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Reitsportsattlerin Elina Glocksien

im Fleygur- Interview

Elina Glocksien hatte von Klein auf immer nur eines im Kopf: Pferde!
Außerdem wollte sie nie einen langweiligen Beruf.
So beschloss sie, nach einem ersten Praktikum in der Sattlerei Schöneich, eine Lehre in der Sattlerei Hennig zu beginnen.
Ihre Gesellenprüfung konnte sie als Landessiegerin für Brandenburg abschließen und so begann sie schon wenig später, mit dem Aufbau ihrer eigenen kleinen Sattlerei.
Heute ist sie als unabhängige Sattlerin mobil im Einsatz und hat sich - wie sollte es anders sein - auf Islandpferde spezialisiert.

(Bild: Elina im Sattel)


Elina, wie bist Du dazu gekommen, Sattlerin zu werden?

Nun, zuerst hatte ich ja ein Studium angefangen. Ich war aber etwas unschlüssig, was ich wirklich einmal werden wollte. Während dieser Zeit hatte dann eine Stallkollegin einen Sattler für ihr Pferd da und ich habe mich angeschlossen. Mein Sattel wurde geändert und ich sollte ihn aus der Werkstatt abholen. Bis dahin wusste ich noch gar nicht, dass es so einen Beruf gibt.
Ich fand das jedenfalls total interessant und habe gleich ein Praktikum bei dem Sattler begonnen.
Es stand dann sehr schnell fest, dass ich eine Lehrstelle suchen und das Studium an den Nagel hängen würde. Die beste Entscheidung meines Lebens!

Hast Du eine besondere Philosophie, die Dich als Sattlerin ausmacht?

Ich versuche Pferd und Reiter immer ganzheitlich zu sehen und Lösungen zu finden, hinter denen ich guten Gewissens stehen kann.

Es gibt ja heute eine Vielzahl verschiedenster Sättel auch speziell für Islandpferde. Da heißt es oft: “Wer die Wahl hat, hat die Qual.”
Woran erkenne ich, ob ein Sattelmodell gut zu mir und meinem Pferd paßt?

Am Wichtigsten: Beide müssen sich wohlfühlen!
Am Besten sollte man bei einer Sattelprobe zuerst bestimmen, welche Sättel für das Pferd in Frage kommen. Dann sollte der Reiter testen, auf welchen er gut sitzen kann. Oftmals kann man Unterschiede beim Pferd sehen, dass es z. B. mit einem Sattel entspannter geht als mit einem anderen. Es sollte auch schneller als nur Schritt geritten werden, um zu sehen, wie das Pferd sich im Rücken verändert und wie der Sattel dann liegt. Auch wie der Reiter hingesetzt wird, kann man nicht nur im Stand beurteilen. Die Sitzgröße muss natürlich passen. Das sind alles Dinge, die sich schwierig hier beschreiben lassen. Ein Sattler kann das am Besten beurteilen. Er kann auch sagen, inwiefern der Sattel sich mit der Zeit immer wieder an Pferd und Reiter anpassen lässt. Das sollte auch ein wichtiges Kriterium sein.
Ich stelle auch immer wieder fest, dass es sehr gut ist, wenn man Rücksprache mit dem Reitlehrer/Trainer hält. Viele Probleme mit dem Sattel hängen auch mit der Ausbildung zusammen.
Der Trainer kann mir helfen, einzuschätzen, wie sehr sich Pferd und Reiter noch entwickeln werden.

Und wie erkenne ich gute Qualität bei einem Sattel? Gibt es da Dinge, die ich auf den ersten Blick überprüfen kann?

Bei neuen Sätteln ist es für Laien sicherlich etwas schwieriger. Man kann schauen, wie die Nähte aussehen, stehen überall schon Fäden ab? Wie sehen die Metallbeschläge aus? Insbesondere die Sturzfeder, lässt sie sich leicht öffnen? Bei einem neuen Sattel sollte die Polsterung sich
immer weich anfühlen. Leichter wird es, wenn der Sattel schon einige Zeit geritten wurde. Hat
das Leder seine Farbe behalten? Sind schon Nähte aufgescheuert? Kann man brüchige Stellen am Leder (insbesondere an Strupfen und Sitzfläche) erkennen?


(Bilder: Elina reitet selbst Islandpferde und hat sich auch als Sattlerin auf diese Rasse spezialisiert. )

Muß ein guter Sattel denn immer teuer sein oder können z.B. auch gebrauchte Sättel eine gute Alternative für den kleinen Geldbeutel sein?

Gebrauchte Sättel sind natürlich sehr begehrt. Da die Preise (auch gerade im Islandbereich) in den letzten Jahren enorm in die Höhe geschossen sind.
Es gibt sehr viele alte Sättel zu günstigen Preisen auf dem Gebrauchtmarkt. Diese sind meistens von der Qualität noch richtig gut. Leider sind diese alten Sättel nur von der Passform her häufig eine
absolute Katastrophe. Da hat sich in den letzten Jahren doch deutlich was getan.
Es gibt natürlich auch die "modernen" Sättel schon gebraucht zu kaufen. Nur liegen die Preise dann häufig auch immer noch über 1000,- Euro. Wichtig ist es, auch bei Gebrauchten immer abzuklären, ob sie sich anpassen lassen. Einige Reiter wissen gar nicht, dass man Sättel überhaupt verändern kann.

Oft habe ich schon den Spruch gehört “Wer drei Sattler fragt, bekommt drei Meinungen”.
Wie finde ich als Reiter einen Sattler meines Vertrauens und woran erkenne ich eine gute Beratung?

Jeder Sattler ist auch nur ein Mensch. Jeder bildet sich im Laufe der Zeit seine Meinung, macht Erfahrungen und lernt dadurch dazu. So kann es schon mal unterschiedliche Meinungen geben. Es gibt ja auch unterschiedliche Pferde, Reiter und Reitweisen. Ich finde nicht, dass es nur richtig und falsch gibt. Am besten fragt man einmal Reiterkollegen, welchen Sattler sie kennen oder empfehlen. Die meisten haben sicherlich eine Homepage, auf der man sich auch schon informieren kann und einen ersten Eindruck bekommt. Bei einem Termin sollten alle Fragen beantwortet werden. Sicherlich
hängt auch viel von der Sympathie ab, ob man Demjenigen dann vertraut. Oftmals sollte man auch unterscheiden, um was für einen Auftrag es sich handelt. Möchte man die Sattelpassform überprüfen lassen oder einen Voltigiergurt ändern lassen? Viele Sattler haben ihre Schwerpunkte.

Du reitest ja selbst Islandpferde und hast Dich auch als Sattlerin auf diese Rasse spezialisiert.
Gibt es in Punkto Sattel typische “Isi-Probleme”, die Dir immer wieder begegnen?

Häufiges Thema ist leider immer noch der zurückverlegte Schwerpunkt bei den typischen "Töltsätteln". Also, wenn der tiefste Punkt im Sattelbaum nicht mittig, sondern weiter hinten festgelegt ist.


(Bild: Der Schwerpunkt des Sattels liegt zu weit hinten. Der Reiter hat aufgrund der Form des Sattelbaumes keine Möglichkeit in der Mitte des Sattels zu sitzen.)

Auch die Länge des Sattels ist immer wieder Thema. Wobei ich auch hier der Meinung bin, immer das Gesamtbild zu betrachten. Momentan ist das Thema "kurz, kürzer, am Kürzesten". Nicht alle Pferde macht man damit glücklich. Da sich so auch die Auflagefläche verringert. Ganz oft tritt das Problem auf, dass der Sattel nach vorne rutscht. Hier kommen viele Faktoren zusammen. Nicht alle kann der Sattler abstellen. Manchmal gibt es auch Reiter, die eine falsche Vorstellung davon haben, wo
der Sattel liegen soll. Und manchmal liegt es auch nur am viel zu dicken Bauch des Pferdes.


(Bild: Hier ist gut zu sehen, wie sich die Längen der Sättel für Islandpferde in den
letzten Jahren geändert haben.)

Abschließend, was war bisher Deine größte Herausforderung bei einer Sattelberatung?

Da kann ich gar nicht ein konkretes Beispiel nennen. Wenn der Sattel das Pferd möglichst von alleine bemuskeln, geraderichten, taktklar tölten, richtig angaloppieren und versammeln soll... manchesmal wird das verlangt. Dann muss ich erklären, dass der passende Sattel dabei zwar hilft, die Arbeit übernimmt er aber nicht!

Danke für das Interview


(Bild: Typisch bei älteren Islandsätteln ist die relativ hohe/enge Anbringung der Kissen, leider drücken diese fast immer zu stark in den Trapezmuskel.)


(Bild: Sattel mit Formkissen, liegt nicht flächig auf dem Rücken, sondern nur mit der äußeren Kante des Kissens, die Winkelung der Kissen ist zu spitz.)

Info:

28816 Stuhr
Mobil: 0175 38 37 672


Interview: Fleygur
Bilder: Elina Glocksien