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Horseship – Partnersuche Pferd

von Katrin Ehrlich, www.tierheilpraxis-ehrlich.de

 

Bild: Katrin Ehrlich

 

Die Verlockung und die Gefahren des schnellen Pferdekaufs in unserer Zeit.

Wir leben heute in einer Wegwerf-Gesellschaft, mit schnellem Zeitgeist und dank dem Internet mit vielen Möglichkeiten, die wir uns noch vor wenigen Jahren nicht vorstellen konnten. Sie hat viele Vorteile, diese überregionale Vernetzung. Doch was macht das Phänomen mit uns und unseren Pferden?

Mit Hilfe von Facebook und Co. können viele in Not geratene Pferde ein Zuhause finden. Doch auch  der professionelle Pferdemarkt lebt von der Schnelligkeit des Handels und nicht von dem gemeinsamen Glück, das der Mensch mit seinem Pferd sucht.
Es gäbe sicher einige Probleme nicht, wenn man sich beim Pferdekauf mehr Zeit lassen würde.

 

Die Ankaufsuntersuchung – Vorraussetzung für eine lebenslange Partnerschaft?

Mein früherer Chef und Ausbilder für derzeit sechzehn Pferdewirtlehrlinge, machte immer seine Späße mit uns, wenn wir über schmerzende Körperteile bzw. Krankheiten jammerten. „ So kommst du durch keine Ankaufsuntersuchung“ oder: „das musst du alles vor der Hochzeit angeben...“.
Das musste ich zum Glück nicht. Da ging es um andere Qualitäten, denn unseren Partner suchen wir normalerweise nicht nach den vorliegenden Röntgenbildern aus, sondern danach, wie wir uns verstehen und miteinander wohlfühlen.
Damit will ich keinesfalls die Wichtigkeit der Gesundheit untergraben, sondern darauf aufmerksam machen, wie viele Faktoren es bei der Pferdewahl noch gibt, auf die Sie achten sollen.

 

Finden und Kennenlernen

Man verliebt sich, lernt sich kennen und nach einigen Wochen oder Monaten gibt es die ersten Probleme miteinander. Jetzt kommt es darauf an, ob und wie man diese durchsteht. Sind es nur kleinere Missverständnisse, wegen schlechter Kommunikation oder mangelndem Verständnis für den Partner, können diese leicht überstanden werden. Respekt und Vertrauen müssen erarbeitet und bewahrt werden. Wenn der gemeinsame Weg so gegangen wird, kann die Beziehung durch nichts erschüttert werden. Wenn es jedoch nicht funktioniert und die Konflikte nur noch anstrengend sind, muss man sich trennen. Dieser Prozess kann sich über Jahre hinziehen. Spätestens dann ist eine gute professionelle Hilfe erforderlich.

Der Unterschied sowie die Ähnlichkeit in der Beziehung zu einem Pferd wird uns hier klar.
Auch hier gibt es ein Kennenlernen. Die Auswahl erfolgt heutzutage nicht selten vom Schreibtisch aus, denn das Internet ist voll mit schönen Pferden und gut gemachten Websites.
Ich bin gespannt, wann es das elektronische Punktesystem für die errechneten Übereinstimmungen zwischen Pferd und seinem zukünftigen Besitzer gibt (zumindest wäre das eine bessere Basis als nur über Bilder, Abstammungs- und Größenangaben zu kaufen.).

 

Schönheit ist nicht alles

Pferd und Reiter müssen von den Grundveranlagungen passen und sich ergänzen. Die Pferderasse mit ihren Möglichkeiten, den speziellen Vor- und Nachteilen muss zum Besitzer passen, genauso wie die individuelle Persönlichkeit, die in jedem Pferd steckt.

Da gibt es den hübschen Vollblutaraberrmix, der gekauft wurde, um ab und zu mit seiner neuen Besitzerin, einer jungen Frau, auf Jagden zu laufen. Doch die Nerven dieses sensiblen Pferdes waren solchen Anforderungen nicht gewachsen. Er tänzelte und buckelte, wollte ständig weglaufen vor den unbekannten Geräuschen der Jagdhornbläsern sowie vor den Hunden. Galoppieren und Anhalten in der Gruppe war nahezu unmöglich. Manchmal wird so ein Verhalten selbst durch andauerndes Training nicht abgelegt.
Was können wir dagegen tun? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Der Reiter sucht andere Aufgaben, die zu Charakter und Eignung des Pferdes passen. Das wäre immer das Beste, denn eine so flexible Anpassung kann sehr viel Zufriedenheit bringen. So ist der schöne Vollblutaraber, nach verschiedenen Versuchen, letztendlich beim Distanzreiten gelandet und es hat Pferd und Reiterin großen Spaß gemacht.

Wir haben alle unsere Neigungen. Meine beste Freundin ist ein eher ruhiger Mensch, fordert und braucht aber Gehorsam. Mit ihrem Quarter Horse ist sie glücklich. Ich mag ihr Pferd auch sehr, doch als „Lebenspartner“ schätze ich eher die edlen, temperamentvollen Pferde, die mich täglich aufs Neue fordern. Da liegen wesentliche Unterschiede - die gilt es herauszufinden !

Dass Pferd und Reiter harmonieren, kommt nicht nur auf das Können an. Vor wenigen Jahren war ich verblüfft, wie es zwei Reitanfänger schafften, sich mit zwei jungen Araberstuten zusammenzuraufen. Es klappte, denn Pferde und Menschen passten gut zusammen, waren feinsinnig aufeinander abgestimmt.

 

Manchmal ist eine Trennung nötig

Man geht auseinander, wenn keine Anpassung möglich ist. Wenn zum Beispiel ein ambitionierter Springreiter sich ein Pferd kauft, das nicht gerne springt, sollte schnell an eine Trennung gedacht werden. Bevor Pferd und Reiter sich miteinander quälen, weil die Aufgaben zu groß sind. Das rechtzeitig zu erkennen und zu handeln, ist eine sensible Aufgabe und erspart so manchen Ärger auf beiden Seiten.

Selbst von einer Trennung könnten alle profitieren. Der Reiter weiß nun hoffentlich besser, worauf er bei der nächsten Suche nach dem idealen Pferd achten muss. Für das Pferd wäre gut, wenn beim Weiterverkauf die ganze Geschichte, die das Tier vorher erleben musste, beschrieben wird. Damit wäre viel geholfen und mancher Fehlkauf sowie das Leid des Pferdes vermieden. Informieren Sie sich beim Pferdekauf so gut wie möglich!

 

Das Vorleben unserer Pferde

Oft gingen die Pferde schon durch viele Hände.
Je weniger Erfahrungen ein Pferd gemacht hat, desto besser zeigt es seinen ursprünglichen Charakter. Sobald es Erfahrungen sammelt, geritten oder gefahren wird, passieren Dinge, die seine Persönlichkeit sowie seinen  Gesundheitszustand prägen. Darauf müssen Sie sich einstellen. Die Kunst mit Pferden umzugehen ist das Erkennen ihres Charakters und ihrer Bedürfnisse. Der Mensch muss genau hinschauen und mit der nötigen Konsequenz und Klarheit  handeln. Nicht das Pferd will was von uns, sondern wir von ihm.  Das müssen wir ihm erklären und es gut behandeln, damit es uns Vertrauen schenken kann. Bei vielen Tieren ist gerade das längst verloren gegangen.
Die Frage ist, wie viel kann ich mir zutrauen? Wie weit bin ich bereit, diesen Weg zu gehen?

 

Klarheit - Was suche ich eigentlich?

Sportcrack, Freizeitpartner oder einfach nur Freund zum Liebhaben gesucht?

Fragen Sie sich, was genau Sie sich von einem Pferd wünschen! Und schauen Sie klar hin, was Sie leisten können. Nicht selten wird das überschätzt.

Malen Sie sich gedanklich ein Bild von ihrem Traumpferd und setzen Sie Prioritäten. Jeder hat Ansprüche und darf sie auch haben.
Erst wenn Sie sich selbst darüber im Klaren sind, was Sie möchten, werden Sie gezielt danach Ausschau halten.

Fällt ihre Wahl auf ein Sportpferd, mit dem Sie gleich losstarten möchten? Prüfen Sie Ihre Ansprüche an das Pferd, bevor Sie es kaufen. Also: Reiten Sie es, nehmen Sie sich genügend Zeit, bis Sie das gute Gefühl haben zusammenzupassen.

Schauen Sie, wie es sich bei Anforderungen verhält, ob es sich in unruhiger Umgebung schnell ablenken lässt oder sogar panisch wird.  Und natürlich ob körperlich in der Lage ist, den Leistungssport auszuhalten.

Wenn Sie einen ruhigen Freizeitpartner für das Gelände suchen, für viele Jahre und lange Ritte, dann schauen Sie sich nur nach einem gesunden, ruhigen und ausdauernden Pferd um. Reiten Sie mit dem Pferd der Wahl mehrmals aus, damit Sie wissen, worauf Sie sich einlassen.

 

Anschauen und miteinander wohlfühlen

Eine gemeinsame Verbindung kann man erst fühlen, wenn man sich gegenübersteht und Zeit miteinander verbringt.

Wer sich ein Pferd aussucht sollte die Absicht haben, eine Partnerschaft für das ganze Pferdeleben einzugehen. Das sind bis zu 30 Jahre!
Da lohnt es sich, genau hinzuschauen. Niemandem gefällt es, sich ständig neu zu orientieren.

 

Einer gemeinsamen Entwicklung Zeit und Chancen geben

In unserer schnelllebigen Zeit darf eins nicht verloren gehen: Die gemeinsame Entwicklung. Oft dauert es mehrere Jahre. Ein Ruck und es passt -  so etwas gibt es nur sehr selten.

Gut möglich, dass Totilas und Matthias Rath irgendwann zusammengewachsen wären, hätten sie mehr Zeit bekommen. Die nötige Zeit, sich gemeinsam zu entwickeln, sich aufeinander einzustellen. Vielleicht hätte es einige Jahre gedauert, dann aber gut funktioniert. Wenn man bereit ist und sich öffnet, ist vieles möglich.
Das Pferd spiegelt nicht nur unsere Seele, sondern auch unseren Zeitgeist wieder.
Dafür ist Totilas, das teuerste Dressurpferd aller Zeiten, ein Paradebeispiel.

Dabei sollte ein Pferd eigentlich unser Freizeitpartner sein, etwas Wunderbares, ein Geschenk für unsere schönsten Stunden.
Es zeigt uns unsere Stärken und Schwächen genau auf. Wenn wir die Möglichkeit finden, mit ihm gemeinsam einen Weg zu gehen, sowie Zeit und Chancen geben, werden alle davon profitieren. Pferd und Mensch.

 
Wenn Sie Hilfe benötigen, Fragen haben,
Katrin Ehrlich www.tierheilpraxis-ehrlich.de/reitpferdeausbildung.html
Tel.: 06029/989547

 

Bild: Katrin Ehrlich mit Ronny, 26 Jahre, Brego 8 Jahre und Caroline, 36 Jahre