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Haltung- und Pflegetipps für Pferde mit Sommerekzem

von Ute Reher, Geschäftsführerin Wiemerskamper Ges. für Pferdepflegeprodukte mbH

Wenn ein Pferd unter dem Sommerekzem leidet, dann bedeutet das, dass es allergisch auf die Stiche von Insekten reagiert, insbesondere auf Stiche der Kriebelmücke.

Die Mücke sticht besonders an den Stellen, wo die Haare senkrecht stehen und sie gut rankommt. In der Regel ist dies der Bereich des Mähnenkamms, der Schweifrübe, Kruppe, Widerrist, Ohren, Gesicht und unter dem Bauch überwiegend im Bereich der Bauchnaht.

Die allergische Reaktion und Ihre Konsequenzen wird für den Pferdehalter sichtbar, indem sich das Pferd anfängt zu kratzen, oder zu scheuern und öfter zeigen die Pferde auch eine deutliche Unruhe, schlagen mit dem Schweif, laufen umher in der Hoffnung der Mücke so zu entgehen.

Um die Symptomatik deutlich zu reduzieren und das Kratzverhalten der Pferde möglichst günstig zu beeinflussen, steht der Schutz vor den auslösenden Mückenstichen an erster Stelle, denn ohne Mücke kein Ekzem! Auf Island gibt es die Kriebelmücke nicht und in Höhenlagen ab 1800m kommt sie praktisch auch nicht vor. Nun möchten, bzw. können wir unsere Pferde nicht alle nach Island bringen, oder in die Berge. Wir müssen das Beste aus unseren örtlichen Gegebenheiten, unseren finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten rausholen um das bestmögliche für unsere Pferde zu erreichen.

Solange grobe Fehler in der Versorgung (Haltung, Fütterung/Pflege) nicht erkannt und korrigiert werden, haben es andere erfolgversprechende Maßnahmen/Therapien oftmals schwer.

Das Erscheinungsbild des Sommerekzemers hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Einige können wir nicht (mehr) beeinflussen, wie z.B. Abstammung, genetische Veranlagung, Farbe, hormonelle Veränderungen, Insektenvorkommen u.v.m., andere Faktoren dagegen schon. Hierzu gehören z.B. die Haltungsform, das Futter, der Umgang, die Stellung in der Herde, das Fressverhalten, u.v.m. In diesem Artikel soll es um die Haltung und die Pflege unserer betroffenen Pferde gehen und ich möchte Sie anregen Ihre eigenen Bedingungen noch einmal kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls zu hinterfragen, um die kommende Saison erfolgreich zu bewältigen.

  Was sollte man bei der Haltung beachten?

  Folgende Charakteristika sind günstig bei der Weidenutzung für Pferde mit Sommerekzem:

gepflegt
Regelmäßiges Absammeln der Pferdeäpfel vermindert den Insektenanflug und reduziert die parasitäre Belastung. Der Mistplatz sollte möglichst nicht in direkter Nähe zum Stall/Unterstand sein um dort die Belastung durch Insekten möglichst klein zu halten.
aufgeräumt Entfernen Sie altes Ackergerät oder kantige Gegenstände an denen sich Ihr Pferd kratzen und verletzen kann.
trocken Die Mücke braucht zur Aufzucht Feuchtigkeit und Wasser. Je mehr davon vorhanden ist, umso mehr Brutplätze findet sie. Ein Weibchen legt ca 400 Eier und die Entwicklungszeit dauert etwa 2 bis 5 Wochen, je nach Witterung...
Mit Stall oder an drei Seiten geschlossenen Unterstand Dies bietet dem Pferd, neben Witterungsschutz auch einen guten Insektenschutz, den es nach eigenem Befinden jederzeit zum Schutz aufsuchen kann. Zur Optimierung können PVC-Streifen im Eingang hilfreich sein. Das Glätten, bzw. Abrunden der Hölzer im Eingangsbereich beugt Kratzen mi vor.
Keine Bäume zum Kratzen Bäume bieten mit Ihrer rauen Rinde eine Kratzgelegenheit, die schnell zum Haarverlust und kleineren Verletzungen führen kann. Hat das Pferd diese für sich erstmal entdeckt, sucht es sie auch immer wieder bevorzugt auf, was den Teufelskreis von Kratzen und Juckreiz begünstigt. Wenn möglich also Baumstämme/Gebüsch abzäunen um dies zu verhindern. Glatte, runde Pfähle, glatte Wände sind ok.
Einzäunung Bei der Einzäunung hat sich Elektrodraht bewährt, da er das Scheuern an Zaunlatten und Zäunpfählen unmöglich macht. Runde, glatte Metallzaüne, wie sie oft bei Paddocks zu sehen sind, sind ebenfalls ok.
Karg, bevorzugt ungedüngt Wie jedes Pferd sollte auch der Sommerekzemer möglichst nicht zu dick werden, da dies seinen Stoffwechsel nur unnötig belastet und Juckreiz begünstigt werden kann. Weidezeit notfalls rationieren. Auf jeden Fall nicht vergessen Mineralfutter über das Jahr bedarfsgerecht zuzufüttern um Mängeln vorzubeugen!

Nicht jeder hat die optimale Weide zur Verfügung. Hier noch ein paar Beispiele zum variablen Management:


Kombinierte Stall- und Weidehaltung
Die Hauptflugzeiten der Mücke liegen in den frühen Morgenstunden zwischen ca. 4 und ca 8 Uhr, sowie nachmittags von ca. 16 Uhr bis Sonnenuntergang. Daher empfiehlt sich tagsüber eine Weidezeit zwischen ca. 9 und 15 Uhr. Steht ein Unterstand/Stall zur Verfügung oder ist das Pferd durch andere Maßnahmen (Decke, Insektenrepellent, u.a.) zusätzlich geschützt kann man hier evtl. tolerabler sein.
Offenstall mit rationiertem Weidegang Achten Sie auch hier auf die empfohlenen Weidezeiten. Starten Sie den Weidegang zu insektenarmer Zeit. So kann ihr Pferd seinen Hunger stillen und bei zunehmenden Insektenflug auch willig den Stall zum Schutz wieder aufsuchen. Ein hungriges Pferd, dessen Weidezeit zur insektenreichen Zeit startet, wird erst den Mückenattacken beim Weidegang standhalten ums sich hinterher umso heftiger zu scheuern...
Weide mit vielen Bäumen Bäume werden IMMER als Kratzgelegenheit gefunden und benutzt. Wenn Sie nicht alle einzäunen können, schaffen Sie zumindest eine kleinere baumfreie (Ruhe-)Zone, die es Ihnen ermöglicht das Pferd bei Bedarf dort hinzustellen.
Pferd scheuert sich im Stall Schauen Sie genau hin, an was es sich scheuert. Feste Futternäpfe evtl.abbauen und aus dem Eimer füttern. Vorstehende Holzecken kann man abrunden. Bei rauen Wänden haben in Schweifhöhe quer angebrachte PVC -Streifen schon gute Hilfe geleistet. Bei weniger optimalen Weidebedingungen und z.B. ungünstiger Weidezeit ist das Scheuern vielleicht vorprogrammiert...versuchen Sie hier die Weidezeit außerhalb der Insektenflugzeit zu legen.


Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der vielfältigen Möglichkeiten und Kombinationen im Management die wir kennen. Wenn etwas nicht für Sie und Ihr Pferd passt und Sie Anregungen benötigen, nehmen Sie gerne Kontakt zu mir auf.

Was gibt es bei der Pflege eines Sommerekzemers zu beachten?

Hier geht es zum einen um die Hautpflege der meist trockenen, schuppigen und zur Juckreiz neigenden Haut und um die Körperpflege des Pferdes. Ich möchte weniger auf verschiedene Produkte eingehen, sondern Sie eher auf das WIE anstelle auf das mit WAS aufmerksam machen.

Machen Sie sich als erstes mit dem möglichen Zustand Ihres Pferdes vertraut und denken Sie an Ihre Reaktionen bei eigenen Mückenstichen: Wenn Sie erstmal anfangen zu kratzen können Sie nicht mehr aufhören! Anfangs löst das Kratzen und der damit befriedigte Juckreiz ein angenehmes Gefühl aus...aber da man selten aufhören kann, wird oft so lange gekratzt bis es blutig ist. Bei unseren Pferden ist das nicht anders, nur das sie auch noch allergisch auf den Speichel der Mücke reagieren und somit die allergische Reaktion durch Kratzen noch verstärkt wird. Die Haut wird warm, schwillt an und juckt nur noch mehr.

Mit dem Gedanken an eigene Mückenstiche ergeben sich folgende Vorschläge für die Pflege unserer Pferde fast von allein:

Zurückhaltung beim Bürsten
Allein Berührung kann schon Juckreiz auslösen und Bürsten und ähnliches fördert diesen entsprechend.
Nicht kraulen und kratzen

Wenn Sie Ihr Pferd kraulen findet es das meist sehr angnehm und macht eine lange Schnute. Hören Sie auf, verlangt es nach mehr. Geben Sie dem nicht (mehr) nach geht es wahrscheinlich in den Stall und kratzt sich dort selber weiter....aber nun nicht mehr sanft, sondern mit dem ganzen Körpergewicht. Fazit:
Wenn Sie nicht wollen, das ihr Pferd sich kratzt, dann sollten Sie durch Kraulen Juckreiz bei ihm auch nicht auslösen, oder ihm zeigen wie schön kratzen sein kann!

trockene, strapazierte, zu Juckreiz neigende Haut

Pflegende Produkte die die Haut geschmeidig halten und vor weiteren Stichen schützen haben sich bewährt.
(z.B.Wiemerskamper Öle)

Wenig mit Seife waschen Zu häufiges Waschen mit Seife kann den Säureschutzmantel der Haut belasten und sie zusätzlich austrocknen....seien Sie hiermit sparsam, oder wählen Sie rückfettende Produkte. Beim Waschen die Haut nicht massieren, denn Sie können damit den Juckreiz unnötig ankurbeln.
Kalt mit Wasser abbrausen Nach der Arbeit, oder auch nur so bei warmen Wetter ist der Hautstoffwechsel erhöht und oft fällt das Pferd durch vermehrtes Kratzen, oder Wälzen auf. Eine kühle Dusche reduziert die Hautdurchblutung und den Juckreiz und ist besonders in den Sommermonaten eine willkommene Erfrischung

 

In diesem Artikel finden Sie schwerpunktmäßig Hinweise zur Haltung und zur Pflege von Ekzemern, die die Symptomatik deutlich beeinflussen können. Die Möglichkeiten in diesem Bereich sind oftmals so vielfältig, dass Sie vielleicht nicht alle Ihre Fragen hiermit beantwortet finden, oder sich sogar durch die Informationen neue Fragen entwickelt haben. Ebenso gehe ich nicht weiter auf die Themen Fütterung, Umgang, Vererbung, Diagnostik u.v.m. die aber ebenfalls zu berücksichtigen sind.

Wenn Sie Anregungen für Ihre eigenes Pferd brauchen, oder sich über unsere Hautpflegeprodukte informieren möchten finden Sie uns unter www.wiemerskamper.de

oder telefonisch unter 040/64430535 (Montag bis Freitag, 9 bis 13 Uhr)

Mit den besten Wünschen für Ihr Pferd, …..auch im Sommer,

Ihre Ute Reher

 

copyright by Ute Reher