Sie sind hier: Artikel -> Berichte -> Kursbericht

"Experiment Freiheit" mit Franco Gorgi, Niklaus Muntwyler und Ruth Herrmann

Kursbericht von Veronika Raithel

Am heißesten Tag des Jahres, ( 4. und 5. Juli), stand in den erst kürzlich eröffneten „Oliviera Stables“ in Waal/Oberbayern ein ganz besonderes Experiment auf dem Programm: unter dem Titel „Experiment Freiheit“ haben die drei Schweizer Profis Franco Gorgi, Niklaus Muntwyler und Ruth Herrmann 14 aktiven Teilnehmern und einer mindestens doppelt so großen Anzahl von Zuschauern vermittelt, was die Arbeit am Boden, insbesondere die Freiheitsdressur, für die Ausbildung und Persönlichkeit von Pferd und Mensch für positive Auswirkungen hat.

Am Vormittag des ersten Tages hatten alle aktiven Teilnehmer gut 15 Minuten Zeit, sich und ihr Pferd den drei Experten vorzustellen. Dazu waren in der Reithalle drei Manegen (Zirkel von ca. 6 Meter Durchmesser) abgesteckt.

Die Teilnehmer waren sehr weit gestreut: vom jungen spanischen Hengst, über ein  in sich ruhendes, aber sehr feines Pferd (Mix aus Kaltblut und Appaloosa), Haflinger, Lipizzaner, Trakehner bis hin zu einer 27-jährigen Morgan-Horse-Stute, die eine sehr guten Eindruck hinterlies.

Unter den fachkundigen Blicken wurde longiert oder frei mit den Pferden gearbeitet. Anschließend gab es eine erste Beurteilung, die immer sehr feinfühlig und mit sehr großem Fachverstand und Verständnis für die Probleme und Pferd und Mensch oder beiden zusammen ausgefallen ist. Es war auch für die Zuschauer ganz deutlich zu merken, dass hier wirkliche Profis, denen das Wohl von Mensch und Tier am Herzen liegt, am Werk waren, denen auch jede Art von Selbstdarstellung fremd ist. Leider findet man so etwas nicht oft.

Nach der Mittagspause wurde jeder Teilnehmer einem Experten zugewiesen, der dann in einer der drei Manegen mit ihm gearbeitet hat. So hatten die Zuschauer die Möglichkeit, sich alle drei Experten und ihre Arbeit ausgiebig anzusehen. Auch hier wurde deutlich, wie viel Mühe sich mit den Problemen oder Anliegen der Teilnehmer gegeben wurde. Jeder wurde dort abgeholt, wo er stand. Manche Teilnehmer, die schon das zweite Mal dabei waren, haben dann auch gleich noch ein Feedback über ihre Arbeit im Lauf des letzten Jahres erhalten. Auch am zweiten Tag wurde fleißig gearbeitet.

Wichtig ist für alle drei Experten, dass die Freiheitsdressur nicht nur dazu da ist, einem Pferd Kunststückchen beizubringen. Sie dient der Verfeinerung der Kommunikation und setzt auch eine klare Rangordnung voraus. Gerade hier kommen Rangordnungsprobleme sehr deutlich zum Vorschein. Aber auch die gymnastizierende Wirkung der einzelnen Übungen wurde besprochen. So lustig die „Bergziege“ für die Zuschauer aussieht, so gesund ist sie, richtig ausgeführt fürs Pferd: sie dehnt die gesamte Oberlinie, beansprucht die Bauchmuskeln und fördert die Balance.

Wer einzig und alleine auf reine Zirkuskunststücke aus war, war vielleicht enttäuscht. Wer sich aber wirklich mit seinem Pferd beschäftigen will und das waren vor Ort alle, war hier genau richtig.

In einem Gespräch mit Franco Gorgi habe ich ihn natürlich auf die Isländer, die hier leider nicht vertreten waren, angesprochen. Er hat viele Kunden mit Isländern und arbeitet gerne und viel mit ihnen. Gerade von der Arbeit an der Hand und vom Boden aus profitieren seiner Ansicht nach, die Isländer ganz besonders.

Das Seminar ist viel zu schnell vergangen. Die meisten hatten das Gefühl, gar nicht alles an Informationen aufnehmen zu können, was geboten wurde.
Als Abschluss haben dann alle drei Experten dem Publikum noch ein Pferd vorgestellt und damit gearbeitet.

Das Seminar, ganz besonders jeder der drei Experten war wirklich absolut Spitze und uneingeschränkt empfehlenswert!
Die Mischung hat gestimmt, die Organisation und das Ambiente waren toll.

Wer mal die Möglichkeit hat, an diesem Seminar oder bei einem der drei, Franco Gorgi, Ruth Herrmann oder Nicklaus Muntwyler einen Kurs zu besuchen, sollte die Gelegenheit unbedingt nutzen.


Auch in 2016 wird es wieder einen Kurs mit den drei schweizer Experten geben. Infos finden Sie hier:
www.wu-wei-shop.de

Autor und Bilder: Veronika Raithel