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von Fatma Mirjam Ormeloh



Fatma Mirjam Ormeloh studierte in Hannover Tiermedizin und arbeitete fünf Jahre in Gemischtpraxen in Luxemburg und im Sauerland. Akupunkturausbildung der International Veterinary
Acupuncture Society (IVAS)
und Chiropraktikausbildung der European Academy for Veterinary Chiropractic (EAVC).

Heute arbeitet sie in eigener Praxis mit dem Leistungsangebot der Akupunktur und Chiropraktik bei Pferden und Hunden.

Info: www.vet-akupunktur.de

Das Anti-Blockier-System - Chiropraktik

Die Chiropraktik ist eine manuelle Methode, mit der Bewegungsstörungen des Skelettsystems so behandelt werden, dass die Gelenke ihre ursprüngliche Beweglichkeit wiedererlangen. Hierdurch wird eine optimale Stimulierung des Nervensystems erreicht. Das leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung des Körpers.
Im Mittelpunkt steht die Funktion der Wirbelsäule (siehe unten „Die Wirbelsäule“). Für einen optimalen Informationsfluss zwischen dem Zentralen Nervensystem und allen Organen und Geweben des Körpers ist eine gute Beweglichkeit aller ihrer Gelenke notwendig. Ist die Beweglichkeit zwischen zwei Wirbeln eingeschränkt, kann es zu einer Beeinträchtigung des austretenden Nervenstranges mit weitreichenden Folgen kommen.
Die herabgesetzte Beweglichkeit oder der eingeschränkte Bewegungsspielraum eines Gelenks heißt Blockade. Der Chiropraktiker löst diese, so dass das Gelenk wieder optimal funktionieren kann.

Die Wirbelsäule...

besteht neben einer Vielzahl von Muskeln, Bändern und Nerven beim Pferd in der Regel aus sieben Hals-, 18 Brust-, sechs Lenden-, fünf (zum Kreuzbein zusammengewachsenen) Kreuz- und 16 bis 18 Schwanzwirbeln. Diese bilden miteinander etwa 200 Gelenke. An jedem Wirbel setzen etliche Muskeln an, die die Beweglichkeit steuern. Diese erscheint zwar für ein einzelnes Wirbelsegment gering, jedoch leistet jedes dieser Gelenke einen Beitrag zur beträchtlichen Gesamtmobilität von Rücken und Hals. Die Wirbelsäule schützt das Rückenmark, das durch einen von den Wirbeln gebildeten Zentralkanal verläuft. Vom Rückenmark zweigen die Spinalnerven ab und treten zwischen zwei Wirbeln aus, um sich dann in zahlreiche einzelne Nerven aufzuteilen. So vernetzten sie Organe, Muskulatur und Haut mit dem Gehirn.

Der Körper kompensiert

Hat ein Pferd Blockaden, kann dies zu Steifheit, Muskelverspannungen und mangelnder Koordination führen. Versucht der Körper die Blockaden zu kompensieren, ändert sich seine Haltung: Andere Gelenke mit ihren Muskeln, Sehnen und Bändern werden mehr oder überbelastet. Dies führt zu weiteren Blockaden und Schonhaltungen.

Das Pferd biegt sich schlecht, verliert Geschmeidigkeit, macht den Rücken fest. Leistungsminderung, Kreuzgalopp, Taktfehler, Fehltritte bis hin zu unspezifischen Lahmheiten können die Folge sein.

Manchmal treten auch außergewöhnliche Schweißbildung, Juckreiz oder Hitze-/Kälteüberempfindlichkeit auf, da die Funktion von Hautnerven gestört ist.

Was Blockaden verursacht

Bewegungsblockaden können durch Makrotraumen hervorgerufen werden, wie durch Stürze, Festliegen, im Halfter Aufhängen, Unfälle, Transporte, Geburten oder Vollnarkosen.

Aber auch Mikrotraumen, die immer wieder über einen längeren Zeitraum auf das Pferd einwirken, können die Gelenksfunktionen stören. Dazu gehören Bewegungsmangel, falsche/r Beschlag/Hufpflege, unpassender Sattel, übermäßiges oder falsch dosiertes Training sowie ein schlechter oder schief sitzender Reiter. In diesen Fällen sollten natürlich die Ursachen erkannt und beseitigt werden, da sich die Blockaden sonst auch nach dem Lösen immer wieder neu bilden.

... und wie sie gelöst werden

Zu Beginn einer chiropraktischen Behandlung wird das Pferd im Stand und danach im Schritt und Trab auf der Geraden sowie auf gebogenen Linien betrachtet. Der Therapeut achtet auf anatomische Besonderheiten, Asymmetrien, Biegsamkeit, Schrittverkürzungen, Schleifen des Hufes und andere Auffälligkeiten. Dann prüft er systematisch die Mobilität der Wirbelsäulen-, Kiefer- und Gliedmaßengelenke.

Wird eine Blockade diagnostiziert, so erfolgt die Mobilisierung des Gelenkes mit den Händen durch einen schnellen kurzen Impuls (Stoß oder Zug), der in einem speziellen Winkel ausgeführt wird. Die Chiropraktik arbeitet mit „Kurzhebeltechniken“: Der Therapeut setzt möglichst direkt an einem am betroffenen Gelenk beteiligten Knochen an. So arbeitet er sehr dosiert und effektiv.

Die Blockade wird dadurch gelöst, dass der gezielte Impuls das blockierte Gelenk leicht über seine normale Beweglichkeit hinaus bewegt, ohne dass die anatomischen Grenzen überschritten werden.

Nachsorge ist wichtig

Nach der Behandlung sollte das Pferd zwei Tage nicht geritten werden, sich aber frei bewegen können (keine absolute Boxenruhe). Die Muskulatur muss sich an die veränderte Körperhaltung gewöhnen. Anschließend kann man mit leichter Arbeit anfangen und einen etwa dreitägigen Übergang zum gewohnten Training vollziehen. Muskelkater und ein neues Körpergefühl kann in Einzelfällen zu einer vorübergehenden, einige Tage dauernden Verschlechterung der Rittigkeit führen. Meistens aber lassen sich die positiven Veränderungen schon bald feststellen.

Meist mehrere Behandlungen nötig

Wie viele chiropraktische Behandlungen notwendig sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Oft reicht eine nicht aus, vor allem wenn Schonhaltungen und Blockaden schon längere Zeit bestehen. Denn dann haben sich Muskeln und Bänder meist diesem krankhaften Zustand angepasst und benötigen auch wieder Zeit, ihre Stütz- und Haltefunktion im gesunden Körper zu erfüllen.

Im Abstand von drei bis vier Wochen kann nachbehandelt werden. Nach einer bis maximal drei Behandlungen sollte eine deutliche Verbesserung eintreten.

Vorbeugung ist besser

Bei Pferden im Leistungssport, bei alten und auch bei jungen Pferden ist eine regelmäßige chiropraktische Betreuung als Prophylaxe empfehlenswert: Durch eine optimale Gelenkbeweglichkeit kann das Sportpferd sein volles Potential nutzen, das alte Pferd Arthrosen und Gelenksdegeneration vorbeugen, das Jungpferd im Wachstum die Basis für ein gesundes und belastbares Skelettsystem gelegt bekommen.

Hilfe bei akuten Problemen

Bei folgenden akuten Problemen kann die chiropraktische Behandlung von großem Nutzen sein: mangelhafte Losgelassenheit, Steifheit, Verspannungen, Widersetzlichkeit unter dem Reiter, Hochreißen des Kopfes, Wegdrücken des Rückens, Schweifschlagen, verkürzte Tritte, Stolpern, Schwierigkeiten, sich vorwärts-abwärts zu strecken, sich durchs Genick zu stellen oder mit der Hinterhand Last aufzunehmen.

Nach Geburten, Vollnarkosen, Unfällen und Stürzen ist eine chiropraktische Überprüfung vor Wiederaufnahme des Trainings sinnvoll.

Bei Lahmheiten, extremen Rückenbeschwerden und Ataktikern (das Pferd läuft unkoordiniert und wie betrunken) sollte das Pferd unbedingt zunächst einem Tierarzt vorgestellt werden. Erst wenn nach der Diagnostik mit den notwendigen Röntgenaufnahmen aus schulmedizinischer Sicht nichts dagegen spricht, kann nach Absprache mit dem Tierarzt die Chiropraktik begleitend oder im Anschluss an die Therapie ergänzend hinzugezogen werden.

Chiropraktik zur Ergänzung

Bei chronischen Erkrankungen der Gliedmaßen (Spat, Arthrosen, Hufrollenentzündungen) und der Wirbelsäule (Kissing Spines) kann eine begleitende Behandlung sekundäre Rückenprobleme verhindern und degenerative Prozesse verlangsamen.

Info Chiropraktik Chiropraktik und Osteopathie
Da „Chiropraktiker“ keine geschützte Berufsbezeichnung ist, ist es sehr wichtig, auf die fachliche Qualifikation des Therapeuten zu achten. Empfehlenswert ist, sich an Tierärzte zu wenden, die eine Zusatzausbildung zum graduierten Tierchiropraktiker abgeschlossen haben. Sie wird seit 2003 in Deutschland von amerikanischen Dozenten durchgeführt. Eine Liste findet man im Internet auf der Seite der Gesellschaft für Veterinär-Chiropraktik e.V.: www.ivca.de.
Es geht in der Chiropraktik nicht darum, ausgerenkte Wirbel einzurenken! Diese leider oft gebrauchte Beschreibung ist falsch. Ein tatsächlich ausgerenkter Wirbel bedeutet einen lebensbedrohlichen Zustand. Er ist -falls überhaupt - nur in einer Tierklinik mit Intensivmedizin behandelbar
Beide Therapieformen zeigen einen ganzheitlichen Ansatz. Sie beheben funktionelle Störungen, so dass die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiv werden. In der Osteopathie spielt die Blutversorgung, in der Chiropraktik dagegen die Nervenfunktion eine zentrale Rolle.
Das Ziel beider Methoden ist der Mobilitätsgewinn mit seinen günstigen Auswirkungen auf die Zirkulation/das Nervensystem. Das Arbeitsfeld des Osteopathen ist breiter (Anwendung von Faszientechniken, kranio-sakraler Therapie und der visceralen Osteopathie).
Der Chiropraktiker konzentriert sich stärker auf den Bewegungsapparat. Chiropraktiker arbeiten möglichst spezifisch mit Kurzhebeltechniken.


Copyright ©
Fotos und Text :

Fatma Ormeloh

Nachdruck und Verwertung – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung
der Autorin.

Kontakt und Termin- vereinbarungen über die Webseite von Fatma Ormeloh

www.vet-akupunktur.de