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Interview mit Marvin Heinze - Weltmeister F1 (YR) 2015

Marvin Heinze aus Ladbergen konnte im dänischen Herning mit seinem Hengst Myrkvi vom Quillerhof den Weltmeistertitel im Fünfgang (YR) nach Deutschland holen. Marvin, absolviert auf dem Islandpferdegestüt Quillerhof das seinen Eltern (Melissa Heinze, Pferdewirtschaftsmeisterin und IPZV Trainerin A und Peter Plattner) gehört, eine Ausbildung zum Pferdewirt. Er und Myrkvi bilden bereits seit einigen Jahren ein erfolgreiches Team. So wurde Marvin mit Myrkvi bereits 2011auf der DJIM Vizemeister im Jugend Fünfgang und 2014 deutscher Juniorenmeister im Fünfgang. 
Myrkvi wurde 2001 auf dem familieneigenen Gestüt geboren und dort von Melissa Heinze und Marvin ausgebildet.
Wir haben Marvin zu Hause besucht, um ihm zu seinem tollen Erfolg zu gratulieren und haben ihm gleichzeitig ein paar Fragen gestellt.


Marvin, als aller Erstes nochmal Gratulation zum Weltmeistertitel, wie fühlt es sich denn so an, Weltmeister zu sein?

Ja, es ist ein sehr gutes Gefühl. Ich bin natürlich sehr stolz auf mein Pferd, dass es so eine gute Leistung gebracht hat.

Hast du vorher damit gerechnet, dass es klappen könnte, Gold nach Hause zu holen?

Ja. Ich bin schon mit dem Ziel zur WM gefahren, Weltmeister zu werden, jetzt auch speziell im Fünfgang, der ja meine Paradedisziplin ist.
Im Vorfeld war zwar klar, dass die Konkurrenz dieses Jahr besonders stark ist, das hatte ich schon ein bisschen verfolgt, aber dann ist es natürlich besonders schön, gewonnen zu haben. Aber daran sieht man natürlich auch, dass Myrkvi ein sehr gutes Pferd ist.

Du wurdest ja erst kurz vor der WM, auf der Deutschen Islandpferde Meisterschaft, vom Bundestrainer in den WM Kader berufen. Erzähl mal, wie war das, als er auf Dich zukam..…

Also es wurden ja alle Reiter auf der DIM erst berufen. Das war dann so, dass wir nicht vorher informiert wurden und man auf uns zukam, sondern wir standen alle beim Aufmarsch und dann wurde die Equipe bekanntgegeben und die Reiter wurden alle einzeln aufgerufen. Ich war ja schon auf den beiden WM Sichtungsturnieren und hatte dort den Fünfgang gewonnen und war auf der DIM bester Young Rider im Fünfgang und dann war schon so ein bisschen abzusehen, dass es klappen müsste.

Du bist ja seit 2011 im Bundeskader der Young Rider. Gab es vor der WM noch ein spezielles Kadertraining? Wie sieht das Turniertraining von Myrkvi überhaupt aus?

Also ein spezielles Kadertraining gab es vor der WM nicht mehr. Generell habe ich eigentlich auch kein spezielles Training. Ich versuche Myrkvi einfach immer gut und korrekt zu reiten, ob jetzt auf dem Reitplatz oder im Gelände. Wenn die Turniere kommen, dann bin ich vielleicht schon mal öfter auf der Ovalbahn, als im Winter, wo ich fast ausschließlich im Gelände reite. Aber grundsätzlich habe ich vor der WM Nichts anders gemacht und hab auch versucht, nicht zu angespannt daran zu gehen.

Du wurdest auf der DIM ja auch für Dein feines und harmonisches Reiten und Horsemanship mit dem Feather Prize ausgezeichnet. Über feines Reiten und Harmonie mit dem eigenen Pferd sprechen ja viele Menschen und dennoch meint wohl jeder etwas anderes, wenn er davon spricht. Kannst Du beschreiben, was “Feines Reiten” für Dich genau ausmacht - auch in Bezug auf Deine Trainingsmethoden?

Ja, zunächst fühle ich mich natürlich geehrt über diese Auszeichnung. Es ist für mich selbstverständlich respektvoll mit meinem Pferd umzugehen, ob das jetzt Myrkvi ist oder ein anderes Pferd, wie ein Berittpferd etwa, das ist ja ganz egal. Das muss natürlich gegenseitig sein, d.h. dass der Mensch das Pferd respektiert und das Pferd auch den Menschen. Ich denke es ist wichtig, dass man mit den Pferd zusammenarbeitet und nicht nur bestimmt über das Pferd. Das Pferd zahlt einem das dann auch durch Leistungen zurück, die es dann bringt und die nicht selbstverständlich sind. Das tut es dann auch gern und aus eigenem Willen.

Hast du in dieser Hinsicht auch reiterliche Vorbilder und Lehrer bei denen du Unterricht nimmst?

Ich glaube, dass man von vielen Leuten etwas lernen kann. Ein spezielles reiterliches Vorbild hab ich jetzt nicht. Unterricht nehme ich bei meiner Mutter und Suzan Beuk, was mir beides sehr gut gefällt auch von der Philosophie her, wie die Beiden mit den Pferden arbeiten.




Zurück zur WM. Wie war das Gefühl in der Fünfgangprüfung mit den ganz “Großen” mit zu reiten und vor allen Dingen ganz vorne mitzumischen – Du warst ja Fünfter und damit bester Deutscher in der Vorentscheidung. Warst Du vorher sehr aufgeregt und wie ging es Myrkvi?

Also Myrkvi war gut drauf. Er hat schon in den Tagen vorher im Training sehr gute Leistungen gezeigt und ich konnte selbstbewußt in die Prüfung gehen. Dass ich dann bei den Erwachsenen so weit vorn in der Wertung lag, das war natürlich besonders toll für mich.

Ja, Du warst ja auch direkt hinter dem Bundestrainer, toll!
Das Finale war dann ja noch unglaublich spannend. Hattest Du schon während der Prüfung das Gefühl, dass es gut für Euch läuft?

Da habe ich ehrlich gesagt gar nicht so viel drüber nachgedacht, sondern mich auf den nächsten Aufgabenteil konzentriert. Als es dann vorbei war, hab ich natürlich überlegt, ob es denn gereicht hat und da hatte ich ein ganz gutes Gefühl.

Es hat ja auch geklappt. Worauf bist du dabei jetzt besonders stolz?

Myrkvi ist ja ein Pferd aus unserer eigenen Zucht, den wir selber ausgebildet haben.

Magst Du Myrkvi nochmal kurz vorstellen?

Ja, er ist jetzt 14 Jahre alt.  Vater ist Ögri frá Hvolsvelli, seine Mutter Vaena vom Quillerhof. Er hat einen tollen und starken Charakter und ist sehr leistungsbereit. Am meisten Spaß hat er im Gelände, dort wird er sehr temperamentvoll. An seiner Nachzucht erkennt man auch Myrkvis guten Charakter und seine Gangveranlagung. Diese vererbt er sehr gut und wir haben schon einige seiner Nachkommen ausgebildet und verkauft, da war kein Pferd dabei, was mir nicht gefallen hat.

Was nimmst Du außer deinem Erfolg und der Medaille noch von der WM mit nach Hause?

Es war für mich eine neue Erfahrung über einen so langen Zeitraum mit dem Pferd auf einem Turnier zu sein. Wir waren ja schon 6 Tage vor meiner Vorentscheidung in Dänemark. Und was ich noch mitnehme ist, dass ich den Ehrgeiz habe, nochmal wieder an einer WM teilnehmen zu wollen.

Wie ist die Resonanz seit der WM. Gab es nach der WM schon viele Anfragen, sicher nicht nur für Interviews?

Ja ich musste viele Interviews geben und habe natürlich viele Glückwünsche bekommen. Wir hatten hier auch eine kleine Überraschungsparty, wo ich schöne Geschenke bekommen habe.

Wie geht es jetzt weiter mit Myrkvi und Dir? Was sind Eure Ziele für die nahe und ferne Zukunft? Denkst Du dass Ihr diese Leistung zukünftig noch toppen könnt?

Zurzeit gehen wir einfach viel ausreiten, Myrkvi bekommt noch eine Stute zum Decken, aber ansonsten gibt es für dieses Jahr keine großen Verpflichtungen mehr. Nächstes Jahr könnte ein Ziel sein, auf der Deutschen Meisterschaft zu starten und auf der mitteleuropäischen Meisterschaft und ich bin überzeugt, dass wir noch viel Potential haben noch besser zu werden.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin für Euch Beide!

Interview: Fleygur
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