.

 

 

.
Sie sind hier: Artikel ->Ausgesprochen schwierig

witzige Kolumne

von Karen Diehn in mehreren Teilen - Teil 6

Ausgesprochen schwierig

Als Reiter hat man einen elaborierten Sprachcode, den Mitmenschen weder gutheißen noch verstehen können. Seit ich in die Reitschule ging, gehörten Begriffe wie Pferdeäppel und Mist zu meinem normalen Sprachschatz und Unterhaltungen, in denen es um die Wehwehchen und Ausscheidungen der heißgeliebten Vierbeiner gingen, gehörten zur Tagesordnung, was meine Eltern beim Mittagsessen regelmäßig zur Weißglut brachte.
Ich lernte aber auch Dinge fürs Leben, zum Beispiel, dass „Galopp rechte Hand“ nicht etwas was mit meiner Handhaltung zu tun hatte, sondern mit dem jeweiligen Hinterbein des Pferdes. Ich verstand, dass „aussitzen“ manchmal schwerer war als „leichttraben“ und wusste, dass ich nicht „Têten-Reiter“ sein wollte, weil mit nicht merken konnte, wie man richtig „durch die ganze Bahn“ wechselte.
Als ich auf Isländer umstieg, fühlte ich mich vokabeltechnisch voll auf der Höhe. Sehr bald merkte ich aber, dass Isländer nicht nur anders gehen, sondern auch, dass der gemeine Islandpferde-Reiter eine ausgesprochen schwierige, weil ganz eigene Sprache spricht, eine Art „Isi-Slang“.
Die Vermischung von Isländisch und Deutsch machte es mir von Anfang an schwer. Zum Beispiel in der Sattelkammer. Ich hatte mich auf die Suche nach „einem Vorgurt und einem Paar Glocken“ begeben sollen und stand ratlos dar, weil ich mir partout unter einem Gurt vor dem Gurt und Kirchenglocken fürs Pferd nichts vorstellen konnte. Ich kannte Stoßzügel, die ja weder was mit an- noch mit abstoße zu tun hatten, Martingale und Schlaufzügel, aber wo man am Pferd Glocken montieren konnte und wozu, das entzog sich meiner Vorstellungskraft.
Irgendwann lud man mich ein, ob ich nicht mit auf ein „OSI“ kommen wollte. Nichtsahnend fuhr ich mit und dachte, wir gingen in eine Kneipe und ein „OSI“ sei ein italienischer Ouzo. Natürlich landete ich dann statt in einem Lokal auf einem Turnier und wurde dort mit noch mehr Fremdwörtern konfrontiert: IPO, FIZO, FEIF, T7, F3… Ich war umgeben von Begriffen und Sitten, die mir mächtig spanisch vorkamen. Auf meiner OSI-Premiere erlebte ich erstmals, dass man an Pferdebeine noch andere Dinge als Eisen, Glocken oder Bandagen tüddeln kann. Und offenbar brauchte man im Islandpferdesport sogar eine Wage, um das richtige Menge Bein- und Hufschutz zu finden… Bei Sätzen wie „Swartür hatte in der FEIF eine 8,01 und hat jetzt im Tölt die Sport A-Quali…“ verstand ich gerade mal, dass es um ein Pferd ging, was offenbar auf irgendeine Art tölten konnte.
Aber man lernt Fremdsprachen ja vor allem wenn man mit ihnen tagtäglich zu tun hat. Bei mir war also „Lernen durch praktische Übung“ angesagt und inzwischen geht mir der Isi-Slang ganz gut über die Lippen.