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Interview mit Ingrid Klimke

 

Ingrid Klimke ist hoch erfolgreiche Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiterin. Als Tochter von Reiner Klimke lernte sie schon sehr früh das Reiten und erhielt von ihm ihre Dressurausbildung im Sinne der klassischen Reitweise. Ihre Springausbildung übernahm seit ihrer Jugend Fritz Ligges. Ingrid Klimke gehört heute zur Weltspitze im Reitsport. Zu ihren größten Erfolgen zählt z.B. das Mannschaftsgold bei den Olympischen Spielen in London und in Hong Kong. Seit 1998 betreibt sie einen Turnierstall in Münster und bildet ihre Pferde selbst aus. Sie ist Autorin vieler Fachbücher und trainiert Reitschüler. Ingrid Klimke ist 2012 als zweite Frau und als zweitjüngste Person in der Geschichte des Pferdesports von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zur "Reitmeisterin" ernannt worden.


Frau Klimke, Ihr Name steht seit vielen Jahren für korrektes, pferdegerechtes und sportlich höchst erfolgreiches Reiten und die Ausbildung von Pferden. Wenn Sie das Geheimnis Ihre Erfolges in drei Worten zum Ausdruck bringen würden, welche wären dies?

Das fängt aber schwer an…

Die Liebe zum Pferd mit voller Begeisterung leben.
Als Team sind wir unschlagbar!
Und: Fleiß, Geduld und Zielstrebigkeit.

Ihnen ist die Beziehung zwischen Mensch und Pferd und dass man sich aufeinander verlassen kann, ja ausgesprochen wichtig. Was braucht es von beiden Seiten, damit diese Partnerschaft gut gelingen kann?

Ein über Jahre gewachsenes Vertrauen zwischen Reiter und Pferd.

Und wie erkennen Sie beim Pferd, dass Sie sich jetzt verlassen können und die Beziehung stimmt?

Das kann man fühlen und spüren, bevor es für den Zuschauer sichtbar ist. Durch fast unsichtbare Hilfengebung folgt mein Pferd meinen Hilfen. Es ist wichtig, dass sich das Pferd wohl fühlt und gelassen ist, denn nur das losgelassene Pferd ist auch zufrieden. Das Ohrenspiel, der ruhige Schweif, der lockere Rücken, die gleichmäßige Atmung und ein zufriedenes Schnauben erfreuen mich als Reiterin immer sehr.  

Sie bilden ja viele junge Pferde aus, was ist Ihnen als Grundlage besonders wichtig?

Die vielseitige Grundausbildung. Das Pferd sammelt von 4-6-jährig durch das abwechslungsreiche Training die wertvollsten Erfahrungen. Um ein Beispiel zu nennen: Die halben und ganzen Paraden und das feine Zusammenspiel der Hilfen lernt das Pferd kennen und verlernt es sein ganzes Leben lang nicht mehr. Nicht nur körperlich.

Wenn es das Reitgebiet erlaubt, dürfen junge Islandpferde oftmals ihre ersten Geländeerfahrungen als Handpferd ohne Reiter sammeln. Gibt es diese Trainingsform bei Ihnen auch?

Damit habe ich persönlich noch keine Erfahrung gemacht. Ich nehme für die unerfahrenen Pferde immer ein Führpferd mit. Dem erfahrenen alten Hasen folgen die Joungsters irgendwann dann doch. Wichtig ist immer auch ein erfahrener Reiter, der das unsichere Pferd optimal unterstützt.

Für anspruchsvolle Sportprüfungen muss ja sowohl das Islandpferd als auch das Vielseitigkeitspferd über Kraft (Tragkraft), Ausdauer und Schnelligkeit zu ungefähr gleichen Teilen verfügen.
Wie werden diese drei Leistungskomponenten bei Ihnen trainiert?


Ich trainiere die Kondition für das Gelände am Berg und zwar alle 4-6 Tage über 12 Wochen vor der langen Prüfung. Ich galoppiere immer in 3 Intervallen und diese werden systematisch gesteigert. Anfangs ist das Tempo ruhiger und später kommen noch Sprints hinzu. Nicht zu vergessen ist natürlich das weitere Training- Dressur und Springen, ebenso die Cavalettiarbeit und das Longieren über Cavaletti.

Welche Trainingseinheiten finden noch im Gelände statt und wie werden diese gestaltet?

Vor der Galopparbeit wird ausgiebig gelöst und die Pferde auch nachher lange genug ausgetrabt und Schritt geritten. Die Dressurpferde machen auch Dressurarbeit am Berg.

Im Islandpferdebereich wird der Galopparbeit eher wenig Beachtung geschenkt. Welche Leistungskomponente kann man durch den Galopp besonders gut fördern?

In der dressurmäßigen Arbeit geht es darum, langfristig den Galopp zu versammeln und mehr Lastaufnahme mit der Hinterhand zu erreichen. Das Pferd lernt in Balance und gesetzt zu galoppieren und entlastet damit die Vorhand. Es gibt viele Pferde, denen macht die Galopparbeit mehr Spaß als die Trabarbeit, weil sie ihnen beispielsweise Gebäude bedingt leichter fällt.  

Ihr Vater war einer Ihrer größten Lehrmeister. Gibt es trotzdem Dinge, die Sie heute in Ausbildung oder Reiten grundlegend anders machen als er?

Das ist schwer zu sagen. Ich hatte ein sehr enges Verhältnis zu meinem Vater. Die Pferde haben uns verbunden und ich erinnere mich an so viele Worte und Übungen und fühle mich auf meinem Weg dank seiner eingeprägten Ratschläge sicher.

Was machen Sie, wenn Sie selbst mal nicht weiter kommen, gibt es das überhaupt noch?

Und ob- ich mache mir Gedanken und überlege, was mein Vater jetzt wohl gemacht hätte. Oder ich rufe Herr Stecken, Chris Bartle, Hans Melzer oder Kurt Gravemeier an. Ich schaue immer gerne auf allen Abreiteplätzen, schaue DVDs an und lese das nach, was ich unbedingt wissen möchte.

Von wem lassen Sie sich heute unterrichten?

Von Menschen, die ich respektiere und interessant finde und deren Arbeit mir gut gefällt. Jedes Pferd ist ein guter Lehrmeister. Horchen sie hinein!

Was ist Ihnen besonders wichtig, Ihren Reitschülern zu vermitteln?

Die Wertschätzung, die Faszination und Begeisterung gemeinsam mit dem Pferd zusammen zu wachsen. Die Liebe zum Pferd.

In Ihrer langjährigen Karriere, in der Sie reiterlich fast alles erreicht haben, was man erreichen kann, was war Ihr persönlich schönster Höhepunkt mit Pferden?

Es gibt unzählig viele Momente der puren Lebensfreude dank der Pferde. Ich kann mich nicht entscheiden… Meine Teilnahme an den ersten Olympischen Spielen 2000 in Sydney waren sehr emotional. Mein Vater ist ein Jahr vorher viel zu früh verstorben und sein großer Wunsch war es, dass eines seiner Kinder auch auf Olympischen Spielen startet. Unsere Familie hat Sydney gemeinsam intensiv erlebt und Sleep Late, mein damaliges Pferd, ist im Gelände über sich hinaus gewachsen und wir waren fehlerfrei und in der Zeit in dem anspruchsvollen Cross.

Reiten ist ja totz allem ein nicht ganz ungefährlicher Sport. Auch Sie haben schon einige schwerere Stürze, mit teilweise längeren Krankenhausaufenthalten und Rehamaßnahmen hinter sich. Inwiefern haben diese Unfälle Sie auch geprägt?
Gab es schon mal den Gedanken daran aufzuhören?


Nein, dafür erlebe ich zu viele wunderschöne Glücksmomente mit den Pferden. Unfälle und Schicksalsschläge gehören mit zum täglichen Leben mit den Pferden. Nicht nur im Sport passieren Unfälle, sondern häufig auch im Umgang mit den Pferden.
Die Analyse ist wichtig: warum und wie ist es passiert- egal ob auf der Stallgasse geschlagen oder herunter gefallen. Man lernt immer dazu und bekommt Routine und  versucht durch sein Verhalten solche Unfälle auszuschließen. Aber wir alle wissen, wie das Leben so spielt.

Gibt es denn auch Situationen in denen Sie Angst haben und wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Wenn ich Angst hätte, dann würde es mein Pferd spüren und gerade im Geländeparcours zögern und dann kann er gefährlich werden.

Und wie sieht es mit der Aufregung vor einer wichtigen Prüfung aus. Haben Sie einen Tipp, gerade für junge Sportreiter. Wie bereiten Sie sich mental vor?

Ich ziehe mich alleine zurück an einen ruhigen Ort, an dem ich mich wohl fühle (meinen LKW) und gehe den Ritt in Gedanken konzentriert durch.

Sie sind schon so viele Pferde geritten, sicher war auch schon mal ein Islandpferd dabei?

Oh ja, und wie gerne. Nicht nur auf der Equitana im Reitweisenvergleich durfte ich den Tölt gefühlen. Noch viel schöner war allerdings ein Ausritt am Strand auf Spiekeroog- einfach tolle Pferde diese Isländer.

Was hat Ihnen am Islandpferd besonders gut gefallen und gab es auch etwas was Ihnen weniger gefiel?

Eine gute Freundin hat Isländer und wir reiten manchmal zusammen aus. Sie sind so geschickt und trittsicher und wendig- ich habe noch keine Schwächen erkannt.

Gern würden wir Sie einladen, wieder einmal den Tölt auf einem tollen Isländer zu genießen. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit ja mal?

Und wie gerne würde ich mit meinen beiden Töchtern in den Sommerferien mal bei ihnen vorbei kommen und meinen Töchtern das Erlebnis gönnen.

Wir bedanken uns für das ausführliche Interview und freuen uns schon sehr, Sie und Ihre Töchter auf dem Quillerhof von Melissa Heinze begrüßen zu dürfen!


Interview: Fleygur
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