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von Karen Diehn

Alternative Therapien – Akupunktur gegen das große Jucken

Mit naturheilkundlichen Therapieansätzen gegen die sommerliche Plage des Ekzems vorzubeugen, probieren immer mehr Pferdehalter. Ob mit Globulis, Nadeln, es gibt verschiedenste Wege, die Symptome des Vierbeiners mit Naturmedizin zumindest zu lindern.

Für das Islandpferde-Portal Fleygur sprach Autorin Karen Diehn (KD) mit der Diplom-Veterinärwissenschafterin, Akupunkteurin und Osteopathin Sabine Heyse aus der Nähe von Lüneburg. Die betreibt seit sieben Jahren eine mobile Praxis für ganzheitliche Pferdebehandlung und zählt zu ihren Kunden sehr viele Islandpferde.

Heyses Schwerpunkt ist die Akupunktur, ein Gebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) mit einer sehr alten Heiltradition in China. Die Behandlung mit den feinen Nadeln unterscheidet sich in ihrem Verständnis von Krankheit und Gesundheit, der Herangehensweise und dem zu Grunde liegenden Verständnissen von der westlichen Medizin.

KD: Akupunktur kann bei allergischen Menschen sehr viel bringen. Kann man ein Pferd mit Sommerekzem durch Akupunkturnadeln heilen?

Sabine Heyse (SH): Die Traditionelle Chinesische Medizin geht davon aus, dass nur in einem Körper mit energetischen Störungen Krankheit entstehen kann. Bringe ich also den gestörten Energiefluss ins Gleichgewicht, sollte die Krankheit verschwinden. Im Idealfall könnte ein Pferd mit Sommerekzem also per Akupunktur geheilt werden. Aber auch die Traditionelle Chinesische Medizin kann keine Krankheiten „wegzaubern“. Sie kann bei vielen Erkrankungen helfen, wo die Schulmedizin nicht mehr weiter kommt. Und sie kann fast immer Linderung bringen, falls eine vollständige Heilung nicht mehr möglich sein sollte.

KD: Die Herangehensweise eines Akupunkteurs an eine Krankheit unterscheidet sich ja von der eines Schulmediziners…

SH: Das stimmt. Die Akupunktur sieht nicht zuerst das Symptom, sondern sucht nach der Ursache und versucht, diese zu beheben. Bei Tieren braucht das viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung, um die ursächlichen energetischen Störungen zu finden. Denn die kann bei zwei Sommerekzemern unterschiedlich sein. Pferde können sich ja nur begrenzt verständlich machen. Man muss also die Feinfühligkeit besitzen, sich auf jeden vierbeinigen Patienten individuell einzustellen und gut zuhören.

KD: Reagieren alle Pferde gleich auf die Akupunktur?

SH: Die Intensität der Reaktion ist unterschiedlich, aber alle reagieren darauf. Die Reaktionsfähigkeit eines Pferdes hängt nicht nur von ihm selbst ab, sondern auch von anderen Faktoren wie zum Beispiel davon, welche Arten von Behandlungen der Akupunktur eventuell vorangegangen sind und ob und wie viele Medikamente bereits verabreicht wurden. Manche Arten von Medikamenten beeinflussen die Reaktionsfähigkeit von Pferden. Das muss man als TCM-Therapeut wissen und die Behandlungsreaktion des Pferdes entsprechend deuten.

KD: Mit wie vielen Behandlungen müssen Pferdebesitzer rechnen, wenn sie ein Pferd wegen Sommerekzem nadeln lassen möchten?

SH: Das kann man pauschal nicht sagen. Es hängt immer von der schwere der Erkrankung und von der Reaktionsfähigkeit des Patienten Pferd auf die Behandlung ab. Sicher ist, dass man nicht mit einer oder zwei Behandlungen ein Sommerekzem beseitigen kann, was schon lange bei einem Pferd besteht oder sehr heftig ausgeprägt ist.

KD: Wir sprechen hier immer von „Nadeln“, die quasi ins Pferd gebohrt werden sollen. Tut das Akupunktieren den Pferden weh?

SH: Nein, das Nadeln tut den Pferden nicht weh. Manche sind am Anfang etwas skeptisch, weil sie nicht wissen was man mit ihnen vorhat, aber das gibt sich ganz schnell, wenn sie merken wie angenehm die Behandlung ist. Würde die Behandlung Schmerzen verursachen, hätte ich als Therapeutin schnell ein echtes Problem, ein Pferd von der Notwendigkeit einer Akupunkturbehandlung zu überzeugen.

KD: Wie steht es mit Nebenwirkungen?

SH: Bei einer korrekt angewendeten Akupunkturbehandlung gibt es keine negativen Effekte. Es gibt auch keine Erstverschlimmerung wie bei der Homöopathie. Ein verantwortungsbewusster TCM-Therapeut wird den Pferdebesitzer vor und nach einer Akupunktur darüber aufklären, was er nach der Behandlung beachten sollte, beziehungsweise seinem Pferd zusätzlich noch Gutes tun kann.

KD: Es ist bekannt, dass Sommerekzem sozusagen nur das Endprodukt von mehreren Störungen im Pferdeorganismus ist. Kann man Akupunktur auch vorbeugend einsetzen, bevor ein Pferd anfängt zu jucken?

SH: Selbstverständlich. Denn noch bevor es Symptome einer konkreten Erkrankung gibt, kann ein TCM-Therapeut eventuell energetische Störungen feststellen und diese beheben. Damit lassen sich organische Probleme vermeiden. Die TCM ist also nicht nur eine Behandlungsmöglichkeit bei Krankheit, sondern sollte vielmehr als vorbeugende Maßnahme zur Gesunderhaltung des Pferdes angesehen werden. Leider ist dies noch wenig bekannt!

KD: Bietet die TCM außer der Akupunktur vielleicht noch einen anderen Weg, einem Ekzemer das Leben zu erleichtern?

SH: Ja, fürs Pferd bieten die traditionellen chinesischen Kräuter und die chinesische Diätetik sehr schöne Ergänzungen zu einer Akupunkturbehandlung. Beides kann, wenn der Therapeut entsprechend ausgebildet ist, sicher mit in die jeweilige Therapie einbezogen werden.

KD: Immer wieder hört man Erfahrungen, dass Pferdebesitzer alles Mögliche ausprobiert hätten bei ihrem Ekzemer und nicht geholfen hätte. Auch die Akupunktur nicht…

SH: Viele Patientenbesitzer sind nur deswegen skeptisch, weil ein Stallkollege vor Jahren angeblich mal schlechte Erfahrungen gemacht hat. Warum es aber nicht funktioniert hat, wird nicht weiter hinterfragt. Die Methode wird pauschal abgetan… Oft wird quasi Wunderheilungen nach einer Behandlung erwartet. Oder der Pferdehalter hält sich nicht an die Anweisungen des behandelnden Therapeuten. Ich finde, man sollte einer Methode schon eine reelle Chance geben, ehe man sie als unwirksam abtut. Und Akupunktur kann wirklich viel bewirken!

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