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Horse Bodyforming - Interview mit Franz Grünbeck

 

Franz Grünbeck ist "Pferdemensch" durch und durch. Er ist gelernter Hufschmied, Westernreitwart und hat jahrelange Erfahrung im Bereich Pferdetraining. Gesundheit, Fitness und Wohlergehen der Pferde sind für ihn die Motivation seiner Innovationen und Entwicklungen im Pferdebereich, zu denen der HORSE Bodyformer und das Mobility Bridle gehören. Als wir zum ersten Mal vom HORSE Bodyforming gehört haben und ein Video vom Einsatz des Bodyformers an einem Pferd sahen, wollten wir unbedingt mehr über dieses Trainingskonzept erfahren und haben Franz Grünbeck zu seiner Erfindung interviewt. Info: www.horse-bodyforming.com

Herr Grünbeck, Sie sind der Entwickler des HORSE- Bodyformings. Für alle, die davon noch nichts gehört haben, was genau beinhaltet diese Trainingsmethode?

Diese Trainingsmethode beinhaltet mittlerweile das statische Faszientraining mit dem Faszienrad, die Arbeit mit HORSE Bodyformer und dem Mobility Bridle und das HORSE Bodyforming Reiten. Wir haben 2009 mit dem HORSE Bodyformer – einem Gurt mit einer unter dem Bauch montierten Platte – gestartet. Einfach ausgedrückt stimuliert diese Platte die Bauchfaszie, um die antagonistische Hemmung aufzuheben und so die Rückenmuskulatur wieder gut arbeiten zu lassen. Das Mobility Bridle folgte 2011, da die Arbeit mit üblichen Kopfstücken (Kappzaum u.ä) für mich nicht zufriedenstellend war. 2014 kam dann die Arbeit mit dem Faszienrad hinzu. Hier wirken wir sowohl auf die Faszienmechanik, aber auch auf die zahlreichen Rezeptoren und Nervenendigungen in den faszialen Strukturen. 2017 starten wir mit dem Programm HORSE Bodyforming Reiten durch. Hier wollen wir die Gesetzmäßigkeiten, die wir durch HORSE Bodyforming am Boden erreichen, in den Sattel übertragen und die am Boden erreichte Rumpfstabilität/Tragefähigkeit im Sattel weiter fördern. HORSE Bodyforming wirkt sehr vielschichtig. Hier wird sowohl auf die physische als auch auf die mentale Ebene eines Pferdes angesprochen. In unserer Studie ist es eindrucksvoll bewiesen, dass wir insbesondere mit der Arbeit des HORSE Bodyformers Pferde in einen entspannten Zustand bringen und das bereits ab der ersten Einheit! HORSE Bodyforming Reiten ist für mich die Antwort auf das große Thema Rumpfstabilität/Tragefähigkeit/Gleichgewicht bei Pferden. Ein Großteil der sog. „Sattelthemen“ geht immer mit einem Verlust der Tragefähigkeit einher. HORSE Bodyforming-Reiten fördert Rumpfstabilität und Tragefähigkeit der Pferde und macht den Reiter in kürzester Zeit kompetenter.


Bild oben: Franz Grünbeck beim Faszientraining mit dem Faszienrad

Wie kam es denn zu der Idee mit dem Bodyformer-Gurt ?

Als Trainer hatte ich immer wieder die Problematik, dass die Trainingspferde nach Rückgabe an die Besitzer schlechter geworden sind/in die alten Muster zurückgefallen sind. Meine Trainingspferde waren zum Großteil „schwierige Pferde“ und wie sich herausstellte oftmals Schmerzpatienten. Heute wissen wir, dass ein Großteil der Pferde vorwiegend von myofaszialem Schmerz geplagt sind. Der Mensch interpretiert das als Unrittigkeit, Taktstörungen und Ungehorsam usw. Ich wollte also diesen Zustand nicht hinnehmen. Daraus ist eine Vision entstanden. Ich wollte die Pferde in kurzer Zeit aus dem Schmerzkreislauf holen und dem Besitzer ein Werkzeug in die Hand geben, um Erreichtes halten zu können und sein Pferd weiter zu fördern. Und so entstand der HORSE Bodyformer.

Was bewirkt der Einsatz des Gurtes beim Pferd?

Der Gurt wirkt unmittelbar auf der mentalen Ebene. Das Pferd findet zur Ruhe und Ausgeglichenheit. Unbedarfte Pferdebesitzer haben gegenüber der pendelnde „Bauchplatte“ Ressentiments – die Pferde nehmen diese jedoch willig an. Dies beweist auch unsere Studie. Auf der Physis wirkt Bodyforming schmerzlindernd, verbessert er die Tragefähigkeit, Aufrichtung und das Gleichgewicht.

Ist das Horse-Bodyforming denn für jedes Pferd geeignet?

Grundsätzlich Ja. Vom 3 bis zum 30 jährigen Oldie haben wir hervorragende Ergebnisse. Bei akuten Entzündungsgeschehen/Traumen/Verletzungen, die Ruhe brauchen, arbeiten wir die Pferde nicht. Sobald die Pferde aber wieder zu arbeiten sind, hilft Bodyforming ungemein in der Rekonvaleszenz. Wir empfehlen die Arbeit auch bei Remonten. Hier wird die für das Reiten notwendige Balance und Tragefähigkeit schon am Boden erarbeitet, bevor der Reiter zum 1. Mal aufsitzt.

Gibt es den Bodyforming-Gurt in verschiedenen Größen? Gibt es für kleinere und kürzere Pferde, wie unsere Isländer, auch ein passendes Modell?

Den Bodyformer gibt es in verschiedenen Größen – vom Mini-Shetty bis zum wuchtigen Kaltblut. Für Isländer ist die Standardgröße kombiniert mit dem Bridle Gr. M passend.


Foto: Der Bodyformer wird richtig verschnallt.

Haben Sie Erfahrung mit Gangpferden und dem HORSE Bodyforming? Gibt es hier Besonderheiten im Training?

Ja einige Gangpferde-Betriebe und viele Pferdebesitzer von Gangpferden zählen zu unseren Kunden und es werden immer mehr. Gangpferde, insbesondere das Islandpferd, sprechen hervorragend auf den Einsatz von Bodyformer und Bridle an. Bei Taktstörungen/Trab- und Galoppschwäche hat sich das Mobility Bridle als besonders wirkungsvoll erwiesen.

Sie haben eben schon das auch von Ihnen entwickelte “Mobility Bridle” angesprochen. Was ist der Unterschied zum Kappzaum?

Das Mobility Bridle führt die Pferde als 1. Zäumung über den Unterkiefer. Dadurch verbessern wir schlagartig das Gleichgewicht der Pferde, die mentale Ausgeglichenheit und erreichen vor allem die Aufrichtung. Das „Gleichgewichtsorgan“ Unterkiefer mit dem Zungenbein bleibt frei und wird nicht eingeschnürt. Und trotzdem sind sämtliche Übungen an der Hand wie an der Longe mit dem Bridle mit einer höheren Effizienz möglich.
In der Bewegung heben die Pferde den Widerrist um bis zu 5cm !!!! Richtig angewendet wird der Gang leiser und die Pferde beginnen zu federn. Gleichzeitig werden die Pferde ruhig und mental deutlich stabiler.


Foto: Mobility Bridle

Den Bodyformer- Gurt kann man ja nur nach einer gründlichen Einweisung bei Ihnen erwerben oder mieten. Warum ist eine sorgfältige Schulung so wichtig?

Das Wohlergehen des Pferdes steht für uns immer im Vordergrund. Wir wollen Anwendungsfehler vermeiden und die Pferdebesitzer sollen mit HORSE Bodyforming möglichst effektiv arbeiten können. Das braucht eine sorgfältige Einschulung und  idealerweise auch eine Begleitung beim Traininig. Hinter HBF steht ja mittlerweile ein komplettes Programm und sehr viel Know-how, das wir gerne an Pferdebesitzer im Rahmen der Einschulung weitergeben. HBF ist ja mehr als Longieren im Kreis mit einer Bauchplatte. Nur durch eine effektive Arbeit erreichen wir die tiefen Strukturen der Stabis als Voraussetzung für eine dauerhafte Verbesserung der Tragefähigkeit.   

Kann man diese Einschulung nur bei Ihnen vor Ort machen?

Nein, ich bin ca. 40 Wochen im Jahr in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs, um Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene zu geben. Auch haben wir derzeit ca. 50 HORSE Bodyforming Instruktoren/Partner, die für eine Einschulung entsprechend geschult sind.

Was beinhaltet die Ausbildung zum Instruktor?

Die Ausbildung findet in Theorie und Praxis statt. Schwerpunktthemen sind: Anatomie, Faszienanatomie und –neurologie, Biomechanik, Huforthopädie und Sattelkunde und Trainigstechniken. Ganz wichtig ist die praktische Arbeit am Pferd. Denn nur was beim Pferd tatsächlich ankommt ist relevant – theoretisches Wissen alleine ist zu wenig. Vorort stehen für die angehenden Instruktoren immer genügend anspruchsvolle Patientenpferde zur Verfügung.

 Danke für das Interview.

Bild oben © Simone Förster: Das Pferd entspannt sich beim Faszientraining.

 

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