaß geritten?

Ja, auf der Equitana in den 70-er Jahren.

Wir bedanken uns für das Interview und freuen uns schon auf die nächste Soiree am 22. Dezember 2014 in München!

Termine und Buchungsmöglichkeiten für die Soirée Clasique und für Reitkurse mit Manuel Jorge de Oliveira finden Sie unter www.wu-wei-shop.de.

Interview: Fleygur
Bild: © Sven Cramer
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Diese Trainer bieten Reitunterricht nach den Prinzipien der klassischen Reitkunst auch für Islandpferde an: