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Artikel

von Evelyn Gericks
Creative Training – Verhaltenstherapie für Tiere

Clickertraining für Pferde?

Clickertraining ist eine positive Methode Ihr Pferd zu trainieren. Die Lerntheorie besagt, dass die Belohnung eines Verhalten dazu führt, dass das Verhalten in Zukunft öfter gezeigt wird. Sie besagt auch, dass wenn man ein Verhalten ignoriert, dieses in Zukunft weniger oft oder gar nicht mehr gezeigt wird. Mit dem Clickertraining belohnt man genau die Verhalten, die man sehen möchte und ignoriert die, welche unerwünscht sind. Um dieses zu ermöglichen benötigt man eine kleine Box, die ein Klick-Geräusch macht – den sogenannte Clicker.

Der Clicker sagt dem Pferd insgesamt 3 Dinge:

1. Das was du gemacht hast ist richtig,
2. Du darfst jetzt damit aufhören,
3. Du bekommst eine Belohnung.

Als Belohnung werden meistens Leckerlis, Äpfel oder Möhren genommen. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Pferde auch Stellen haben, die sie gerne gekrault wissen. Auch solche Streicheleinheiten können ebenfalls eine Belohnung darstellen.

Gewöhnung an den Clicker

Natürlich müssen Pferde erst lernen, was ein Clicker bedeutet. Das nennt man Konditionierung und in diesem Fall ist es die klassische Konditionierung. Pferde konditioniert man am einfachsten an den Clicker, in dem man sie die ausgestreckte Hand berühren lässt. Im Augenblick der Berührung wird geklickt und dann ein Leckerli gefüttert. Man muss darauf achten, dass man erst klickt und anschließend füttert, weil nur dann das Pferd die Assoziation zwischen Clicker und Leckerli herstellt. Nachdem man die ersten 5 – 7 Mal die Hand an derselben Stelle hingehalten hat, verändert man nun die Position der Hand. Sie können die Hand nun etwas tiefer, höher oder zur anderen Seite halten. Wenn das Pferd weiterhin nach der Hand sucht und sie berührt, gibt das bei jedem Mal einen Klick und Leckerli. Außerdem kann man so kontrollieren, ob das Pferd das Prinzip verstanden hat.

Das Timing

Der Clicker bietet die Möglichkeit das Pferd genau in dem Moment zu loben, wenn es etwas richtig gemacht hat. Das Timing ist exakt. Mit dem Timing steht und fällt das Clickertraining. Das Click-Geräusch ist wie ein Foto von dem Verhalten, welches vom Pferd in seinem Kurzzeitgedächtnis gespeichert wird und somit hat es ein mentales Bild von dem, was es tat als es den Klick hörte.
Man könnte ja auch immer ‚"brav" sagen. Nur wenn ich ‚"brav" sage, dauert es ziemlich lange bis ich zu Ende gesprochen habe. Während dieser Zeit könnte das Pferd schon längst wieder etwas anderes machen, z. B. mit dem Kopf schütteln, mit den Hufen stampfen, oder mit dem Schweif schlagen. Der Click ist kurz und knackig und deswegen kann das Timing genau bestimmt werden. Außerdem ist der Clicker neutral. Er klingt immer gleich. Unsere Stimme hingegen schwankt mit unseren Emotionen und es bedarf viel Training und Selbstbeherrschung sie immer gleich klingen zu lassen.

Kleine Schritte führen schneller zum Ziel als man denkt

Beim Clickertraining wird in kleinen Schritten auf das große Ziel hin trainiert. Dabei spielt das Timing eine entscheidende Rolle. Wenn man z. B. ein junges Pferd trainiert rückwärts zu gehen, warte ich mit dem ersten Click nicht bis es einen Schritt zurück gemacht hat, sondern klicke bereits dann, wenn es nur sein Gewicht nach hinten verlagert. Nachdem man das ein paar Mal geklickert hat, wird das Pferd wahrscheinlich automatisch einen Schritt nach hinten machen. Dafür gibt es dann einen Click und viele Leckerlis als Jackpot sozusagen.
Nun hat das Pferd einen Schritt zurück gemacht, aber das heißt noch nicht, dass es bereits gelernt hat rückwärts zu gehen. Darum klickt man wieder, wenn das Pferd sein Gewicht etwas nach hinten verlagert. Nach ein paar Clicks wird es wahrscheinlich noch einen Schritt zurück machen. Dann gibt es wieder einen Jackpot zur Belohnung. Nun kann es bereits sein, dass das Pferd sofort einen Schritt rückwärts macht. Je nach Pferd kann das ein Zufallstreffer sein, oder bereits gelerntes Verhalten.
Wenn das Pferd Schritt für Schritt zurück geht, fange ich an, nach 2 Schritten zu klicken, dann nach drei Schritten und schließlich 4 Schritten. Wenn es eine Pferdelänge rückwärts gehen kann, klicke ich erst nach zwei Pferdlängen bis ich gar nicht mehr klicken brauche.

Der Jackpot

Der Jackpot ist eine wichtige Funktion beim Clickertraining. Wenn man sonst nur Äpfel und Möhren füttert, dann könnten Leckerlis als Jackpot dienen. Den Jackpot kann man immer dann einsetzten, wenn es einen Durchbruch im Training gegeben hat. Das Pferd hat plötzlich das getan, was von ihm verlangt wurde. Der Jackpot trägt dazu bei, dass das Pferd dieses Verhalten besser behält und es wird dazu motiviert, es noch einmal zu zeigen. Es gibt einige Reiter, die satteln ihre Pferde prompt ab, wenn sie etwas gut gemacht haben auch wenn sie nur 20 oder 30 Minuten trainiert hatten. Das ist ebenfalls ein Jackpot.

Worauf man beim Clickern achten sollte

Obwohl der Klicker unglaubliche Trainingsmöglichkeiten bietet, sollten folgende Punkte beachtet werden:


• Der Click kommt immer vor dem Leckerli.

• Ein Click garantiert eine Belohnung. Sogar wenn man das Falsche clickt, muss eine Belohnung folgen; ein Versprechen darf man nicht brechen.

• Ein Click - eine Belohnung - niemals mehrere Clicks. Man kann aber die Belohnung besonders groß ausfallen lassen, z. B. mit einem besonders leckeren Leckerli, vielen Streicheleinheiten, Hände klatschen.

• Der Click beendet ein Verhalten. Es ist egal was das Tier zwischen Click und Leckerli tut. Wenn das Tier etwas Neues lernt und damit es während einer Trainingseinheit bei der Sache bleibt, ist es wichtig oft zu klicken und zu belohnen. Man sollte ca. alle 6 Sekunden clicken. Damit sichert man sich die Anteilnahme des Tieres an dem Lernprozess.

• Clicken Sie nicht, um die Aufmerksamkeit des Tieres zu bekommen. Das werden Sie, aber das ist nicht Sinn und Zweck des Clickers.

• Der Clicker ist dafür da, neue Verhalten zu erlernen. Wenn das Tier das neue Verhalten korrekt und zuverlässlich erlernt hat und es außerdem auf Kommando ausführt, kann man den Clicker wieder ausdünnen und schließlich ganz weg lassen.

Zum Abschluss möchte ich darauf hinweisen, dass es wichtig ist die ersten Clickertrainingsstunden unter qualifizierter Aufsicht zu erlernen. Viele müssen erst lernen, die kleinen Veränderungen ihres Pferdes zu erkennen. Außerdem brauchen die meisten etwas Zeit das Timing zu optimieren. Denn wenn Sie das Timing nicht beherrschen, versteht Ihr Pferd Sie nicht und das Clickertraining stiftet mehr Verwirrung als das es helfen würde. Genauso ist es wichtig, die kleinen Schritte zu belohnen und nicht sofort zu viel vom Pferd zu verlangen. Denn verlangen Sie zu viel, versteht Sie Ihr Pferd ebenfalls nicht und Sie, sowie Ihr Pferd, werden frustriert das Training abbrechen. Dabei bietet Clickertraining viele Möglichkeiten (Verladetraining, Tierarztphobie, Hufschmied, Verfeinerungen beim Reiten, Anlehnung etc.) die Sie unbedingt ausschöpfen sollten. Für Fragen und Auskünfte stehe ich Ihnen jeder Zeit gerne zur Verfügung!